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Klimaschutz Ökosprit und Segel für Schiffe

Die internationale Seeschifffahrt will ihren CO2-Ausstoß senken. Das ist ein guter Ansatz - doch der Nutzen bleibt fraglich. Die Analyse.

Es ist quasi eine Art „Paris-Vertrag“ für die internationale Seeschifffahrt. Die Branche hat beschlossen, ihren Treibhausgas-Ausstoß bis 2050 im Vergleich zum Basisjahr 2008 mindestens zu halbieren und dann weiter abzusenken. Der Beschluss fiel nach kontroversen Verhandlungen bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) in London. Der absolute Höhepunkt der Emissionen - der „Peak“ - solle zudem „möglichst bald“ erreicht werden, heißt es in dem Beschluss, den mehr als 100 IMO-Mitgliedsstaaten fassten. Das wird zwar als Durchbruch gefeiert, reicht aber nicht, um den Sektor auf den Zwei-Grad-Pfad zu bringen, der Ziel der Klimapolitik ist.

Die Branche mit ihren rund 40 000 Hochseeschiffen ist aktuell für rund 800 Millionen Tonnen CO2 und damit 2,6 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich, was in etwa dem Anteil Deutschlands entspricht. Nach einer Studie der IMO, die eine Unterorganisation der Vereinten Nationen ist, würde diese Treibhausgas-Fracht bis Mitte des Jahrhunderts allerdings um mindestens 50 Prozent und im Extremfall sogar 250 Prozent ansteigen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Das macht klar: Es war überfällig, hier etwas zu tun – zumal die IMO im Rahmen des Kyoto-Protokolls bereits 1997, also vor über zwei Jahrzehnten, aufgefordert wurde, ihren Beitrag zum Klimaschutz festzulegen. Politisch ist der Londoner Beschluss also ein Fortschritt, zumal während der einwöchigen Verhandlungen ein Scheitern nicht ausgeschlossen war. Wie viel er tatsächlich wert ist, bleibt abzuwarten - die Ziele sind nämlich nicht bindend.

Ein parallel verabschiedeter Kriterienkatalog soll es allerdings einfacher machen, Fortschritte bei der CO2-Einsparung zu bewerten. Dazu gehören ein Effizienzindex für neue Schiffe und Vorgaben zur Senkung der CO-Emissionen je Transporteinheit. Bis 2030 sollen letztere um 40 Prozent sinken, bis 2050 werden 50 bis 70 Prozent angepeilt. Ein weiter starkes Wachstum der Seeschifffahrt, die das „Rückgrat“ der Globalisierung ist, würde diese Gewinne jedoch zum Teil wieder auffressen.

Um auf einen Paris-kompatiblen Pfad zu kommen, müsste der CO2-Ausstoß der Seeschifffahrt bis 2050 bereits um 70 bis 100 Prozent sinken. Möglich wäre das durchaus. Der Industrieländerclub OECD hält es sogar für machbar, die CO2-Emissionen in dem Sektor bis 2035 fast auf null zu bringen – vor allem durch Ersatz des schmutzigen Schiffsdiesels durch Agrosprit und synthetische Kraftstoffe, die mit Wind-, Wasser- oder Solarenergie erzeugt werden. Laut der OECD-Studie dazu müsste zudem der Verbrauch der Schiffe deutlich gesenkt werden. Das geht einerseits durch Veränderungen am Schiffsrumpf, langsameres Fahren, die Nutzung größerer Schiffe, aber auch durch Windkraft als Hilfsantrieb – mit Segeln oder Lenkdrachen.

Solche schärferen Ziele hatten in London die Inselstaaten aus dem Pazifik und der Karibik sowie die EU gefordert. Sie konnten sich jedoch nicht durchsetzten. Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien und Saudi-Arabien lehnten absolute CO2-Minderungsziele generell ab. Sie wollten nur relative Vorgaben pro zurückgelegter Seemeile und pro transportierter Tonne beschließen – und setzten sich damit durch. Saudi-Arabien stimmte am Ende sogar gegen den Kompromisstext, ebenso die USA.

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