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Klage in den USA Siemens soll Schläger geschickt haben

Ein früherer argentinischer Beamter klagt in den USA gegen Siemens. Der Vorwurf: Misshandlung und Bedrohung. Siemens soll einen Schlägertrupp geschickt haben.

15.09.2012 17:09
Thomas Magenheim
Siemens-Zentrale in München. Foto: dapd

Fast sechs Jahre nach Aufdeckung des größten Korruptionsskandals in der deutschen Wirtschaft wird Siemens erneut von der überwunden geglaubten Vergangenheit eingeholt. Diesmal klingen die Vorwürfe noch unglaublicher als damals.

Ein Argentinier namens Carlos Moran hat die Münchner vor einem US-Gericht wegen angeblicher Misshandlung und Bedrohung verklagt. Siemens habe ihm in Argentinien im Jahr 2000 einen Schlägertrupp auf den Hals gehetzt, als er Schmiergeldpraktiken auffliegen lassen wollte. Laut Klageschrift verlangt der Mann 77?Millionen Euro von Siemens. Der Konzern äußert sich zu den Vorwürfen nicht. „Wir geben keinen Kommentar zu laufenden Verfahren“, sagte ein Sprecher und bestätigte lediglich die Klage.

Moran klagt dem Vernehmen nach zum zweiten Mal gegen die Münchner. Schon Mitte 2011 hatte er wie auch jetzt vor einem Gericht in Miami im US-Bundesstaat Florida gegen Siemens eine nahezu identische Klage eingereicht. Die war wegen Verfahrensfehlern abgewiesen worden, sagt ein Insider. In der Sache verhandelt worden ist der spektakuläre Fall also noch nicht. Gesichert sind dagegen dessen Hintergründe.

Weitere Klagen auf dem Tisch

In den 90er-Jahren hatte sich Siemens in Argentinien um einen Milliardenauftrag für fälschungssichere Ausweise beworben. Dazu haben Topmanager des Konzerns den Staatspräsidenten Carlos Menem, Minister und andere hochrangige Personen mit 100 Millionen Dollar bestochen, behaupten US-Justiz und die US-Börsenaufsicht SEC. Klagen dieses Inhalts liegen seit Dezember 2011 gegen den Ex-Siemens-Zentralvorstand Uriel Sharef und sieben weitere Ex-Siemensianer in den USA auf dem Tisch. Auch beim Landgericht München ist noch eine Klage gegen Sharef anhängig, der über einen Anwalt alles abstreiten lässt.

Sowohl in den USA als auch in München richten sich die Klagen ausschließlich gegen Personen. Für Siemens als Konzern galt der Korruptionsskandal nach Strafzahlungen von 1,2 Milliarden Euro an die deutsche und US-Justiz als abgeschlossen. Die aktuelle Klage Morans dagegen nimmt nun wieder Siemens selbst in den Fokus und übertrifft an Vorwürfen alles, was bislang vorgebracht wurde.

Der Regierungsmitarbeiter drohte, Korruption öffentlich zu machen

Moran ist ein früherer argentinischer Regierungsbeamter, der 2000 von anrüchigen Machenschaften erfahren und das seinem Vorgesetzten gemeldet haben will. Der habe aber nichts unternommen, weil er selbst auf der Siemens-Schmiergeldliste gestanden haben soll. Nach Morans Drohung, alles öffentlich zu machen, hätten sein Chef und die argentinische Siemens-Landesgesellschaft versucht, das zu verhindern, bringt der Kläger vor.

Daraufhin sei er von Schlägern mit vorgehaltener Waffe überfallen und geschlagen worden. Man habe ihn von der Straße abgedrängt, am Telefon belästigt und mit Entführung bedroht sowie damit, sein Haus anzuzünden, so die Klageschrift.

In Argentinien selbst klagt Moran nicht. Über die Gründe kann man spekulieren. Möglicherweise hat der Mann in die US-Justiz mehr Vertrauen oder hofft, dort eine höhere Summe erstreiten zu können. In den USA kann Siemens vor den Kadi gezerrt werden, weil die Münchner dort an der Börse notiert sind.

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