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Investoren Heuschrecken beim Zahnarzt

Investmentgesellschaften übernehmen reihenweise Zahnarztpraxen in Deutschland, um damit gewinnträchtige Ketten zu bilden. Die deutsche Ärzteschaft schlägt Alarm.

Zahnärzte
Zahnmedizinstudenten im Carolinum in Frankfurt üben im Simulationslabor an Puppen. Foto: Michael Schick

Mohammed Al Shroogi, Chef der Investmentgesellschaft Investcorp aus dem Ölscheichtum Bahrain, ist sehr zufrieden. Der Einstieg in den deutschen Zahnarzt-Markt komme zum richtigen Zeitpunkt, das Potenzial sei enorm, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung. Man werde den Dental-Sektor weiter erschließen, Deutschland sei dafür schließlich ein Kernmarkt.

Der deutsche Dental-Markt? Bahrain? Investmentgesellschaften, Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften sind gerade dabei, reihenweise Zahnarztpraxen in Deutschland zu übernehmen, um damit Ketten zu bilden und so hohe Gewinne zu erwirtschaften. Die Rede ist von einem regelrechten Goldrausch. Die deutsche Zahnärzteschaft schlägt inzwischen laut Alarm, die Politik reagiert jedoch bisher abwartend.

Eigentlich ist es für Finanzinvestoren gar nicht möglich, in Deutschland Zahnarzt-Praxen zu besitzen. Das geht nur über einen Trick. Hier muss länger ausgeholt werden: Zulässig sind in Deutschland sogenannte Zahnarzt-MVZ. Die Abkürzung MVZ steht für Medizinisches Versorgungszentrum. Dahinter verbirgt sich das DDR-Konzept einer Poliklinik, in der Ärzte verschiedener Fachgruppen als Angestellte arbeiten. Seit einigen Jahren sind auch MVZ zugelassen, in denen ausschließlich „fachgleiche“ Ärzte arbeiten, also zum Beispiel nur Zahnärzte.

MVZ dürfen generell nur von Ärzten oder Krankenhäusern gegründet und betrieben werden. Reine Finanzinvestoren scheiden damit aus. Aber es gibt ein Schlupfloch. Nach Darstellung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KVBV), die den Markt sehr genau beobachtet, kaufen internationale Investoren marode Kliniken auf. Über diese Krankenhäuser werden dann Zahnarzt-MVZ gegründet, die bundesweit Praxen aufkaufen. Weil die angestellten Zahnärzte nicht unter einem Dach arbeiten müssen, können Ketten mit Filialen in verschiedenen Städten entstehen.

Noch arbeiten die rund 61 000 Kassenzahnärzte überwiegend in der klassischen Form der Einzel- oder Gemeinschaftspraxis. Doch in den vergangenen Jahren hat sich der Trend zu Zahnarzt-MVZ verstärkt. Nach Angaben der KZBV gibt es bereits 600 derartige Einrichtungen in Deutschland. Wie viele davon im Besitz von Finanzinvestoren sind, ist allerdings unbekannt. Das genannte Beispiel der Investmentgesellschaft Investcorp zeigt aber, dass tatsächlich der beschriebene Trick genutzt wird: Investcorp erklärte selbst, dass der Einstieg in die Acura-Klinik in Albstadt ein „idealer Startpunkt“ sei, um in den „stark fragmentierten deutschen Dental-Markt“ zu investieren.

Zahnärzte warnen vor der Entwicklung

Finanzinvestoren sind nicht grundsätzlich schlecht, nur weil sie mit der zahnärztlichen Versorgung Gewinne machen wollen. Auch Zahnärzte in Einzelpraxen wollen Geld verdienen. MVZ sind zudem in der Ärzteschaft durchaus beliebt. Denn sie ermöglichen es Ärzten, ohne das Risiko der Selbstständigkeit als angestellter Mediziner ambulant zu arbeiten. Gerade junge Mediziner, für die eine Tätigkeit im Krankenhaus keine Alternative ist, lassen sich daher gern in einem MVZ anstellen.

Die Zahnärzteschaft warnt gleichwohl vor der Entwicklung. „Leidtragende der Spekulanten und Finanz-Heuschrecken sind letztlich die Patienten. Ihre bislang noch gute Versorgung wird den ungezügelten Kräften des Kapitalmarktes untergeordnet“, warnt der Chef der Kassenzahnärzte, Wolfgang Eßer. Er argumentiert wie folgt: Reine Zahnarzt-MVZ würden von den Investoren vor allem in Großstädten und Ballungsgebieten eingerichtet, also in der Regel in einkommensstarken Regionen. „In ländlichen und strukturschwachen Gegenden wirken die Zahnarzt-MVZ jedoch wie ein Katalysator für Versorgungsengpässe“, warnt Eßer. Denn sie übten in den Ballungszentren eine Sogwirkung auf junge Zahnärzte aus. Die Folge sei, dass auf dem Land immer mehr Ärzte fehlten.

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