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Klimawandel Kohleausstieg für die Gesundheit

Ärztekammer-Präsident Montgomery fordert mehr Engagement der Mediziner für den Klimaschutz.

Kohlekraftwerk
Kohlekraftwerke verpesten die Umwelt. Foto: rtr

Die Ärzteschaft sollte sich für den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen engagieren, um Klimaschutz und Gesundheitsvorsorge zu verbessern. Das fordert der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, in einem Interview mit dem Umweltmagazin „movum“. „Kein Zweifel: Der Klimawandel ist real, er ist von Menschen gemacht und er gefährdet unsere Gesundheit“, sagt er. Als Beispiel verweist Montgomery auf die Zunahme von Extremwetter-Ereignissen wie Starkregen in vielen Ländern; die so ausgelösten Überschwemmungen führten auch zu Todesfällen.

Es sei wichtig, das Gesundheitswesen in den Kampf gegen die Klimaerwärmung einzubinden, meint der Ärztefunktionär – von den Arztpraxen über die Krankenhäuser bis hin zu den Unternehmen in dem Sektor. Hier gehe es bundesweit um rund 230 000 Einrichtungen.

Außerdem müsse die Gesundheitspolitik der Umweltmedizin einen stärkeren Stellenwert geben, fordert er. Montgomery ist Oberarzt am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf und seit 2011 Präsident der Bundesärztekammer. Er hat die Schirmherrschaft für das Projekt „Klimaretter – Lebensretter“ der Freiburger Stiftung Viamedica übernommen.

Montgomery fordert, in Deutschland und in der EU müsse viel mehr getan werden, um die Gesundheitsbelastungen durch Umweltschadstoffe zu verringern. „Aktuelle Langzeitstudien bestätigen die Gefahren durch Feinstaub, Stickoxide und Rußpartikel“, warnt er. Neueste Untersuchungen zeigten erhöhte Risiken für Lungenzündungen bei Kleinkindern und Lungenkrebs bei Erwachsenen. Der Kammerpräsident warnte davor, in Deutschland einen Weg wie in den USA einzuschlagen, „wo ein Donald Trump sich ungerührt über den Umwelt- und Klimaschutz hinwegsetzt“.

Die Europäische Umweltagentur schätzt, dass Luftschadstoffe europaweit jährlich rund 520 000 und in Deutschland rund 80 000 vorzeitige Todesfälle auslösen – vor allem bei älteren und gesundheitlich geschwächten Menschen. Einen großen Anteil an der dicken Luft hat der Verkehr. Allerdings tragen auch die Kohlekraftwerke nicht unerheblich dazu bei. Laut einer Studie der NGO „Health and Environment Alliance“ (Heal) sind die deutschen Anlagen für 4350 vorzeitige Todesfälle jährlich verantwortlich. Im Abgas der Kohlemeiler finden sich neben dem Treibhausgas CO2 auch Stickoxide, Schwefeldioxid und Schwermetalle. Die Schadstoffe wirken dabei nicht nur in der unmittelbaren Umgebung der Kraftwerke, sie können sich im Umkreis von mehreren hundert Kilometern ausbreiten.

Eine Emnid-Umfrage ergab unterdessen, dass die Mehrheit Bundesbürger einen schnellen Kohleausstieg befürwortet, um das deutsche Klimaziel für 2020 noch einhalten zu können.

Rund 69 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass die neue Groko im großen Umfang alte Kohlemeiler stilllegt. Unter den Unionswähler sprachen sich 68 Prozent für diesen Kurs aus, bei den SPD-Wählern waren es sogar 81 Prozent. In Auftrag gegeben hat die Umfrage der Umweltverband BUND. Dessen Vorsitzender Hubert Weiger nannte die Umfrageergebnisse einen „klaren Handlungsauftrag an die neue Bundesregierung“. Die Bürger seien beim Thema Kohleausstieg „weiter als die Vertreter von CDU/CSU und SPD“.

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