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Karstadt und Kaufhof Hochzeit der Erzrivalen

Karstadt und Kaufhof wollen fusionieren. Dadurch würde die zweitgrößte europäische Warenhauskette entstehen. Tausende Mitarbeiter müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen.

Karstadt und Galeria Kaufhof
Geht es für beide weiter? So wie in Düsseldorf stehen vielerorts die Filialen von Karstadt und Kaufhof in unmittelbarer Nähe zueinander. Foto: dpa

Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI-Handelsinstituts, betont indes: „Das Filialnetz kann in dieser Größe bestimmt nicht erhalten werden.“ Es gebe allerdings keine Faustformel dafür, welche Filialen erhalten werden könnten und welche nicht. „Da muss man bei jedem einzelnen Standort ganz genau hinschauen.“ Warenhäuser seien nach wie vor in bestimmten Sortimenten teils sehr erfolgreich.

Einen extrem schweren Stand haben sie allerdings bei Mode, die ungefähr die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Ketten wie Primark, H&M und Zara sind hier erheblich schneller und preiswerter. Und von Unternehmensberatern ist immer wieder zu hören, dass die einstigen Konsumtempel ihre wichtigste Funktion eingebüßt hätten. Einst standen sie für Vielfalt und Preistransparenz. Dies können Kunden heute viel besser über das Internet realisieren.

Um dennoch bestehen zu können, werden sich Fanderl und seine Leute daran machen, Kosten zu senken. Als sicher gilt, dass sie Logistik und Verwaltung komplett umbauen wollen. Als Favorit fürs neue Hauptquartier wird die bisherige Kaufhof-Zentrale in Köln gehandelt. Die Karstadt-Verwaltung in Essen würde folglich dicht gemacht. Das würde auch Arbeitsplatzabbau bedeuten.

Derweil fordert Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl den Erhalt aller insgesamt 32 000 Stellen und aller Standorte in Deutschland: „Die Fusion darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen.“ Ziel müsse Wachstum statt Restrukturierung sein. Ettl verwies darauf, dass gerade die Beschäftigten von Karstadt positive Perspektiven verdient hätten. Über viele Jahre haben sie unter anderem auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet und damit maßgeblich zum Überleben von Karstadt beigetragen.

Die Fusion der beiden Warenhausketten ist eine Folge dessen, dass HBC zuletzt zunehmend unter Druck geraten war: Kaufhof wurde mit Rabattschlachten und einer verfehlten Sortimentsstrategie tief in die roten Zahlen gewirtschaftet. Großaktionäre des kanadischen Einzelhandelskonzerns machten sich sogar für den kompletten Ausstieg aus dem Europa-Geschäft stark. Nun soll es ein Teilrückzug werden. Man sei jetzt in der Lage, sich stärker auf die ebenfalls schwierigen Aktivitäten in Nordamerika zu konzentrieren, sagte HBC-Vorstandschefin Helena Foulkes. Die Finanzkraft des Konzerns werde gestärkt. Das hat vor allem mit einem komplexen Immobilien-Deal zu tun, der mit der Fusion einhergeht.

Signa erwirbt nach eigenen Angaben die Hälfte des Immobilienbestandes von HBC in Europa. Es geht dabei um insgesamt 57 Objekte. Daneben kauft Benkos Holding zu hundert Prozent den Kaufhof-Standort in Köln und das sogenannte Carsch-Haus in Düsseldorf. HBC will mit den Erlösen unter anderem Schulden zurückzahlen. HBC hebt in einer Mitteilung hervor, dass diese Transaktion einen Nettoerlös von 411 Millionen Euro bringe.

Ob all diese Pläne auch tatsächlich umgesetzt werden können, hängt auch vom Bundeskartellamt ab. Dessen Präsident Andreas Mundt kündigte an, die Fusionspläne genau unter die Lupe zu nehmen: „Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein.“ Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden. Das wird Monate dauern.

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