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Italien Kollision mit Tomatenlaster

Sechzehn Erntehelfer sterben in Italien bei Unfällen. Gewerkschaft ruft zu Streik auf.

Sie waren nach einem langen, harten Arbeitstag unter der sengenden Sonne Apuliens auf dem Rückweg von den Tomatenfeldern: 14 afrikanische Erntehelfer, zusammengepfercht in einem Kleintransporter, der höchstens acht Menschen hätte befördern dürfen.

Der Fahrer, ein Marokkaner, stand vermutlich im Dienst eines der „Caporali“ genannten illegalen Arbeitsvermittler. Aus ungeklärten Gründen steuerte er den Wagen auf die Gegenspur, wo er frontal mit einem der vielen entgegenkommenden Lkw zusammenprallte, die Agrarprodukte Richtung Norden transportieren. Zwölf der Afrikaner starben am Montag bei dem Unfall in der Provinz Foggia, einem Zentrum der süditalienischen Landwirtschaft, wo rund 20.000 Arbeiter, fast alle Migranten und Flüchtlinge, jetzt im Hochsommer Tomaten und Wassermelonen ernten. Bereits am Samstag waren in der Region beim Zusammenstoß eines Transporters mit einem Lkw vier weitere Afrikaner gestorben. 

Die 16 Todesopfer innerhalb weniger Tage haben wieder einmal ein Schlaglicht auf die desolate Lage der Erntearbeiter geworfen, auf ihre Ausbeutung und das System der kriminellen Caporali, die oft mit der Mafia kooperieren. Rund um Foggia gibt es, ebenso wie in anderen Agrarregionen Italiens, Slumsiedlungen mit Zelten und Baracken, in denen Tausende Migranten leben.

Sie arbeiten auf den Feldern wie Sklaven. Pro Kasten mit drei Doppelzentnern Tomaten bekommen sie in der Regel 4,50 Euro. Der Caporale kassiert das Geld von den Landwirten und behält davon je 50 Cent ein. Außerdem verlangt er von jedem Erntehelfer für den Transport auf die Felder pro Tag fünf Euro. Dabei verdienen die meisten Arbeiter höchstens 30 Euro für zehn Stunden Arbeit und mehr. 

Immer wieder kommt es zu Todesfällen. Als 2016 eine italienische Erntearbeiterin in glühender Hitze starb, brachte die damalige Mitte-Links-Regierung ein Anti-Caporolato-Gesetz auf den Weg. Wirksame Kontrollen fehlen aber nach wie vor, beklagen Aktivisten wie Aboubakar Soumahoro. Seine Gewerkschaft Usb hat am Mittwoch zu einem Streik der Erntehelfer in der Provinz Foggia aufgerufen. Außerdem wird es einen Gedenkmarsch für die Toten geben. „Solche Demonstrationen tragen hoffentlich dazu bei, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren“, sagte Soumahoro. 

Arbeitsminister und Vize-Premier Luigi di Maio von den Fünf Sternen kündigte an, er werde für mehr Inspektoren sorgen. Das System des Capolarato nutze die Verzweiflung von Menschen, die Arbeit suchten. Es müsse ein für alle Mal gestoppt werden. Aber das hatten schon viele Politiker vor ihm gesagt.

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