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Kassenleistung Spahn will Frauen mit Lipödem helfen

Gesundheitsminister Jens Spahn will das Absaugen von Fett bei einer krankhaften Fettverteilungsstörung zur Versicherungsleistung machen. Vertreter von Krankenkassen und SPD äußern sich skeptisch bis ablehnend.

Fettabsaugung
Ein Arzt saugt einer Patientin Fett ab. Wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn geht, soll das bei der Krankheit Lipödem künftig eine Kassenleistung werden. Foto: imago

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will das Absaugen von Körperfett zur Kassenleistung machen. Das geht aus einem Änderungsantrag zum geplanten „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ (TSVG) hervor. Ziel sei es, Frauen schnell und unbürokratisch zu helfen, die unter einer krankhaften Fettverteilungsstörung („Lipödem“) leiden. „Bis zu drei Millionen Frauen mit krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden täglich darunter, dass die Krankenkassen ihre Therapie nach einem Gerichtsurteil nicht mehr bezahlen“, sagte Spahn der „FAZ“.

Über die Aufnahme von Therapien in den Leistungskatalog der Krankenkassen befindet für gewöhnlich der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) als oberstes Beschlussgremium der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem. Dort sind unter anderem Vertreter von Ärzteschaft und Krankenkassen mit von der Partie. Zentrales Kriterium bei der Entscheidung ist der medizinische Nutzen einer Methode.

Jens Spahn reißt der Geduldsfaden

Was das Absaugen von Körperfett angeht, hatte der Ausschuss Mitte 2017 befunden, der Nutzen sei noch nicht ausreichend belegt. Eine Untersuchung dazu ist nach Angaben des Gremiums noch in Vorbereitung. Zur Behandlung von Fettverteilungsstörungen übernehmen die Kassen bislang lediglich die Kosten für konventionelle Methoden wie manuelle Lymphdrainage oder Kompressionsbehandlungen.

Spahn reißt nun der Geduldsfaden. Nach dem Änderungsantrag zum TSVG soll das Gesundheitsministerium künftig selbst Methoden in den Leistungskatalog der Kassen aufnehmen können – insbesondere dann, wenn es dazu keine Entscheidung des Bundesausschusses gibt oder die Anerkennung eines diagnostischen oder therapeutischen Nutzens bisher abgelehnt wird.

Der Vorstoß Spahns würde auf einen Bruch mit der bisherigen Praxis bei Kassenleistungen hinauslaufen. Vertreter von Krankenkassen und SPD äußern sich skeptisch bis ablehnend.

„Offenbar plant der Minister, die Frage der Sicherung von Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen grundlegend neu zu beantworten. Deshalb werden wir uns die angedachten Änderungsvorschläge zunächst genau ansehen und keine einzelnen Beispiele bewerten“, sagte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes. Deutlich wird SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. „Das Vorhaben von Gesundheitsminister Spahn, Behandlungsmethoden ohne medizinischen Nutzen, wie die Liposuktion, per Rechtsverordnung an der Selbstverwaltung vorbei von den Krankenkassen bezahlen zu lassen, ist abzulehnen“, so Lauterbach. „Es wäre die grundsätzliche Abkehr vom Prinzip der gesetzlichen Krankenversicherung, dass die Selbstverwaltung nach evidenzbasierten Kriterien entscheidet, welche Leistungen erstattet werden. Es muss mehr wissenschaftliche Prüfung der Wirksamkeit von Verfahren geben, nicht weniger.“

Unterstützung erhält Spahn aus der Union. „Wir werden uns das im Einzelnen genau anschauen. Ich bin der Meinung, dass die Politik beim Leistungskatalog in Zukunft stärker wird eingreifen müssen“, sagte Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU). „Manche Entscheidungen beim Bundesausschuss gehen zu langsam und sind manchmal nicht wirklich nachvollziehbar.“

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