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Jahreshauptversammlung Daimler-Aktionäre fordern Ende der Waffengeschäfte

Daimler-Chef Dieter Zetsche muss sich heute seinen Anlegern stellen. Ein Interview mit dem Sprecher der kritischen Aktionäre über Militärgeschäfte mit Gaddafi, Leiharbeit und die undurchsichtige Vergabe von Posten.

Daimler ist unter anderem an dem Rüstungskonzern EADS beteiligt. Foto: ddp

Herr Russmann, eine Jahreshauptversammlung ist der Tag der Abrechnung. Was hat Daimler 2011 falsch gemacht?

Dieter Zetsche hat in seinem Brief an die Aktionäre geschrieben, „anständig Rendite machen und Rendite anständig machen“ seien zwei Seiten derselben Medaille und die so beschriebene Integrität sei ein innere Kompass für die Unternehmenspolitik.  

An diesen Worten messen wir als Kritische AktionärInnen Daimler den Konzernchef.  Und da müssen wir leider sagen, dass Daimler im letzten Jahr zwar anständig Rendite gemacht hat, aber dass der Konzern Rendite mit Anstand gemacht hat, bezweifeln wir. Man muss sich fragen, auf wessen Kosten diese Rendite gemacht worden ist.

Was kritisieren Sie genau?

Es gibt zum einen viel zu viel Leiharbeit im Konzern. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das ist zu selten. Auch von den Erfolgsprämien hat vor allem die Stammbelegschaft profitiert und nicht die Leiharbeiter, die doch wesentlich zum Erfolg beigetragen haben.

Sie fordern auch einen Stopp der Rüstungsgeschäfte von Daimler…

Daimler muss aufhören, mit Waffenhandel Profit zu machen. Dabei geht es zum einen um die Beteiligung an den Rüstungskonzernen EADS und Tognum, aber auch um die eigene Produktion von Militärfahrzeugen. Diese Fahrzeuge sind auch in menschenrechtsverletzende Staaten geliefert worden.

Mercedes-Trucks für Gaddafi 

Ein Beispiel?

2009 und 2010 wurden insgesamt 25 Militärtrucks vom Typ Actros an das Gaddafi-Regime in Libyen geliefert. Solche Fahrzeuge benutzten die Gaddafi-Truppen beim Vormarsch gegen die Rebellen im März 2011. Da fehlt eindeutig das Bewusstsein für die Folgen des eigenen Handels.

Sie fordern eine Frauenquote von 30 Prozent für die Führungsetagen bei Daimler. Solche Vorschläge hat auch der eine oder andere Politiker schon erhoben – und ist kläglich gescheitert.

In den skandinavischen Ländern gibt es bereits solche Quoten. Man muss sie also nur wollen. Bei Daimler ist es auch gelungen, mit Frau Hohmann-Dennhardt 2011 erstmals eine Frau in den Vorstand zu holen.

Das Argument, es gebe dafür zu wenig qualifizierte Frauen, halte ich für vorgeschoben.  In den deutschen DAX-Unternehmen ist es leider derzeit noch so, dass sich ein Dutzend Männer gegenseitig die Vorstands- und Aufsichtsratsposten zuschieben. Eine effiziente Arbeit dieser Gremien wird dadurch eher verhindert.

Weiter: Daimler reagiert auf Kritik

Dringen Sie mit Ihren Forderungen überhaupt durch?

Unsere Anträge scheitern natürlich regelmäßig. Die Abstimmungen in den Daimler-Hauptversammlungen erinnern da an die Wahlen in früheren Ostblock-Staaten, weil dort eher die großen Fonds und Banken vertreten sind.

Aber wir haben in den letzten Jahren erreicht, dass auch größere Fonds unsere Anliegen immer wieder ansprechen, auch die Rüstungsproduktion und Rüstungsbeteiligung. Wir haben auch immer wieder Gespräche mit dem Vorstand geführt.

Die Deutsche Bank musste im vergangenen Jahr auf massiven öffentlichen Druck hin zusagen, sich aus Geschäften mit Herstellern von Streumunition zurückzuziehen.

Das zeigt, dass kritische Anleger und Konsumenten ein Umdenken bei den Konzernen erzwingen können. Wir wissen auch, dass Leute wegen der unethischen Geschäfte keine Daimler-Aktien oder Autos kaufen.

Es ist zwar noch nicht die Masse. Aber Daimler reagiert darauf.  Im Geschäftsbericht zum Beispiel steht sehr viel über die zivile Produktion, aber es gibt keinen Hinweis auf die Rüstungsexporte über Mercedes Military.

Es gibt also jede Menge gute Gründe, sein Geld nicht bei Daimler anzulegen. Warum tun Sie es trotzdem?

Das ist die Frage danach, wie sinnvoll der Marsch durch die Institutionen ist. Es gibt viele Leute, die aus verschiedenen Gründen ihre Aktien nicht abstoßen können, zum Beispiel, weil sie in Fonds angelegt sind. Diesen Menschen wollen wie eine Alternativ anbieten – als Sprachrohr für alle, die mit dieser Geschäftspolitik nicht einverstanden sind. Uns geht es darum, die Unternehmen an ihre soziale Verantwortung zu erinnern und als Aktionäre da Einfluss zu nehmen.

Paul Russmann ist Sprecher des Vereins Kritische AktionärInnen Daimler (KAD).

Das Interview führte Nadja Erb.

 

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