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Internetverkauf von Markenprodukten Kontrollierter Handel

Markenhersteller wie Adidas und Asics untersagen Online-Marktplätzen wie Amazon oder Ebay den Verkauf ihrer Produkte. Dabei geht es aber primär nicht um die Präsentation von Sportbekleidung, sondern um Preiskontrolle.

18.07.2013 16:41
Thomas Magenheim
Adidas ist begehrt – zu Ramschpreisen im Netz noch mehr als im Fachhandel. Das Kartellamt ermittelt. Foto: rtr

Das Internet untergräbt so manches Geschäftsmodell. Widerstand scheint oft zwecklos. Mit einer wachsenden Zahl von Sportartiklern begehren nun Teile einer ganzen Branche auf, mit Methoden, die am Kartellrecht kratzen. Begonnen hat es mit dem deutschen Branchenriesen Adidas und seinem US-Konkurrenten Asics. Adidas unterwirft den Online-Handel seit Anfang des Jahres neuen Bedingungen und untersagt Händlern auf offenen Marktplätzen wie Amazon oder Ebay den Verkauf von Adidas-Produkten. Outdoorfirmen wie Lowa, Deuter und Mammut haben nun nachgezogen und versuchen ebenfalls, den Verkauf ihrer Produkte auf solchen offenen Plattformen zu reglementieren. „Es ist ein großes Thema in der gesamten Markenwelt“, sagt ein Experte des Bundeskartellamts, das in der Sache ermittelt.

Noch exemplarische Fälle

In den letzten Monaten seien dem Amt viele derartige Versuche zu Ohren gekommen, den Onlinehandel in den Griff zu bekommen, auch von Markenherstellern außerhalb der Sportartikelbranche, allerdings gehäuft von dort und im Zusammenspiel mit dem stationären Fachhandel. Namen weiterer Firmen nennen die Kartellhüter nicht. Sie wollen auch keine neuen Verfahren eröffnen, weil Adidas und Asics exemplarische Fälle seien und dortige Entscheidungen einen Signalcharakter für alle anderen Markenfirmen habe. Wann die fällt und ob die Methoden von Adidas & Co den Charakter einer illegalen Wettbewerbseinschränkung haben, sei noch offen. Auch in Ländern wie Frankreich und Großbritannien seien Kartellkollegen noch am Prüfen.
Sollte die Kontrolle über die Preise der Grund für das Ringen um den Internet-Handel sein, müssten Markenartikler wie Adidas wohl mit einem Einspruch der Kartellhüter rechnen. Aber darum geht es den Franken nach eigenem Bekunden nicht sondern ausschließlich um eine markengerechte Präsentation der Ware. Es müsse auch online die Möglichkeit zur Beratung geben, sagt ein Adidas-Sprecher. Man habe die Richtlinien für den stationären Handel lediglich auf das Internet übertragen und sei sicher, rechtlich damit nicht angreifbar zu sein. „Mit dem Preis hat das nichts zu tun“, versichert ein Konzernsprecher.

„Primär geht es um Preiskontrolle"

Im Sportfachhandel erhält man dagegen andere Antworten. Der Vorstoß von Adidas & Co ziele nur in zweiter Linie auf die Präsentation von Sportschuhen oder Sportbekleidung, räumt ein großer Sportartikelhändler ein. „Primär geht es um Preiskontrolle und das Verramschen von Markenware“, stellt er klar. Wenn Markenschuhe offiziell 99 Euro kosten, sie bei Ebay aber für 39 Euro zu haben sind, sei das für Hersteller und Fachhändler bei der zunehmenden Bedeutung des Online-Handels einfach nicht mehr akzeptabel.
Besonders auffälligen Online-Plattformen müsse man einen Riegel vorschieben, sonst habe der Sportfachhandel keine Chance mehr, sagt der Branchenvertreter. Viele kleinere Sportartikler würden sich nach dem Vorpreschen von Adidas und Asics nun aus der Deckung wagen. Man sei notfalls bereit, in dieser Frage bis vor den europäischen Gerichtshof zu ziehen.
Geschlossen sind die Reihen der Branche allerdings nicht, wie das Beispiel Puma zeigt. „Bei Puma gibt es eine derartige Regelung zur Unterbindung des Verkaufs von Puma-Produkten über Drittplattformen nicht und eine solche ist auch nicht geplant“, erklärt der fränkische Adidas-Lokalrivale. Vielmehr biete man eigene Produkte zum Beispiel bei Amazon in einem eigenen Puma-Shop an, wodurch die Marke mit der springenden Wildkatze angemessen präsentiert werde. Auch diese Sichtweise dürfte das Bundeskartellamt interessieren.

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