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Kinderbetreuung Boom ohne Mangel

Allein für den geplanten Ausbau von Kita-Plätzen für unter Dreijährige werden bis 2025 schätzungsweise rund 64 000 Fachkräfte zusätzlich benötigt. Ein Mangel droht trotzdem nicht. Eine Analyse.

Kinderbetreuung
Für den geplanten Ausbau von Kita-Plätzen werden rund 64.000 Fachkräfte benötigt. Foto: imago

In Deutschland kommen seit Jahrzehnten weniger Kinder zur Welt. Gleichzeitig hat die Zahl der Menschen, die Kinder im Vorschulalter von Berufswegen betreuen und bilden, stark zugenommen. Zwischen 2006 und 2016 wuchs der Personalstand in Kitas und Kindergärten bundesweit um mehr als 60 Prozent auf 660.000 Beschäftigte. Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Zum einen förderte der Bund mit einem Milliardenprogramm den Kita- und Krippenausbau, um Eltern die Chance zu bieten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Zum anderen wurde die zentrale Bedeutung früher Förderung für die späteren Teilhabe- und Aufstiegschancen von Kindern endlich anerkannt. Beides ließ den Personalbedarf steigen. Nun kommen noch zehntausende Flüchtlingskinder hinzu, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse und traumatischer Erlebnisse einer besonderen Zuwendung bedürfen.

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (Wiff) schätzt, dass allein für den geplanten Ausbau von Kita-Plätzen für unter Dreijährige bis 2025 rund 64.000 pädagogische Fachkräfte zusätzlich benötigt werden. „Die Kinderbetreuung ist damit als ein relevanter pädagogischer Beruf und Arbeitsmarkt aus dem Schatten der Schule herausgetreten“, heißt es im aktuellen Wiff-Fachkräftebarometer, das am Montag in Auszügen veröffentlich wurde und im Juni in Gänze vorliegen wird. Besagte Relevanz belegen Zahlen: Werden Tagesmütter und Tagesväter in der Kindertagespflege hinzugerechnet, so arbeiteten 2016 rund 710.000 im Bereich der vorschulischen Kinderbetreuung, davon 615.000 im pädagogischen Bereich. Dem stehen bundesweit lediglich 223.400 Grundschullehrer gegenüber. Insgesamt sind 690.300 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland tätig.

Trotz des Kita-Booms droht – anders als in manchen Industriebereichen und Handwerksberufen – kein Fachkraftmangel. Bis 2014/2015 entschieden sich Jahr für Jahr mehr junge Menschen dazu, den Erzieherberuf ergreifen. 2016 befanden sich knapp 36.000 Personen in der Ausbildung. Bis 2025 werden voraussichtlich 260.000 neu ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen und damit die gut 170.000 alters- und krankheitsbedingten Abgänge mehr als ausgleichen. Die Arbeit mit Kindern macht offenbar vielen Menschen Freude.

Dazu beitragen dürfte der Umstand, dass sich diese Arbeit allmählich auch höherer sozialer Wertschätzung, besserer Bezahlung und vergleichsweise günstiger Beschäftigungsbedingungen erfreut. Die Reallöhne – also die Arbeitseinkünfte minus Inflationsrate – stiegen nach einem Jahrzehnt des Stillstands zwischen 2012 und 2016 um 5,3 Prozent. Arbeitslosigkeit im Erziehungssektor ist fast unbekannt, die Quote liegt deutlich unter zwei Prozent. Entlassungen sind laut Wiff äußerst selten. Das Gleiche gilt für Minijobs und Leiharbeit. Zwar liegt der Anteil befristeter Arbeitsverträge beim Kitapersonal mit 13 Prozent über dem allgemeinen Durchschnitt von neun Prozent. Dies ist aber vor allem Ausdruck der zahlreichen Neueinstellungen junger Kräfte, die zunächst befristet beschäftigt werden.

Einen Schönheitsfehler weist die insgesamt positive Entwicklung allerdings auf: Viel zu wenige Männer entscheiden sich für eine Kita-Tätigkeit. Ihr Anteil liegt bei unter fünf Prozent.

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