Lade Inhalte...

Kettler Noch eine Chance für Kettler

Rettung in letzter Sekunde: Kettler, der insolvente Hersteller der legendären Kettcars, kann das endgültige Aus gerade noch verhindern.

Kettcar
Ein Mädchen sitzt auf einem Kettcar. Foto: dpa

Es ist eine Erinnerung, die viele Deutsche teilen: Mit ihrem Kettcar durch die Straßen ihrer Heimat zu sausen. Das Unternehmen hinter dem Tretauto, die Firma Kettler, ist aber auch bekannt für Fahrräder, Heimtrainer und Gartenmöbel. Doch eingestaubte Artikel und ein Machtkampf an der Spitze lähmten den Mittelständler aus dem Sauerland: Im Juli meldete er zum wiederholten Mal Insolvenz an. Bis Freitagabend stand auf der Kippe, ob das Unternehmen nun endgültig schließen muss. Jetzt ist Kettler vorerst gerettet: Die Heinz-Kettler-Stiftung sicherte eine Zwischenfinanzierung zu.

2007 wurde das Unternehmen vom Langenscheidt-Verlag noch als „Marke des Jahrhunderts“ bezeichnet – zwölf Jahre später steht Kettler vor dem Aus. Grund für die finanziellen Schwierigkeiten war ein lähmender Machtkampf mit der Heinz-Kettler-Stiftung, die einen Verkauf an einen Investor Mitte Juni und somit die vorläufige Rettung des Tretauto-Herstellers verhinderte. Sie rechtfertigte die Absage des Verkaufs mit einem Gutachten, das in Frage stellte, ob ein Verkauf mit den rechtlichen Anforderungen an die gemeinnützige Stiftung vereinbar sei. Der Durchbruch von Freitagabend wurde möglich, nachdem am Freitag das Kuratorium der Stiftung und ein Vorstandsmitglied abberufen wurden.

Mithilfe der Zwischenfinanzierung kann Kettler die Suche nach einem neuen Investor jetzt fortführen. Geschäftsführer Olaf Bierhoff sagte: „Ich würde mir wünschen, dass wir in den kommenden Wochen den neuen Gesellschafter der Kettler GmbH bekanntgeben können.“ Auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) zeigte sich erfreut über diese Entwicklung: „Ich hoffe, dass es jetzt sehr zeitnah zu einer Übernahme des Gesamtunternehmens und nach vielen Jahren der Ungewissheit zu einer verlässlichen Zukunft für die Beschäftigten kommt.“

Einst verkauften sich Kettler-Produkte erfolgreich, doch zuletzt konnten sie nicht mehr genügend Kunden begeistern. Heimtrainer waren kaum noch gefragt, denn die Fitnessstudio-Mitgliedschaft war erschwinglicher. Das Geld für ein neues Rad floss eher in ein Mountainbike. Damit begannen die Schwierigkeiten, verstärkt wurden sie durch eine Tragödie: Der Sohn und Nachfolger des Firmengründers Heinz Kettler kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Und Heinz Kettler versäumte es, einen anderen Nachfolger einzusetzen.

Viele Schicksalsschläge

So ging die Firmenleitung nach dem Tod des Sohnes 2005 an Tochter Karin. Zunächst tat sie sich schwer, die für die Unternehmensführung erforderlichen Opfer zu bringen: So zog sie erst spät zurück ins Sauerland. Trotzdem war es ihr Verdienst, dass sie die wirtschaftliche Schieflage des Mittelständlers erkannte und mit einem Insolvenzverfahren gegensteuerte. 2015 meldete Kettler Insolvenz in Eigenregie an, mit dem vordergründigen Ziel, das Unternehmen in Familienhand zu halten. Karin Kettlers Kalkül zahlte sich aus: Die Übernahme durch einen Investor konnte sie auf diesem Weg verhindern und mit Hilfe einer Bürgschaft des Bundeslandes NRW gelang es dem Unternehmen, das Insolvenzverfahren erfolgreich zu beenden. 

2016 konnten Kettcar-Fans und Unternehmen also kurz aufatmen. Doch der Rückschlag für den Mittelständler aus dem Sauerland folgte viel zu schnell: Karin Kettler verstarb 2017 in Folge eines Autounfalls. Die Heinz-Kettler Stiftung wurde ihre Rechtsnachfolgerin. Die Stiftung hat die Macht, wichtige Entscheidungen bei Kettler blockieren zu können, obwohl sie nicht die Eigentümerin ist. Von Unsicherheiten gebeutelt, wurde es auch wirtschaftlich für den Mittelständler nicht besser: Im Zuge der Insolvenz von 2015 war die erfolgreiche Fahrradsparte des Unternehmens an den Einkaufsverbund ZEG verkauft worden. Um den Fortbestand von Kettler zu sichern, wird nun nach wie vor ein neuer Investor benötigt. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen