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Klimaschutz Die neue Nummer 1

China ist Champion beim Ökostrom. Das Land hat die Zeichen der Zeit erkannt: Es ist führend bei Windkraft und Solarenergie.

China ist der neue Ökostrom-Weltmeister. Foto: Reuters

Deutschland hat sich abhängen lassen. Im vergangenen Jahrzehnt war die Bundesrepublik noch der Weltchampion der erneuerbaren Energien gewesen. Eine Erfolgsgeschichte sondergleichen: Dank der Förderung über die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) boomten vor allem Wind- und Solarenergie; der Preis für die Kilowattstunde Ökostrom sank dadurch so stark, dass er inzwischen in derselben Größenordnung wie die Elektrizität aus neu gebauten fossilen Kraftwerken liegt.

Doch inzwischen sind andere Länder am alten grünen Pionier vorbeigezogen. China ist längst der neue Ökostrom-Weltmeister, während die Bundesregierung den Zubau von Wind-, Solar- und Biogasanlagen sogar bewusst zurückfährt.

Erst vorige Woche hat die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognose zum globalen Ausbau des Ökostrom-Sektors nach oben korrigiert. Der werde „signifikant“ höher liegen als bisher gedacht. Dass die Erneuerbaren trotz der niedrigen Preise für Kohle, Öl und Gas so stark wachsen, liege an zwei Faktoren: Die Kosten der Anlagen seien drastisch gefallen, zudem geben es eine „starke politische Unterstützung in Schlüsselländern“, namentlich China, USA, Indien und Mexiko. Das Jahr 2015 sei der „Wendepunkt für die Erneuerbaren“ gewesen. Erstmals machten die Öko-Kraftwerke laut IEA mehr als die Hälfte aller neu gebauten Stromkapazitäten aus.

Zahllose Windturbinen gebaut

Vor allem die Chinesen haben die Zeichen der Zeit erkannt. Bei der Windkraft und Solarenergie ist das Land führend, seit die Regierung in Peking die Erneuerbaren-Industrien im vergangenen Jahrzehnt mit großen Subventionen aus dem Boden stampfen ließ. Im Jahr 2015 tätigte China alleine rund 36 Prozent aller globalen Investitionen in erneuerbare Energien.

Wie rasant der Ausbau vorangeht, macht das von der IEA zitierte Beispiel plastisch: So wurden in dem Land 2015 pro Stunde zwei Windturbinen installiert. Auch ein großer Teil der über 500 000 Solarpaneele, die voriges Jahr weltweit zugebaut wurden, gingen hier ans Netz.

Peking treibt den Umbau seines Elektrizitätssektors mit Macht voran. Das betrifft nicht nur die Ökoenergien, sondern auch die fossilen Kapazitäten, bei denen es große Überkapazitäten gibt. So ordnete die Regierung unlängst laut dem sogenannten Greenpeace Energydesk einen Baustopp für 30 Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 17 Gigawatt (GW) und den damit verknüpften Netzausbau an. Zum Vergleich: In Deutschland sind insgesamt Braunkohle-Kraftwerke mit gut 21 GW installiert. Peking hat 13 Provinzen des Landes zudem aufgefordert, keine neuen Kohlemeiler mehr zu entwickeln.

Weiterhin streicht China mehrere bisher geplante Strom-Autobahnen, mit denen der vor allem im Westen des Landes produzierte Kohlestrom zu den Siedlungsschwerpunkten an den Küsten transportiert werden sollte. Experten schließen daraus, dass Peking den Ökostrom-Anteil stark anheben will und die Elektrizität dezentraler erzeugt wird.

3,5 Millionen Jobs vorhanden

Chinas Regierung nimmt Umwelt- und Klimaschutz inzwischen deutlich ernster als in früheren Jahrzehnten, als das Wirtschaftswachstum alleinige Priorität hatte und der CO2-Ausstoß des Landes dramatisch zunahm; die Pro-Kopf-Emissionen liegen inzwischen auf europäischem Niveau. Premier Li Keqiang kündigte 2014 einen „Krieg gegen Verschmutzung“ an, um die extreme Luftbelastung in den Großstädten zu senken. Und zusammen mit den USA trieb Peking in diesem Jahr die Ratifizierung des Paris-Klimavertrages voran. Allerdings ist klar, dass hinter den energiepolitischen Entscheidungen auch ökonomische Erwägungen stecken. Greenpeace schätzt die Kosten eines Weiterbaus der wegen der Überkapazitäten nicht benötigten 30 Kohle-Kraftwerksprojekte auf deutlich über 20 Milliarden US-Dollar.

IEA-Chef Fatih Birol kommentierte den globalen Umbau so: „Wir erleben gerade einen Wandel der globalen Energiemärkte, der von den Erneuerbaren angestoßen wird.“ China profitiert dabei am meisten. Die Ökostrom-Branche hat hier inzwischen 3,5 Millionen Jobs, gefolgt von Brasilien mit 900 000 und den USA mit 770 000. In Deutschland ist der Trend gegenläufig. Von 370 000 anno 2014 sank die Zahl auf 355 000 im vergangenen Jahr.

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