Lade Inhalte...

Jahrestagung IWF IWF prangert Ungleichheit an

Regierungen sollen die Gewinne aus der Globalisierung fairer verteilen. IWF-Chefin Lagarde ruft auf der Jahrestagung auf, mehr für Arbeitnehmer mit mittleren und unteren Einkommen zu tun.

Kritisiert die wachsende Ungleichheit: IWF-Chefin Christine Lagarde. Foto: REUTERS

IWF-Chefin Christine Lagarde hat die wachsende Ungleichheit vor allem in den reichen Ländern kritisiert. Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington rief sie die Regierungen am Donnerstag auf, mehr für Arbeitnehmer mit mittleren und unteren Einkommen zu tun. Andernfalls werde der Widerstand gegen Globalisierung, freien Handel und auch die fortschreitende Digitalisierung weiter zunehmen, warnte die IWF-Chefin.

„In vielen Industrieländern und einigen Schwellenländern hat die zu langsame Anpassung an den technischen Wandel und die Globalisierung die Lohnsteigerungen für Arbeitnehmer mit mittleren und niedrigen Qualifikationen reduziert, während die Gewinne für das Kapital und hochqualifizierte Beschäftigte gestiegen sind“, heißt es in einem von Lagarde herausgegebenen Papier zu den dringlichsten wirtschaftspolitischen Aufgaben.

Der rasante Wandel durch offene Märkte und digitale Anwendungen begünstigt einige wenige. Die große Masse in den Vereinigten Staaten und Europa muss um ihren Status kämpfen. Gerade in der Mittelschicht können viele den gewohnten Wohlstand nicht halten.

Diese Sichtweise auf die Weltwirtschaft machen sich seit einiger Zeit zunehmend die politischen Verantwortlichen zu eigen. Sie übernehmen damit zum Teil die Position von Globalisierungskritikern, wie das Statement von Lagarde verdeutlicht. Allerdings bewertet sie die Globalisierung grundsätzlich positiv. Falsch sei nur die politische Reaktion gewesen. Als etwa China durch seinen Eintritt in den Weltmarkt die reichen Nationen mit billigen Produkten versorgte und die Konkurrenz verschärfte, hätten die Regierungen die Gewinne aus diesen Veränderungen fairer verteilen müssen.

Dies sei keine leichte Aufgabe, räumte Lagarde ein. Aber die Staaten könnten und müssten mehr leisten, um etwa die Chancen von Jugendlichen und Frauen zu verbessern. Sie sollten auch mehr Hilfe anbieten für die Menschen, die sich beruflich neu orientieren müssten. Grundsätzlich aber habe die Weltwirtschaft in einem gewaltigen Ausmaß von der Globalisierung und den technischen Innovationen profitiert.

Die Verbraucher in Deutschland, Australien oder Mexiko zählen aus IWF-Sicht zu den Nutznießern, weil sie unzählige Produkte und Dienstleistungen viel günstiger einkaufen können. Aber auch die Arbeitnehmer gewinnen, jedenfalls in Schwellenländern wie China. Dort ist Hunderten Millionen der wirtschaftliche Aufstieg gelungen. Die Armut ist in diesen Regionen in einem enormen Tempo zurückgegangen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Staats- und Regierungschefs der G 20 in ihrer gemeinsamen Gipfel-Erklärung betont, dass sie sich mehr um sozialen Ausgleich kümmern müssten. Dahinter steckt die Furcht, dass die Verlierer der Globalisierung gegen offene Märkte aufbegehren und eine Abschottung ihrer Länder verlangen könnten. Ein solches politisches Klima begünstige eine nach innen gerichtete Politik und erschwere Reformen, meinte Lagarde. Als Beleg dafür gilt die Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, um nationale Belange auf der Insel einfacher regeln zu können.

Sorgen bereiten dem IWF auch die massiven Proteste vor allem in Deutschland gegen die Freihandelsabkommen Ceta und TTIP. Und in den USA sind weiße Arbeiter so frustriert über die wirtschaftliche Entwicklung, dass beide Präsidentschaftskandidaten vom traditionellen liberalen Kurs ihres Landes abrücken. All dies trifft auf eine äußerst wacklige Weltkonjunktur. Daher sieht der IWF ein steigendes Risiko, dass Protektionismus und Abschottung die wirtschaftlichen Probleme verschärfen und den Weg in die nächste Krise weisen könnten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen