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Internetkriminalität Ein iPhone für 89 Euro gibt es nicht

Täuschend echte Fake-Shops im Internet haben Konjunktur. Schnäppchenjäger lassen sich von den Angeboten leicht blenden. Die Strafverfolgung der Betrüger ist oft unmöglich.

Gucci-Tasche
Diese Gucci-Tasche ist echt und hat ihren Preis. Vorsicht, wenn Shops im Netz mit Schnäppchen locken! Foto: afp

Internet-Shopping ist vor allem bei Schnäppchenjägern beliebt. Wo sonst kann man so billig Markenware erstehen? Eine Gucci-Handtasche für 99 statt 299 Euro zum Beispiel oder ein brandneues Apple-iPhone für schlappe 89 statt einiger hundert Euro. Adidas-Schuhe zum halben Preis sind da fast schon teuer. Die Realität sieht dann ernüchternd aus. „Wenn Sie Glück haben, kommt ein minderwertiges und gefälschtes Produkt, meistens aber gar nichts“, sagt Marion Zinkeler. Sie ist Vorstand der Verbraucherzentrale Bayern und erklärt gerade die Geschäftspraktiken von Fake-Shops. Fake news war gestern. Heute werden im Internet ganze Verkaufsplattformen gefälscht, die allzu vertrauensselige Käufer um ihr Geld bringen, das oft unwiederbringlich verloren ist.

Die Internet-Scheinfirmen haben Konjunktur. Fast ein Fünftel ihrer Arbeit hat die Verbraucherzentrale Bayern 2016 auf sie verwendet, bilanziert Zinkeler. So wie es bislang aussieht, ist der Trend dieses Jahr ungebrochen und das Phänomen Fake-Shops nicht einzudämmen. Das Prinzip ist einfach. „Topmarken zu Sonderpreisen, professionelles Erscheinungsbild, täuschend echt“, erklärt die Verbraucherschützerin. Vor allem Designer-Bekleidung, trendige Hightech-Produkte oder Markenuhren seien bei dieser Version des Online-Betrugs als Warengruppen vorherrschend. Was wie ein Original-Onlineshop von Gucci, Apple oder einer anderen begehrten Marke aussieht, ist oft aber nur ein Scheinportal zum Abkassieren. Erkennbar wird das spätestens am Ende eines Bestellvorgangs beim Bezahlen.

Wurden anfangs noch alle Bezahlmöglichkeiten angeboten, bleiben am Ende dann aber „aus technischen Gründen“ nur Vorauskasse, Direktüberweisung oder Versand per Nachnahme übrig, erklärt Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht der Verbraucherzentrale Bayern. Allen drei Bezahlformen gemein ist, dass Geld hier in der Regel nicht mehr rückholbar ist anders als beispielsweise bei Lastschriften. „Da müssen Verbraucher hellhörig werden“, sagt Halm mit Blick auf die Bezahlformen. Sie werden es aber oft nicht.

Scheinfirmen im Internet gibt es in verschiedenen Varianten, erklären die Verbraucherschützerinnen. Die einen sitzen im Ausland, wo sie sich vor Strafverfolgung aus Deutschland nicht nur sicher wähnen, sondern es oft auch sind. Die anderen lassen ihre Geschäfte dreist über deutsche Konten laufen, sind aber nach wenigen Monaten wieder von der Bildfläche verschwunden. Um möglichst lang kassieren zu können, werden reklamierende Kunden oftmals sogar mit Lieferschwierigkeiten vertröstet, um sie von einer Anzeige abzuhalten und den Schein so lange wie möglich zu wahren.

„So viel Geld einsammeln wie möglich – und dann ist der Shop einfach weg“, sagt Zinkeler. Auch ihre Verbraucherzentrale kann davon ein Lied singen. Als sie einen Fake-Shop per Verbandsklage vor den Kadi ziehen wollte, war er unauffindbar verschwunden. Auch die Expertinnen können deshalb nicht seriös abschätzen, wie viele Fake-Shops sich aktuell im Netz tummeln. Zu rasch ist das Kommen und Gehen.

Verbraucherzentralen versuchen, bundesweit mit Informationskampagnen gegen das Unwesen anzukämpfen. Aber die Verlockung eines Schnäppchens ist offenbar zu übermächtig. Warnsignale gäbe es indessen einige, nicht nur eingeschränkte Bezahlmöglichkeiten. Was Fake-Shops bei genauerem Hinsehen fehlt, ist ein Impressum, über das sie identifizierbar sind. Oft gibt es nur ein Postfach, eine kostenpflichtige Servicerufnummer oder das Impressum fehlt ganz, schon um Strafverfolgung zu erschweren. Ein echtes Impressum besteht aus Namen und ladungsfähiger Anschrift. Auch Ermittlungsbehörden finden bei Fake-Shops deshalb nur in Einzelfällen Täter, wissen Zinkeler und Halm aus leidiger Erfahrung.

Hellhörig machen sollte aber auch ein allzu niedriger Preis. Ein iPhone für 89 Euro gibt es nicht. Bei Scheinläden fehlt zudem oft eine die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme per Email oder Telefon. Gleiches gilt für das Kürzel „https://“ am Anfang einer Internet-Adresszeile, das im Zusammenhang mit einem Vorhängeschloss für eine gesicherte Verbindung steht. Die Adressendung „.de“ ist übrigens kein sicherer Hinweis auf einen deutschen Sitz des Händlers.

Wer sich unsicher ist, findet oft auf sozialen Medien oder anderen Foren Hinweise auf Fake-Shops und Kundenbeschwerden dazu. Auch Verbraucherzentralen geben Auskunft. Die Kundenbewertungen auf den Seiten der Fake-Shops dagegen loben oft übermäßig, perfiderweise vor allem auch die schnelle Lieferung, zu der es nie kommt.

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