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Jefta Japans Angst vor Europa

Den Japanern bereitet der intensivere Wettbewerb mit dem alten Kontinent Sorgen.

Japan
Die japanischen Bauern fürchten die Konkurrenz aus Europa. Foto: afp

Shinzo Abe ist zufrieden. „Wir haben hier etwas Historisches erreicht“, sagte Japans Premier, nachdem er am Dienstag seine Unterschrift unter das Freihandelsabkommen Jefta gesetzt hatte. Der Vertrag sieht vor, ab dem Jahr 2019 fast alle Zölle zwischen den beiden Volkswirtschaften stufenweise zu beseitigen. „Japan und die EU sind nun die Fahnenträger des freien Welthandels.“

Das neue Bündnis kommt zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt: Je feindseliger sich US-Präsident Trump sowohl gegen die Europäer als auch gegen die Japaner verhält, desto wichtiger sind Alternativen geworden. Die beiden Wirtschaftsräume ergänzen sich zudem vergleichsweise gut: Japan bietet hochentwickelte Elektronik, während die EU landwirtschaftliche Produkte wie Wein, Weizen und Käse günstig anbietet. Verbraucherschutz und Regulierungen befinden sich in beiden Regionen auf einem ähnlichen Niveau.

Abe hatte dennoch viel Überzeugungsarbeit zu leisten bis der Pakt mit der EU stand. Europa ist berüchtigt dafür, seine Überproduktion an preiswerten Agrarprodukten in andere Märkte loswerden zu wollen. Und Japans Wirtschaft war außerdem bisher vergleichsweise gut vor Wettbewerb von außen geschützt. Die Landwirtschaft dort ist hoch subventioniert, Finanzfirmen sind reguliert. Wirtschaftsbereiche wie die Wasserversorgung oder die Bahn sind in öffentlich-rechtlichen oder teilstaatlichen Firmen organisiert. 

Vor allem die Landwirte, doch auch Vertreter anderer Branchen wie der Pharmaindustrie oder der Geldanlagefirmen hatten daher erhebliche Einwände und haben in Tokio gegen die Jefta-Pläne demonstriert. Die Bauern fürchteten vor allem einen Zusammenbruch des Marktes für Milchprodukte: Butter und Käse aus dem Inland kosten ein Vielfaches der Preise, die EU-Hersteller anbieten können. Japan importiert sechs Zehntel seiner Lebensmittel. Europäische Produkte sind sehr beliebt, bisher jedoch wegen der Schutzzölle auch ziemlich teuer.

Globalisierungsgegner kritisierten auch den Druck, den die Öffnung gegenüber einem riesigen Wirtschaftsblock auf den Arbeitsmarkt ausübt. In der EU befinden sich zahlreiche Länder mit einem niedrigeren Lohnniveau als Japan. Das schafft unwillkommenen Wettbewerb gerade für die unteren Einkommensgruppen, die sich in Japan ohnehin zunehmend mit Billigjobs durchschlagen müssen.

Doch Abe hat bereits eine ganze Weile lang Vorarbeit geleistet für mehr Freihandel. Denn er hatte zuvor mit der Regierung Obama einen großen Handelspakt ausgehandelt, die „Transpazifische Partnerschaft“ (TPP). Die Diskussion in der Gesellschaft war bereits abgeschlossen, die Lobby-Gruppen waren besänftigt, dann kam Trump und hat TPP einfach vom Tisch gefegt. Abe sah sich nach Alternativen um – und fand Europa.

Unfreiwilliger Pate des neuen europäisch-japanischen Bündnisses ist also Trump. „Die Politik der US-Regierung hat zweifellos die Motivation erhöht, zügig auf einen Abschluss hinzuarbeiten“, sagt Martin Schulz, Ökonom am Fujitsu-Forschungsinstitut in Tokio. Der Abschluss von Jefta ist nach nur einem halben Jahr intensiver Verhandlungen zustande gekommen. Zuvor hatten sich Gespräche über europäisch-japanischen Freihandel vier Jahre lang ohne nennenswerte Fortschritte dahingeschleppt.

Abe erhofft sich von dem Pakt einen Schub für das japanische Wachstum und mehr Wohlstand für die Verbraucher. Er ist vor allem erpicht darauf, den Exporteuren seines Landes neue Türen zu öffnen. Unternehmen wie der Autokonzern Toyota und die Elektronikspezialisten Panasonic, Canon oder Sony rechnen ganz konkret mit einem Exportplus. Auf der europäischen Seite könnten beispielsweise Pharmafirmen profitieren. 

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