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Katastrophenbilanz Die gnädige Natur

Globale Schäden durch Naturkatastrophen sind in den ersten sechs Monaten geringer gewesen.

Hurrikan Irma
Blick auf ein vom Hurrikan Irma zerstörtes Haus in Florida. Nach der Serie verheerender Stürme 2017 ist die Welt in diesem Jahr bislang von schweren Naturkatastrophen weitgehend verschont geblieben. Foto: dpa

Speziell heimische Bauern dürften vielfach anders empfinden, aber die Natur war in punkto Katastrophen in der ersten Jahreshälfte ziemlich gnädig. Das hat der Assekuranzriese Munich Re in einer Halbjahresbilanz für Stürme, Dürren und Vulkanausbrüche errechnet. Demnach sind davon und anderen Naturkatastrophen rund um den Globus volkswirtschaftliche Gesamtschäden von gut 28 Milliarden Euro verursacht worden. Das klingt nach viel, bedeutet aber mit Blick auf die letzten drei Jahrzehnte gerade einmal die Hälfte üblicher Durchschnittswerte. Versichert waren 14,5 der 28 Milliarden Euro Schaden, was wiederum im Schnitt der Vorjahre liegt.

Grund für Entwarnung sieht Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek ohnehin nicht. Die jetzige Phase geringer Schäden sei stark zufallsbedingt, betont er. Das zeigt schon der Umstand, dass die reine Anzahl von Naturkatastrophen, die oft auch klimabedingt sind, ungebrochen steigt. Registriert wurden im ersten Halbjahr 2018 nämlich 430 Naturkatastrophen aller Art. Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitraum 380 Ereignisse, im langjährigen Durchschnitt 250 Fälle.

2018 war bislang also auch Glück im Spiel, dass Menschen und Sachwerte in relativ geringem Umfang betroffen waren. Aber auch immer bessere Prävention spielt eine Rolle in Form von Hochwasserschutz oder erdbebensicherem Bauen, betont Jeworrek. Speziell in Europa seien durch Investitionen in Schutzmaßnahmen Hochwasserschäden erkennbar rückläufig.

Auch präventionsbedingt haben die volkswirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen im globalen Maßstab im ersten Halbjahr 2018 deshalb den niedrigsten Stand seit 2005 erreicht. Dennoch sind dabei rund 3000 Menschenleben ausgelöscht worden. Im Vorjahr waren noch 5540 Tote zu beklagen und im langjährigen Schnitt sogar rund 28 000 Todesopfer in einem ersten Halbjahr. Traditionell schlagen speziell vernichtende Stürme in der zweiten Jahreshälfte allerdings stärker zu Buche.

Betroffene können den moderaten Durchschnittswerten wohl wenig abgewinnen. Das gilt vor allem auch für aktuell hohe Schäden durch Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands und Europas in der Landwirtschaft. Dieser April und Mai waren die wärmsten und trockensten seit 1881. Die in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern so gut wie nicht versicherten Ernteschäden, die das nach sich zieht, kann die Munich Re noch nicht abschätzen. Für Deutschland befürchten Agrarexperten eine Dimension von über zwei Milliarden Euro.

Das wäre die Dimension des Wintersturms Friederike, der Anfang 2018 tausende Gebäude und Autos beschädigt und dabei Werte im Umfang von 2,2 Milliarden Euro vernichtet hat. Hier waren allerdings 1,7 Milliarden Euro davon versichert. Ebenfalls mehr als einen Milliardenschaden haben Sturzfluten im Mai und Juni in unseren Breitengraden ausgelöst. Insgesamt nehmen Schäden durch Schwergewitter in Deutschland selbst nach Bereinigung um Wertezuwächse zu, betont die Munich Re. Speziell lokal begrenzte Sturzfluten sind regional so gut wie nicht prognostizierbar, weshalb hier auf bekannte Überschwemmungsgebiete zielende Prävention wie Dammbau nicht greift.

Der Klimawandel dürfte Versicherer und Bevölkerung weiter in Atem halten. „Klimamodellstudien zeigen, dass ein künftiger Effekt der Temperaturzunahme häufigere Hitze- und Trockenperioden sowie intensivere Starkniederschläge sind“, erklärt der Klimaexperte der Munich Re, Ernst Rauch. Die Wetterabläufe, die dieses Jahr Deutschland heimgesucht haben, würden damit grob in das Muster passen, das der Klimawandel für die Zukunft noch häufiger erwarten lasse.

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