Lade Inhalte...

Klima „Unsere Zukunft ist gefährdet“

Schüler Karl Klingeberg über die Schülerstreiks für das Klima, die jetzt wieder beginnen.

Schülerprotest
Schülerprotest am Donnerstag in Brüssel: Weltweit protestiert die Jugend. Foto: imago

Du hast Mitte Dezember während des UN-Klimagipfels im polnischen Kattowitz einen Klimastreik von Schülern in Berlin mitorganisiert, und ab diesem Freitag soll es bundesweit weitere Aktionen geben. Was war der Anstoß dafür? 
Ich interessiere mich schon immer für die Klimakrise und war auch entsprechend informiert – auch bei der großen „Stop Kohle“-Demo im Berlin war ich mit ein paar Freunden dabei. Dort erfuhren wir, dass wir einen Klima-Schulstreik in Berlin bereits verpasst hatten. Also setzten wir uns in den Kopf, selbst einen Streik zu organisieren, was ich dann größtenteils in die Hand nahm.

Die Bewegung hat die schwedische Schülerin Greta Thunberg gestartet, die ihren Streik bereits seit einem halben Jahr durchführt. Immer freitags postiert sie sich vor das Parlament in Stockholm, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Planst Du auch eine solche Dauer-Demo? 
Bei zwei zukünftigen Streiks werde ich auf jeden Fall dabei sein, ansonsten muss ich auch sehen, wie meine Schule damit umgeht. Aber ich versuche so oft es geht, mit zu streiken.

Wissen Schüler in Deutschland genug über den Klimawandel?
Viele von ihnen wissen leider viel zu wenig und sind sich des Ausmaßes dieser Krise nicht bewusst. Grundsätzlich ist es einfacher wegzuschauen und das Wissen ins Unterbewusstsein zu verbannen. Niemand will hören, dass es zu Überschwemmungen und anderen Katastrophen kommt und dass man selbst mit daran die Schuld trägt. Ich bin überzeugt, dass man dieses Thema in der Schule weitaus mehr angehen kann, da es jeden Schüler und jede Schülerin betrifft.

Die Ziele der deutschen Klimapolitik sind durchaus ambitioniert. Erkennst du das nicht an?
Die Ziele sind ambitioniert, nach Meinung unserer Regierung aber anscheinend zu ambitioniert – wieso sonst hat sie das Klimaziele für 2020 aufgegeben? Nach meiner Meinung müsste die Klimapolitik viel schneller vorangehen. Ich finde es beängstigend, das Deutschland trotz seines Wohlstands noch immer nicht den Kohleausstieg beschlossen hat.

Woran liegt es, dass die Ziele bisher nicht umgesetzt werden?
Unsere Regierung scheut sich davor, der Kohleindustrie auf die Füße zu treten. Leider sind viele Politiker noch zu wirtschaftsorientiert und die Lobbys zu stark.

Du sagst: Deutschland muss schnell raus aus der Kohle. Sind die Jobs in dieser Branche nicht so wichtig?
Wenn wir mehr auf grünen Strom setzen, schafft das ja doch auch wieder Arbeitsplätze. Ansonsten gilt: Gemeinsam können – und müssen – wir neue und kreative Wege finden, sowohl der Klimakrise als auch den daraus resultierenden Veränderungen zu begegnen. Und außerdem: Die Kohlekraftwerke tragen ja nicht nur zur Erderwärmung bei, sie sondern auch noch Stickoxide und Quecksilber ab.

Greta Thunberg sagt: „Da unsere Politiker sich wie Kinder verhalten, müssen wir die Verantwortung übernehmen, die sie schon lange übernehmen sollten“. Kann das funktionieren?
Wir sind ja schon dabei, die Verantwortung zu übernehmen, indem wir streiken gehen. Und wir sind ja nicht nur Minderjährige. Es schließen sich auch etliche Studentinnen und Studenten Gretas Bewegung an.

Für den Protest lässt du Unterricht ausfallen. Gibt das keinen Ärger? Finden die Lehrer ok?
Unsere Klassenlehrerin hat uns einmal erlaubt, mit einer Entschuldigung zum Streik zu gehen, doch das nächste Mal werde ich unentschuldigt fehlen. Ich habe das Glück, dass meine Eltern hinter mir stehen und nichts dagegen haben, wenn ich streiken gehe.

An anderen Schulen gab es durchaus Probleme. Streikende Schüler bekamen Fehlzeiten ins Klassenbuch eingetragen. Was rätst du denen? 
Ich würde ihnen raten, ihrer Überzeugung und Ihrem Verstand zu folgen. Jeder sollte für sich entscheiden, was ihm wichtiger ist. Ansonsten nicht locker lassen, denn es ist dringend notwendig. Unsere Zukunft ist gefährdet, und es liegt an uns, das zu ändern.

Interview: Joachim Wille

Zentrale Demo in Berlin

In vielen Ländern weltweit protestieren junge Menschen mit Schulstreiks gegen eine zu schwache Klimapolitik. Auch in Deutschland haben sich Schüler und Studenten der von der 15-jährigen Schwedin Greta Thunberg initiierten Bewegung angeschlossen. Erste Streiks fanden hier Mitte Dezember während des UN-Klimagipfels im polnischen Kattowitz statt, wo Thunberg einen viel beachteten Auftritt hatte – unter anderem in Aachen, Berlin, Göttingen, Hamburg, Kiel und Köln.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen