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Interview „Künstliche Hüften für Hunde sind ganz normal“

Patrick Döring, Vorstand des Tierversicherers Agila, über Kostenrisiken, Homöopathie für Vierbeiner und das Röcheln der Möpse.

Mops
Seit Jahren gibt es einen starken Trend zum Mops. Foto: rtr

Zum Interview in einem schicken Berliner Hotel erscheint Patrick Döring gut gelaunt. Am Vortag hatte der frühere FDP-Generalsekretär seine ehemalige Crew aus der Parteizentrale eingeladen, in der jetzt Christian Lindner das Sagen hat. „Alle sind gekommen“, freut sich Döring, der heute den Marktführer für Tierkrankenversicherungen leitet. Ein Gespräch über Tierärzte, Möpse und Gaumensegel. 

Herr Döring, was ist interessanter: Politische Botschaften unters Volk zu bringen oder Krankenversicherungsverträge für Hunde und Katzen?
Beides hat seinen Reiz, beides ist sogar in Nuancen vergleichbar. Natürlich kann man in der Politik viel bewegen, aber das kann man als Unternehmer auch. Es ist toll, wenn man wie ich mit einer Idee fast bei Null anfängt und daraus ein erfolgreiches Unternehmen mit einem starken Wachstum entwickeln kann. Das ist mindestens so reizvoll wie die Arbeit im Bundestag.

Welche Fähigkeiten benötigt man für beide Jobs, für den des Generalsekretärs und des Versicherungsmanagers?
Man muss mit Menschen umgehen können und überzeugt sein von seiner Sache. Als wir 1999 mit der Tierkrankenversicherung angefangen haben, brauchte niemand so etwas. Es gab auch keine natürliche Sehnsucht nach einem solchen Produkt. Wir mussten Überzeugungsarbeit leisten, bei Tierärzten, Verbandsfunktionären und vor allem bei den Verbrauchern. Dazu muss man kommunikativ und argumentativ stark sein. Das habe ich damals gelernt, was mir später in Berlin genutzt hat.

Warum hat damals niemand eine Tierkrankenversicherung gebraucht?
Es gab in den 80er und 90er Jahren viele Sendungen im Fernsehen, in denen ein Tierarzt eine Rolle spielte. Er wurde immer als der edle Helfer und Heiler dargestellt, und so war auch sein Image in der Bevölkerung. Dass die Behandlung Geld kostet, wurde nie thematisiert. So war auch der Alltag in den Tierarztpraxen. Damals war dort in der Regel nur Barzahlung möglich – und zwar sofort, nicht auf Rechnung. Das war also alles irgendwie verschwiegen und intransparent.
 
Wie haben Sie die Ärzte überzeugen können?
Das war schwer. Denn mit dem Angebot einer Krankenversicherung rückt das Thema Kosten ins Blickfeld. Und das war einigen Tierärzten gar nicht recht. Sie wollen ihr edles Image retten und nicht als Geschäftsleute wahrgenommen werden. Viele sorgten sich auch, dass sie durch eine Versicherung in die Situation der Humanmediziner kommen, bei denen die Krankenkassen die Vorschriften machen. 
 
Mit welchen Argumenten konnten Sie überzeugen?
Es kam eine neue Generation von jüngeren Ärzten, die ihre medizinischen Fähigkeiten aktiv anbieten wollten. Sie sind stolz darauf, dass sie auch bei Hunden künstliche Hüftgelenke einsetzen oder Kreuzbandrisse flicken können. Da das nicht ganz billig ist, wurde auch die Bezahlung anders diskutiert. Weil wir in unseren Tarifen alles übernehmen, was die Tierärzte können, haben wir sie am Ende überzeugt. 
 
Aber warum brauchten Sie die Ärzte überhaupt?
1999 befanden wir uns noch im vordigitalen Zeitalter. Damals wollten wir die Ärzte als Vertriebspartner gewinnen. Das Internet hat das dann überflüssig gemacht. Aber wir brauchen die Ärzte weiterhin, um ordentliche Rechnungen zu bekommen. Inzwischen haben wir Verträge mit rund 1000 Praxen, die direkt mit uns abrechnen. Das ist also wie in der gesetzlichen Krankenversicherung: Um die Arztrechnung müssen Sie sich nicht kümmern. 

Sie werben im Internet mit dem Spruch: „Sichern Sie Ihr Tier ab wie sich selbst“. Das meinen Sie doch nicht im Ernst?
Na klar! Die Tiermedizin kann heute alles, was die Humanmedizin auch kann. Das reicht bis hin zur Behandlung von Krebs oder die Anwendung von Homöopathie. Die Hundebesitzer wollen sich nicht mehr damit abfinden, ihr Tier einfach einschläfern zu lassen. Wenn bei einem Schäferhund die Hüfte kaputt ist, dann wird ein künstliches Gelenk eingesetzt. Das ist heute ganz normal, kostet aber 2000 Euro. Eine Versicherung entlastet die Tierbesitzer, weil sie die Entscheidung zumindest nicht mehr durch die finanzielle Brille bewerten müssen. 
 
Damit müssten Sie doch aber vor denselben Problemen stehen wie die Krankenversicherung für Menschen: Steigende Beiträge wegen des medizinischen Fortschritts und der steigenden Lebenserwartung. 
Wir konnten unsere Beiträge in den vergangenen Jahren stabil halten. Wir haben allerdings eine Altersstaffel eingeführt: Für ältere Tiere sind die Beiträge höher.

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