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Interview zu Weltbild "Transparenz fehlt"

Birgit-Sara Fabianek hat die Finanzierung der katholischen Kirche in Deutschland untersucht. Im Gespräch erklärt sie, wo überall die Kirche beteiligt ist und wo es problematische Ecken wie Weltbild gibt.

23.11.2011 14:57
Zentrale des Weltbild-Verlages Foto: dpa

Birgit-Sara Fabianek ist Historikerin. Sie ist ständige Mitarbeiterin des ökumenischen, kirchenkritischen Magazins „Publik Forum“. In ihrem Buch „Und vergib uns unsere Schulden“ hat sie die Finanzierung der katholischen Kirche in Deutschland untersucht.

Frau Fabianek, wo „Weltbild“ draufsteht, war bislang die katholische Kirche drin. Gibt es von solchen Konstruktionen noch mehr?

Jede Menge. Manche sind relativ leicht erkennbar – kirchliche Banken, Druckereien etwa oder die Beteiligung an der Fair-Trade-Gesellschaft Gepa. Andere Beteiligungen sind so verschwiegen und komplex, dass kaum jemand sie durchschaut.

Zum Beispiel?

Die katholische Kirche hält Anteile an Versicherungen und Wohnungsbaugesellschaften, an der Tellux-Filmgesellschaft, und so könnte ich jetzt immer weiterreden. Die katholische Kirche ist nach Staat und Adel der größte Grundbesitzer in Deutschland.

Was ist daran schlimm?

Es fehlt an Transparenz. Die Einnahmen der katholischen Kirche stammen knapp zur Hälfte aus Kirchensteuern. Die zweite Hälfte kommt aus anderem Vermögen. Darüber braucht die Kirche niemandem Rechenschaft zu geben. Ein Mindestmaß an Transparenz wäre gegeben, wenn sich die Kirche und ihre Unternehmen in Geschäftsberichten offenbaren müssten.

Gibt es denn ähnlich problematische Ecken wie bei Weltbild die Sparte Erotik-Literatur?

Zunächst gilt für alle wirtschaftlichen Aktivitäten: „Die Kirche“ gibt es nicht – schon gar nicht in finanzieller Hinsicht. Es ist wie in Deutschland vor 150 Jahren: völlige Zersplitterung und Kleinstaaterei. Grob gesagt, sind da zunächst die 27 Bistümer und die Wohlfahrtsverbände mit der Caritas an der Spitze. Darunter gibt es unzählige eigenständige Rechtsträger. Einer der wichtigsten innerhalb jedes Bistums ist der „Bischöfliche Stuhl“. Dieser ist oftmals Träger von Wirtschaftsbeteiligungen.

Auch von anrüchigen?

Schwer zu sagen. Am ehesten, denke ich, lohnt sich hier ein Blick auf die Banken- und Versicherungsbeteiligungen und auf deren Vermögens-Portfolio. Bei den Wohlfahrtsverbänden stellt sich die Frage, ob sie wirklich überall gemäß den Prinzipien ihrer eigenen Soziallehre handeln. Die Caritas zum Beispiel bezahlt viele Mitarbeiter unter dem Branchendurchschnitt.

Die Kritik an Weltbild ging von konservativen Kräften aus. Wundert Sie das?

Das passt zu deren Wagenburg-Mentalität: von allem die Finger lassen, was irgendwie ans Reinheitsideal rührt. Es bleibt aber die interessante Frage: Was passiert bei einem Verkauf von Weltbild eigentlich mit dem Erlös? Das Geld geht an die beteiligten Bistümer – und ist damit dem Blick der Öffentlichkeit komplett entzogen.

Mit Geld wird die Kirche aber auch in Zukunft in Berührung kommen – und kommen müssen.

Klar! Dagegen ist nichts einzuwenden. Und vielleicht geht die Kirche ja vielerorts auch sehr gut und verantwortungsvoll mit ihrem Geld um. Aber sie legt es eben nicht offen. Da fragt man sich dann schon, warum nicht.

Interview: Joachim Frank

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