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Kaufhof „Alle müssen helfen“

Kaufhof-Chef Roland Neuwald über Übernahmegerüchte und die Sanierung der Warenhauskette.

Roland Neuwald
„Es ist denkbar, dass noch der eine oder andere Standort aufgegeben wird“, sagt Neuwald. Foto: dpa

Herr Neuwald, was ist dran an den Gerüchten über eine Übernahme von Kaufhof durch Karstadt-Eigner René Benko? HBC hat vor wenigen Monaten noch betont, man stehe zu Kaufhof.
Spekulationen hat es immer wieder gegeben, wir kommentieren das aber nicht. Unser Interesse ist voll und ganz auf das Wohl der Mitarbeiter und die Zukunft von Galeria Kaufhof gerichtet. 
 
Was bedeutet das für Ihr Sanierungsprogramm und die Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi? 
Wir haben das Ziel, Kaufhof für die Zukunft erfolgreich aufzustellen. Dafür haben wir Anfang 2018 ein Sanierungs- und Transformationsprogramm aufgesetzt und erste Fortschritte erzielt. Diesen Kurs setzen wir konsequent fort. 

Als HBC übernommen hat, wurde Kaufhof als Perle gelobt. Zwei Jahre später ist das Unternehmen ein Sanierungsfall. Das ist höflich formuliert schon erklärungsbedürftig. 
Das Warenhaussegment und der innerstädtische Handel haben sich nicht gerade zu unseren Gunsten entwickelt. Der Druck der Online-Anbieter hat rasant zugenommen. Wenn Sie dieser Entwicklung dann mit steigender Kostenbasis begegnen müssen, ist das schwer lösbar.

Deshalb verhandeln Sie mit Verdi über einen Sanierungstarifvertrag. Wie ernst ist die Lage? 
Wir müssen wieder Wasser unter den Kiel kriegen und ein solides Geschäftsmodell  aufbauen. Deshalb brauchen wir eine Entlastung bei den Personalkosten. Das ist aber nur eine Säule unseres Sanierungsprogramms: Wir modernisieren Filialen, bringen das Online-Geschäft voran und wollen Umsatz und Ertrag steigern. Bis 2020 wollen wir eine schwarze Null erreichen. Bis 2022 soll das Programm seine volle Wirkung entfalten. 

Herbe Einschnitte haben Sie angekündigt: 400 von 1600 Stellen werden in der Kölner Hauptverwaltung gestrichen. Wie weit sind Sie?
In einer ersten Phase wollen wir 300 Stellen abbauen. Für 95 Prozent dieser Stellen haben wir bereits Lösungen gefunden – über Abfindungszahlungen und Altersteilzeit etwa. Das greift schon dieses Jahr. Bis 2020 sollen weitere 100 Stellen wegfallen. Dafür müssen wir aber noch andere Prozesse implementieren. Mehr digital, weniger analog. 

Welchen Beitrag leisten denn die Arbeitgeber? 
Alle müssen helfen, Kaufhof fit für die Zukunft zu machen: Eigentümer, Arbeitnehmer, Vermieter. Auch Lieferanten, bei denen wir einen Sanierungsbeitrag von zwei Prozent erreichen wollen.
 
Geholfen hätte ja auch, wenn HBC die Mieten für die Warenhäuser gesenkt hätte.
HBC gehören nur 40 von 96 Standorten. Die HBC-Mieten sind auf marktüblichem Niveau. Wir haben bereits mit vielen Vermietern niedrigere Mieten vereinbaren können. 
 
Aber nicht mit HBC?
Das ist nicht erforderlich. Der Großteil der Mieten verbleibt ja im Unternehmen und wird reinvestiert. 

Von einst 110 Filialen sind 96 geblieben. Planen Sie weitere Schließungen?
Selbstverständlich schauen wir uns bei jedem auslaufenden Mietvertrag an, wie wirtschaftlich der Standort ist und ob es noch Sinn macht, ihn weiterzubetreiben. Eine Mietreduzierung hilft. Es ist denkbar, dass noch der eine oder andere Standort aufgegeben wird. Ein großes Schließungsprogramm ist aber nicht geplant. 

Hat denn das Warenhaus aus Ihrer Sicht überhaupt noch eine Zukunft?
Das Warenhaus hat definitiv eine Zukunft. Aber wir brauchen eine stärkere Differenzierung der Sortimente und individuelle Lösungen von Standort zu Standort. Wir müssen emotionaler werden und stationär noch mehr Dinge bieten, die uns vom Internet unterscheiden. Kunden erwarten ein Erlebnis. Externe Partner wie Sephora und Top Shop machen uns für Kunden attraktiver. In mittleren und kleineren Städten haben Warenhäuser auch eine wichtige Nahversorgerfunktion.
 
Interview: Evelyn Binder und Carsten Fiedler

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