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Karstadt Fanderl soll Karstadt sanieren

Karstadt ist in der Dauerkrise. Mal wieder muss der Chefsessel bei dem angeschlagenen Warenhaus-Unternehmen neu besetzt werden. Die Aufgabe ist anspruchsvoll - und der Erfolg ungewiss.

23.10.2014 14:50
Evelin Binder
Dr. Stephan Fanderl soll den derzeit wohl schwierigsten Job im deutschen Einzelhandel übernehmen. Foto: picture alliance

Vom Vorstandsvorsitz an die Spitze des Aufsichtsrats: Das ist in vielen Unternehmen gängige Praxis. Dass andersherum der Aufsichtsratschef das Ruder im Vorstand übernimmt, ist eher ungewöhnlich und oft ein Akt der Verzweiflung. Bei Karstadt passiert das nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre. Am Donnerstag wurde Stephan Fanderl auf einer Sitzung des Aufsichtsrates zum neuen Vorstandschef der angeschlagenen Warenhauskette ernannt. Auf der Tagesordnung stand zudem die Restrukturierung von Karstadt.

Viele Mitarbeiter werden sich wünschen, dass es unter Fanderl nicht so enden wird wie vor neun Jahren, als Thomas Middelhoff Christoph Achenbach ablöste. Auch wenn sie ahnen, dass Fanderl bei der Sanierung mit harter Hand vorgehen wird. Vorerst sechs Standorte werden im kommenden Jahr dicht gemacht, Arbeitnehmervertretern zufolge drohen weitere Schließungen.

Der 51-jährige Diplomkaufmann gilt als Stratege. Für den Handelskonzern Metro trieb der Sohn eines bayerischen Edeka-Händlers die Expansion in Osteuropa voran und wechselte dann zur Kölner Rewe. Als ihn die Edeka-Gruppe abwerben wollte, holte ihn Rewe in den Vorstand, wo er nicht nur die Logistik verantwortete, sondern auch für die Strukturreform des Supermarktgeschäfts zuständig war. Infolge interner Machtkämpfe musste Fanderl jedoch nach knapp einem Jahr die Gruppe verlassen.

Nach einem Gastspiel beim US-Handelsriesen Wal-Mart arbeitete er schließlich als Berater für den heute zur Migros gehörenden Schweizer Discounter Denner, zu dem es zuvor bereits den früheren Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus verschlagen hatte.

Klare Ansagen scheut Fanderl nicht – selbst wenn er damit aneckt. Wie bei Eva-Lotta Sjöstedt, der er als Karstadt-Aufsichtsratschef schon vor ihrem Antritt als Karstadt-Chefin strikte Vorgaben zur Sanierung machte. Und auch nach ihrem schnellen Rückzug machte er deutlich, wo es seiner Meinung nach lang gehen sollte bei Karstadt: Alles müsse auf den Prüfstand und zwar schnell, es werde schmerzhafte Einschnitte geben müssen, um dem gesunden Kern eine Zukunft zu geben. Man dürfe keine Zeit mehr verlieren. Das klang schon damals fast wie eine Bewerbung.

Das Vertrauen des österreichischen Investors René Benko hat Fanderl. Was auch immer Benko am Ende mit Karstadt vorhat – mit oder ohne den Wettbewerber Kaufhof. Mut hat Fanderl auch: Das belegt schon die Tatsache, dass er sich sogar eine Weile vorstellen konnte, die Drogeriekette Schlecker zu retten. Angst vor der Kärrnerarbeit, die dem Top-Manager jetzt bei Karstadt bevorsteht, hat er offenkundig nicht. Anders als bei Schlecker ist es keine unmögliche, aber eine äußerst schwierige Mission für einen der profiliertesten Handelsmanager des Landes. (aktualisiert mit rtr)

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