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Kapital Die gefährliche Stärke des Dollars

Der Dollar steigt, die Zinsen auf US-Staatsanleihen ziehen an - Länder wie Argentinien und Türkei bringt das schwer in die Bredouille.

Der Wettbewerb auf den Weltmärkten verschärft sich. Foto: rtr

Der laufende Handelskrieg zeigt es: Der Wettbewerb auf den Weltmärkten verschärft sich. Konkurriert wird um die Dominanz bei der Hochtechnologie, um Anteile am Markt für Stahl, Autos und Flugzeugen. Unter all diesen Kämpfen gibt es einen, den kein Staat sich leisten kann zu verlieren: die Konkurrenz um Kredit, also um das Geld der Anleger. Denn jedes Land braucht Zugang zu Krediten. Was geschieht, wenn es diesen Zugang verliert, zeigt das Beispiel Griechenland. In der Konkurrenz um Kredit legen die USA derzeit neue Maßstäbe vor, was sich in einem steigenden Dollar und hohen Zinsen auf amerikanische Staatsanleihen zeigt. Argentinien dürfte nicht das letzte Opfer dieses verschärften Kampfes an den Finanzmärkten bleiben. Die Türkei wackelt bereits, ihre Währung ist auf Rekordtief gefallen.

Um Amerika wieder „groß“ zu machen, hat US-Präsident Donald Trump ein riesiges Konjunkturprogramm aufgelegt. Es besteht zum einen aus Steuersenkungen, die den US-Konzernen derzeit Gewinnsprünge von durchschnittlich einem Viertel bescheren. Zum anderen gibt Washington mehr Geld aus. Zur Finanzierung nehmen die USA neue Schulden auf – in den nächsten fünf Jahren schätzungsweise zusätzliche 6000 Milliarden Dollar.

Die neuen Schulden, die wachsende Wirtschaft und höhere Leitzinsen haben das Zinsniveau in den USA deutlich steigen lassen. Noch vor einem Jahr brachten zehnjährige US-Anleihen Anlegern 2,2 Prozent, derzeit sind es rund drei Prozent. Das bieten die USA Investoren, die ihnen Geld leihen. Dollar-Anlagen sind derzeit entsprechend beliebt an den Finanzmärkten, das Geld der Welt fließt in die USA, was den Wert des Dollar in die Höhe treibt.

Internationale Investoren haben aus den USA nun ein Angebot vorliegen, an dem sich andere Staaten messen lassen müssen. Um ebenfalls Geld ins Land zu locken, müssen sie mehr bieten. Folge: Die Zinsen ziehen an, Verschuldung wird weltweit teurer. Das dürfte sogar hierzulande zu spüren sein. Bundesanleihen werden sich „von einem Anstieg der US-Renditen immer weniger abkoppeln können“, so die Commerzbank. 

Als großer Währungsraum ist die Euro-Zone noch relativ gut vor dem amerikanischen Zins-Sog geschützt. Verletzlicher sind dagegen die Entwicklungs- und Schwellenländer. Die US-Kreditoffensive bringt sie in eine verschärfte Konkurrenz um das Geld der Anleger und lässt ihre Währungen fallen: Mit dem brasilianischen Real geht es abwärts, ebenso mit dem südafrikanischen Rand und der indonesischen Rupie. Am härtesten trifft es die Schwächsten: Nach einem Absturz der Landeswährung Peso musste Argentinien vor einer Woche um Kredite beim Internationalen Währungsfonds nachsuchen. Zuvor hatte das Land seine Zinsen auf 40 Prozent erhöht – die Investoren flohen dennoch.

Argentinien gehört zur Gruppe jener Staaten, die von der Ratingagentur S&P als besonders anfällig gegenüber steigenden Zinsen klassifiziert werden. Ein weiterer Kandidat ist die Türkei. Denn die Regierung nährt den Wirtschaftsboom dort seit Jahren mit immer mehr Kredit aus dem Ausland. Firmen des Landes haben sich den Rekordwert von 365 Milliarden Dollar in ausländischer Währung geliehen. Höhere Zinsen drohen das Wachstum abzuwürgen, weswegen das Kapital bereits aus der Türkei flieht und die türkische Lira sinken lässt. Die Zeiten werden hart.

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