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Katar Ölscheichin als moderne Reformerin

Mit einer Jahrhundertstrategie will Katars Herrscherpaar das winzige Gasreich zu einem Modellstaat für die gesamte Region entwickeln. Erzkonservative Führer sind dagegen. Von Birgit Cerha

13.08.2009 15:08
Birgit Cerha
Wenn eines Tages die Öl- und Gasreserven erschöpft sind, sollen die Menschen in Katar nicht wieder auf die Kamele steigen.

Wenn eines Tages Öl und Gas in unserem Boden erschöpft sind, werden wir nicht wieder auf unsere Kamele steigen", scherzte der Herrscher Katars, Hamad bin Khalifa, jüngst bei einem USA-Besuch. Um den Ministaat am Persischen Golf zu einem Zukunftsmodell für die gesamte Region zu machen, hat der 57-jährige Emir eine Jahrhundertstrategie entworfen. Hamad und seine engsten Berater suchen nun nach lukrativen Industriebeteiligungen, in die sie wenigstens einen Teil ihres überschüssigen Kapitals aus den Öl- und Gasexporterträgen investieren können.

Namhafte Marken, Zukunfts- und Umwelttechnologie sowie Know-how genießen bei den Einkäufen höchste Priorität. Die Milliardeninvestition bei Porsche ist nun ein Höhepunkt. Denn Emir Hamad liebt die schwäbischen Sportwagen, und das tut auch seine schöne Frau Mozah Bint Nasser al Missned. In ihrem stattlichen Familien-Fuhrpark stehen gleich mehrere Exemplare der Marke.

Beobachtern zufolge ist die Scheichin die treibende Kraft des Einstiegs bei dem prestigeträchtigen Autoproduzenten, den Katar als Großaktionär von einem Teil der etwa zehn Milliarden Euro Schulden befreien will. Die 50-jährige Mozah gilt als Hameds wichtigste Beraterin - und das nicht etwa nur im Hintergrund, sondern ganz offiziell. "Ihre Hoheit ist das Beste, was Katar je geschah", sagt ein Student und drückt aus, was viele im Land denken. Die Scheichin pflegt solches Lob bescheiden abzuwehren. Vielmehr sei es der Emir, der sie inspiriere.

Eine Frau mit viel Ehrgeiz

Die bildhübsche Tochter des bürgerlichen Nasser Abdullah Al-Missned war erst 18, als sie 1977 die Aufmerksamkeit des damaligen Kronprinzen auf sich zog. Hamad nahm sie zu seiner zweiten Frau. Auch wenn eine dritte ihr folgte, Mozah ist seine Liebste. Sie schenkte ihm sieben seiner 27 Kinder. Und sie unterstützte ihn auch in der turbulenten Zeit, als er 1995 seinen gerade in der Schweiz weilenden Vater stürzte, weil dieser Katars Entwicklung hemmt. Seither hat das königliche Paar gemeinsam das Land modernisiert und den Weg in eine prosperierende Zukunft geöffnet.

In der Region zählt Hamed, trotz der Winzigkeit seines Reiches, heute zu den führenden Herrschern. Er pflegt gute Beziehungen zum Iran wie zu Israel, beherbergt das Hauptquartier der US-Truppen im Mittleren Osten. Die weltoffene Mozah dagegenschockierte die erzkonservativen Kataren, als sie zum ersten Mal unverschleiert in der Öffentlichkeit eine Rede hielt. Doch bald gewöhnten sich die Bürger daran.

Mittlerweile engagiert sich die "First Lady" in vielen Bereichen: beim öffentlichen Transport für ausländische Arbeitskräfte etwa, für die ersten Frauenhäusern und Gotteshäusern für Nicht-Muslime. Auf ihren Einsatz geht auch die Einführung des Frauenwahlrechts zurück, eine Seltenheit in konservativen Golfstaaten.

Das Hauptinteresse der zielbewussten Scheichin, die auf der Forbes-Liste der mächtigsten Frauen der Welt den 79. Platz einnimmt, gilt aber dem Bildungswesen. Als Leiterin der "Qatar Foundation" will sie das Land zu einem Hochschul- und Forschungszentrum machen. Mit Erfolg - bereits sechs US-amerikanische Spitzenuniversitäten sind auf einem Campus nahe der Hauptstadt Doha gezogen.

"Öl und Gas", lautet Mozahs Wahlspruch, "werden irgendwann zu Ende gehen. Das Wissen bleibt." Qatar soll sich vom Energielieferanten zum Bildungsstandort für die gesamte Region wandeln. Bildung der Bürger sei die wichtigste Waffe gegen Extremismus und Terrorismus, betont Mozah immer wieder. Ihren Nachbarn - konservativen Herrschern - jedoch jagt die Reformerin das Gruseln über den Rücken.

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