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Jörg Krämer „Ich halte das eher für Marketing“

Der Ökonom Jörg Krämer äußert sich im Interview zu den EU-Vorschlägen.

Euro-Scheine
"Um die internationale Rolle des Euro zu stärken, müsste die EU die Konstruktionsprobleme der Währungsunion beheben", sagt Jörg Krämer. Foto: dpa

Herr Krämer, die EU-Kommission will den Euro gegenüber dem Dollar stärken. Ist das eine realistische Perspektive?
Der Dollar wird noch für viele Jahre die Weltleitwährung sein. Und das nicht allein wegen der Größe der US-amerikanischen Wirtschaft, sondern weil die USA den entwickeltsten und anlegerfreundlichsten Kapitalmarkt haben.

Der Euro müsste ja nicht gleich Weltleitwährung werden.
Prinzipiell könnte er schon aufschließen, aber ich halte das für unwahrscheinlich. Seit seiner Einführung hat er kaum an Boden gewonnen und die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Das liegt auch daran, dass die Staatsschuldenkrise im Kern noch nicht gelöst ist, wie der Haushaltsstreit Italiens mit der EU-Kommission gerade zeigt. Das bedroht latent die Existenz der Währungsunion. 

Was halten Sie von der Ankündigung der Kommission, bei europäischen Öl- und Gasimporteuren dafür zu werben, öfter Geschäfte in Euro abzuwickeln?
Ich halte das eher für Marketing. Wir sind ja keine Staatswirtschaft chinesischer Prägung. Unternehmen entscheiden selber und wägen die Nutzen und Vorteile ab, und ich gehe davon aus, dass sie das auch bisher rational getan haben. Deswegen sehe ich keine Faktoren, auf die sie jetzt erst durch die EU-Kommission aufmerksam gemacht werden müssten. Und vorschreiben kann sie das glücklicherweise nicht. Nicht die Staaten bestimmen die globale Leitwährung, sondern Millionen Anleger und Unternehmen, die darauf reagieren, wie attraktiv oder unattraktiv ein Land und dessen Währung ist.
 
Was müsste also aus Ihrer Sicht passieren?
Um die internationale Rolle des Euro zu stärken, müsste die EU die Konstruktionsprobleme der Währungsunion beheben, sich durchringen zu einem gemeinsamen Stabilitätsverständnis und zu einer Senkung der viel zu hohen Staatsschulden. Übrigens: Dass der Euro in jüngster Zeit bei grenzüberschreitenden Zahlungen an Bedeutung gewonnen hat, liegt daran, dass manche Unternehmen fürchten, mit dem Dollar in die Reichweite der US-amerikanischen Sanktionspolitik zu kommen – etwa bei Geschäften im Iran. Der Euro profitiert also nicht von seiner eigenen Stärke, sondern von der Schwächung des Dollar.

Interview: Alicia Lindhoff

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