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Kinderarmut Arme Migrantenkinder

Die starke Zuwanderung schafft große soziale Probleme. Die Politik muss nun dringend handeln.

Armut
Mehr als die Hälfte der Kinder aus neu eingewanderten Familien lebt unterhalb der Armutsschwelle. Foto: Imago

Die Flüchtlingsbewegung hat viele Sorgen ausgelöst. Sie schürt aber auch Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Nutzen, sollte Deutschland die Integration entschlossen anpacken und einigermaßen meistern. Die Zuwanderung dürfte nach einer Schätzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) das Wachstum schon in diesem Jahr um 0,4 Prozent erhöhen, weil mehr Menschen konsumieren und der Staat zusätzlich Geld ausgeben muss. Bis 2020 könne das Bruttoinlandsprodukt laut IW um insgesamt 90 Milliarden Euro steigen.

Ein schönes Konjunkturprogramm ist die massenhafte, rasche Zuwanderung damit aber keineswegs. Vielmehr muss die Bundesrepublik große soziale Probleme lösen. Die Kinderarmut hierzulande ist laut einer Erhebung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung 2016 erneut gestiegen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben, nahm um 0,6 Prozentpunkte auf 20,3 Prozent zu. Das entspricht 2,7 Millionen Menschen unter 18 Jahren.

Unterhalb der Armutsschwelle

Dabei hat sich die Situation in vielerlei Hinsicht sogar etwas entspannt. Bei den in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Jungen und Mädchen verbesserte sich die Lage, auch bei denen mit Migrationshintergrund. Doch mehr als die Hälfte der Kinder aus neu eingewanderten Familien lebt unterhalb der Armutsschwelle. Lange tauchten sie aber in den Sozialstatistiken nicht auf, weil sie zunächst in Flüchtlingsunterkünften wohnten und daher ausgeklammert wurden.

Denn die Armutsquote bezieht sich stets nur auf Personen in Privathaushalten. Erst wenn Flüchtlinge die Turnhallen verlassen, schlägt sich ihre Lage in den Sozialstatistiken nieder. Von den Zuwanderern aus Syrien gelten nach deutschen Maßstäben derzeit fast 82 Prozent als arm, bei den Irakern sind es gut 70 Prozent.

Solch hohe Werte sind ein Auftrag zum Handeln, aber noch kein Grund, Alarm auszurufen. Viele der Betroffenen, die jetzt in den Statistiken auftauchen, sind 2015 oder 2016 gekommen. Dass die Erwachsenen noch keine Arbeit gefunden haben, ist daher kein Wunder.

Wichtig ist auch, die Armutsquote richtig zu interpretieren. Sie zeigt den Anteil der Haushalte an, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Schwelle 2015 bei 1978 Euro im Monat. Da muss jemand ohne Deutschkenntnisse und ohne hier anerkannte Zeugnisse erst einmal drüber kommen.

Die Berechnung löst immer wieder heftige Kritik aus. Wenn die Wirtschaft floriert und mehr Menschen eine ordentlich bezahlte Arbeit finden, steigt mit dem Durchschnittseinkommen die Armutsschwelle. Sie misst die relative Armut, sagt also etwas über die Verteilung in Deutschland aus. Eine hohe Armutsquote steht nicht für ein Massenelend wie in afrikanischen Ländern.

Die Polemik gegen die Kennziffer ist dennoch unsinnig, weil sie sich gegen eine falsche Interpretation der Daten richtet. Richtig verstanden weist die Armutsquote aber sehr wohl auf einen gewaltigen Handlungsbedarf hin. Die Politik muss massiv in die Betreuung, die sprachliche und schulische Förderung der Flüchtlingskinder investieren. Sonst droht sich die soziale Spaltung dramatisch zu verschärfen.

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