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Karstadt Streicht Karstadt 3000 Stellen?

Das Karstadt-Management setzt bei der Sanierung des Konzerns auf Stellenstreichungen in großem Stil. Gleichzeitig sollen Filialen in den Metropolen ausgebaut werden. Im Gespräch ist auch ein „KaDeWe Frankfurt“ auf der Zeil.

Karstadt Filiale Köln
Den Karstadt-Beschäftigten steht ein Herbst mit harten Verhandlungen bevor. Foto: dpa

Die Karstadt-Geschäftsführung will die Kosten massiv drücken, plant aber zugleich Investitionen, um rentable Standorte noch attraktiver zu machen. So lassen sich die Eckpunkte des Umbaukonzepts zusammenfassen, die das Management  m Donnerstag dem Aufsichtsrat und am Freitag Filialleitern und Betriebsräten vorlegte. In einer Mitteilung des Konzerns wird nur eine einzige konkrete Zahl genannt. Da heißt es: Wettbewerber agierten „mit über 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche deutlich erfolgreicher“.

Insider bewerten dies als zentrale Vorgabe für die bevorstehenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Oberste Priorität hat offenbar, die Personalkosten in allen Sparten des Konzerns massiv zu senken. 20 Prozent weniger Personal würde die Streichung von mehr als 3000 Jobs bedeuten. Derzeit sind noch etwa 17.000 Frauen und Männer bei Karstadt mit seinen 83 Filialen beschäftigt.

Benko setzt auf Aushängeschilder

Die Gewerkschaft Verdi will indes nichts vom Stellenabbau wissen: „Wir werden weitere Entlassungen oder mögliche Häuserschließungen nicht einfach hinnehmen“, sagte Stefanie Nutzenberger vom Verdi Bundesvorstand  am Freitag. Statt Arbeitsplätze zu vernichten, müsse es darum gehen, Umsätze zu steigern.

Doch genau bei diesem Punkt kommt das Karstadt-Management der Gewerkschaft entgegen.  Von „Ertragssteigerungen“ ist die Rede, die anderem durch die  „Berücksichtigung regionaler Sortimentsanforderungen und der Nutzung des lokalen Know-hows und der Erfahrungen der Karstadt-Mitarbeiter“ erreicht werden sollen. Die Führungsebene greift damit eine Forderung auf, die Arno Peukes, der für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat sitzt, schon vor Wochen formulierte. Ertragssteigerungen können zudem nur mit Investitionen in Filialen erzielt werden - auch das ist auch eine Forderung von Verdi.

Dass René Benko, der neue Eigentümer der Warenhauskette, es mit der Aufwertung von Standorten ernst meint, lässt sich an den Plänen für seine drei Nobeladressen, das Kaufhaus des Westen (KaDeWe) in Berlin, da Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) ablesen. Deren Erscheinungsbild soll vereinheitlicht werden. Künftig firmiert diese von Karstadt formal unabhängige  Gesellschaft als KaDeWe Group. Geschäftsführer André Maeder sagte Mitte der Woche dem Handelsblatt, er denke über die Eröffnung weiterer exklusiver Vorzeigehäuser nach.

KaDeWe Frankfurt möglich

Als einen der möglichen Standorte nannte er Frankfurt am Main. Als Szenario wäre denkbar, dass die dortige Karstadt-Filiale in ein Haus mit gehobenem, auf die dortige Kundschaft zugeschnittenem Sortiment umgebaut wird. Schließlich liegt das Geschäft in einer attraktiven Lage auf der Einkaufsstraße Zeil. Ein Umflaggen in ein „KaDeWe Frankfurt“  hätte zudem den Vorteil, dass der inzwischen arg ramponierte Name Karstadt wegfiele.  Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung, hält es für möglich, dass sich bundesweit sogar bis zu zehn neue Kaufhäuser des Westens etablieren können, etwa in Köln und Düsseldorf, eventuell auch in Leipzig und Dresden.

In Metropolen mit hoher Kaufkraft sehen auch andere Handelsexperten nach wie vor gute Perspektiven für lukrative Warenhäuser – wenn das Angebot stimmt. In diese Richtung scheint auch Benkos Strategie zu zielen.

Wie es hingegen um die Zukunft von Karstadt-Filialen in der Provinz steht, ist auch nach der Aufsichtsratssitzung vom Donnerstag völlig offen. Wie viele Standorte die Geschäftsführung letztlich schließen will, dürfte eng mit den Verhandlungen beim allgemeinen Stellenabbau verknüpft sein. Nach dem Motto: Je stärker die Personalkosten gedrückt werden können, umso geringer ist die Zahl der Standorte, die wegfallen sollen. Nutzenberger will da nicht mitspielen: „Noch weniger Personal auf der Fläche bedeutet, dass immer weniger Beschäftigte immer mehr Arbeit erledigen sollen. So kann man die zentralen Stärken des stationären Handels - guter Service und Beratung - nicht ausspielen.“

Fest steht, ein Herbst mit harten Verhandlungen steht den Karstadt-Beschäftigten bevor. Ernst wird es aber erst Ende Oktober, für den 23. ist die nächste Aufsichtsratssitzung geplant. Dann soll „über die Struktur des Management-Teams beraten“ werden. Die wichtigste Personalie ist die Besetzung des vakanten Postens des Vorstandschefs. Erst wenn der an Bord ist, wird die konkrete Umsetzung der Karstadt-Sanierung angegangen.

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