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Interview „Schwermetall im Blut“

Der Menschenrechtler und Aktivist Flores Unzaga fordert mehr Transparenz vom deutschen Kupfererzeuger Aurubis und klagt über Umweltzerstörung in Peru.

Kupfer
Im chilenischen Antofagasta demonstrieren Menschen vor der größten Kupfermine der Welt. Foto: rtr

Herr Flores Unzaga, es gibt in Peru immer wieder Proteste gegen Bergbau-Projekte. Warum?
Die Mehrheit der Bevölkerung ist nicht grundsätzlich gegen die Minen. Aber die Leute fordern, dass dabei die Menschenrechte respektiert, dass sie beteiligt und angehört werden. Da dies nicht der Fall ist, kommt es immer wieder zu massiven sozialen Konflikten.

Warum ist gerade die Kupferförderung ein Problem?
Peru ist nach Chile der zweitgrößte Kupferproduzent der Welt. In den vergangenen drei Jahren hat sich unsere Produktion verdoppelt, vier neue Minen wurden eröffnet. Der Abbau ist meist mit gravierenden Umweltproblemen verbunden.

Wie zeigt sich das konkret?
Nehmen wir als Beispiel die Kupfermine Antapaccay, die bis 2013 dem Schweizer Konzern Xstrata gehörte und nun im Besitz von Glencore ist.

Die umliegenden Gemeinden klagen seit Jahren über massive gesundheitliche Probleme bei Menschen und Tiere. Studien der Regierung zeigen, dass die Bevölkerung, die unterhalb des Rückhaltebeckens für Minenschlämme lebt, stark erhöhte Konzentrationen von Schwermetallen im Blut hat. Das Wasser der Region ist verseucht. Doch die Unternehmen weisen jede Verantwortung von sich.

Was unternimmt die Regierung dagegen?
Angesichts fallender Rohstoffpreise hat unsere Regierung die Umweltgesetze in den vergangen Jahren sogar noch weiter abgeschwächt, um Investoren anzuziehen. Die Institutionen sind schwach. Die Verantwortlichen glauben, sie könnten die Probleme mit Investitionen in Infrastruktur wie den Straßenbau aus der Welt schaffen. Menschen-rechte wie sauberes Wasser und saubere Böden und die medizinische Versorgung spielen dann oft keine Rolle mehr.

Wie reagieren die betroffenen Menschen?
Sie versuchen, ihre Interessen und Rechte juristisch durchzusetzen. Im Falle der Mine Antapaccy läuft zum Beispiel eine verfassungsrechtliche Klage. Kleinbauern fordern dabei mit Unterstützung einer Menschenrechtsorganisation von den Behörden den Schutz ihrer Gesundheit und ihrer Umwelt.

Die Konflikte führen oft aber auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern und den Minenbetreibern.
Ja, Demonstrationen und Blockaden werden brutal niedergeschlagen. Von 2006 bis 2016 sind dabei laut dem staatlichen Ombudsmann für Menschenrechte 270 Personen ums Leben gekommen. Ein Drittel davon im Zusammenhang mit Bergbau.

Warum eskalieren die Konflikte derart?
Das liegt auch daran, dass viele Bergbauunternehmen in Peru Verträge mit der Nationalen Polizei haben. Sie bezahlen die Ordnungskräfte für den Schutz der Mine und geben die Einsatzbefehle – nicht etwa staatliche Stellen. Im Jahr 2012 sind bei Protesten an der Mine Antapaccay vier Menschen durch Polizeikugeln ums Leben gekommen und viele verletzt worden. Opfer und Angehörige klagen nun in Großbritannien, wo der damalige Minenbetreiber Xstrata seine Zentrale hat, gegen das Unternehmen.

Und welche Verantwortung soll das Hamburger Unternehmen dabei haben?
Immerhin kommen 20 Prozent des von Aurubis in Deutschland importierten Kupfers aus Peru. Aber es ist egal, wie viel oder wenig die Hamburger in Peru kaufen – es gibt eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht, wie sie jetzt ja auch der deutsche Nationale Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte einfordert.

Interview: Tobias Schwab

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