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Ivanka Trumps Geschäfte Von wegen „Made in America“

Ivanka Trump lässt in Asien für ihre Modemarke fertigen - und führt damit die Rhetorik ihres Vaters ad absurdum. In Bangladesch verdienen Textilarbeiter den Mindestlohn von 70 Dollar im Monat oder weniger.

Trump
Ivanka Trump ist mit einer eigenen Kollektion erfolgreich. Foto: rtr

Nur vier Häuserblocks trennen das Weiße Haus an der Pennsylvania Avenue vom Kaufhaus Macy’s im Zentrum Washingtons. Doch der Kontrast zwischen politischer Inszenierung und wirtschaftlicher Realität könnte kaum größer sein. Während Präsident Donald Trump am Montag in seinem Regierungssitz mit patriotischer Rhetorik die „Made in America“-Woche eröffnete, bei der Hersteller aus 50 Bundesstaaten heimische Produkte ausstellen, werden in den Filialen der Warenhauskette die Reste der Sommerkollektion verkauft. Kaum ein Kleidungsstück wurde in den USA gefertigt.

Besonders ins Auge fallen beim Einkaufsbummel ein einfarbig-violettes Cocktailkleid und ein rosafarbenes Sommerkleid mit abstraktem Blumenmuster. Das festliche Teil soll 148 Dollar kosten. Das luftigere Kleidchen ist von 138 Dollar auf 79,99 Dollar reduziert. Kleine Schildchen neben den Etiketten weisen auf die Herkunftsländer China und Indonesien hin. Noch interessanter ist der Name der Modekollektion daneben: Ivanka Trump.

Kosten und Rechte der Arbeiter gering

In einer aufwendigen Recherche bei Zollbehörden, Schifffahrtsunternehmen und vor Ort auf drei Kontinenten hat die „Washington Post“ die Herkunftswege von Schuhen, Taschen, Blusen und Kleidern der Ivanka-Trump-Kollektion recherchiert. Das Ergebnis: die Firma der Präsidententochter lässt ihre Produkte praktisch ausschließlich in Asien und Afrika fertigen, wo die Kosten niedrig und die Rechte der Arbeiter gering sind. Es sei nicht möglich, große Kollektionen in den USA herzustellen, erklärt Abigail Klem, die Vorstandschefin des Modelabels bemerkenswert offen: „Es gibt hier die nötigen Arbeiter und auch die Maschinen nicht mehr.“

Tatsächlich hat es die US-Textilbranche seit den 1960er Jahren vor allem wegen der niedrigeren Löhne nach Asien gezogen. Laut „Washington Post“ lässt die Ivanka-Marke, die der Präsidententochter gehört und deutlich mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz im Jahr machen dürfte, über Subunternehmer ihre Blusen und Schuhe überwiegend in China, die Kleider in Indonesien, die Blazer in Vietnam, die Baumwoll-Tops in Indien und die Jeans in Bangladesch zusammennähen. In Bangladesch verdienen die Textilarbeiter meist nicht mehr als den Mindestlohn von 70 Dollar im Monat. Eine Arbeiterin bei einem Trump-Zulieferer im indonesischen West-Java berichtete der „Washington Post“, dass sie zwischen 68 und 135 Dollar für 24 Tage Arbeit bekommt.

18-Stunden-Tage und Schikanen der Manager

Besonders fragwürdig scheint, dass die Firma der Präsidententochter, anders als andere Textilunternehmen, keine unabhängigen Beobachter beauftragt, um die oft katastrophalen Arbeitsbedingungen vor Ort zumindest in Ansätzen zu überwachen. Nach eigenen Angaben hat das Trump-Unternehmen lediglich einen Verhaltenskodex, der körperliche Ausbeutung und Kinderarbeit verbietet. Die Zulieferer würden „auf höchstem Niveau“ arbeiten, versichert Firmenchefin Klem. Hingegen berichten Menschenrechtsorganisationen von 18-Stunden-Tagen und Schikanen der Manager in chinesischen Fabriken, die für Ivanka Trump nähen. Als dort vor einigen Wochen Aktivisten gegen die Arbeitsbedingungen protestierten, wurden drei Demonstranten festgenommen.

Ivanka Trump lehnte einen Kommentar zu der Geschäftspraxis ab, die in krassem Widerspruch zur Rhetorik ihres Vaters steht. Bei seiner Amtseinführung hatte der erklärt: „Wir werden zwei einfache Regeln befolgen: kauft bei Amerikanern und stellt Amerikaner ein!“ Dabei beziehen auch die Unternehmen des Präsidenten selbst zahlreiche Produkte aus dem Ausland. Selbst die rote Wahlkampf-Kappe mit dem Slogan „Make America great again“ trägt innen ein kleines Etikett: „Made in China“.

Die hohlen Phrasen des Donald Trump

Auch der Rest der US-Wirtschaft ist global vernetzt. So erweisen sich die vollmundigen Ankündigungen des Präsidenten, Arbeitsplätze in den USA zu sichern, als hohle Phrasen. Vor der Wahl hatte sich Trump für die angebliche Rettung des Standorts Indianapolis beim Heizungs- und Kühltechnikhersteller Carrier gefeiert. Nun kündigte das Unternehmen den Abbau von 600 der 1000 Stellen an. Der Flugzeugbauer Boeing, den Trump ebenfalls besuchte, streicht 200 Jobs. Und der Autobauer Ford wird sein neues Werk für Kleinfahrzeuge nun zwar nicht in Mexiko, dafür aber in China bauen. 1400 Arbeiter in den USA verlieren ihren Job.

Dessen ungeachtet plant Trump für Mittwoch und Donnerstag publikumswirksame Auftritte mit mutmaßlich nationalistischen Tönen im Rahmen seiner „Made in America“-Woche. Auf die Frage eines Reporters, ob sich die Unternehmen des Präsidenten oder seiner Tochter dann auch zur Fertigung in den USA verpflichten werden, antwortete ein Sprecher des Weißen Hauses ausweichend: „Das muss ich klären.“

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