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Internet-Hausse Geldsegen für wenige

US-Hightechfirmen scheffeln Rekordgewinne - davon profitiert nur ein kleiner Kreis von Anlegern.

Wall Street
Stürmischer Bulle an der New Yorker Wall Street: Das Tierchen steht für steigende Kurse. Foto: imago

US-Präsident Donald Trump lässt kaum eine Gelegenheit aus, sich den Aktienboom als sein Verdienst zuzuschreiben. „Ein großartiger Tag für die Aktienmärkte, es scheint, jemand mag meine Politik!“, twitterte er jüngst. Tatsächlich allerdings ist der Börsenaufschwung schon älter als Trumps Präsidentschaft, der Aktienindex S&P 500 erlebt derzeit die längste Aufwärtsphase seiner Geschichte. Davon profitiert allerdings nur eine Minderheit der US-Amerikaner: die Reichen. Ihnen gehören fast alle Aktien.

Genährt wird der laufende Aktienboom zum einen durch die Massen an Finanzkapital, das auf der Suche nach hohen Renditen an die Märkte strömt und dadurch die Kurse in die Höhe treibt. Zum anderen sieht sich die Spekulation gerechtfertigt durch die steigenden Gewinne der Unternehmen. Allein im ersten Quartal 2018 verdienten die Aktiengesellschaften aus dem S&P 500 rund ein Viertel mehr als im Vorjahr – ein großer Teil davon war ein Geschenk der US-Regierung: Durch die massiven Steuersenkungen flossen den Konzernen in nur drei Monaten 30 Milliarden Dollar zusätzlich zu. 

Zu deutlich steigenden Löhnen haben die Steuersenkungen bisher nicht geführt. Aktionäre dagegen sehen ihr Vermögen wachsen. Seit der Finanzkrise 2009 hat sich der Börsenindex S&P 500 vervierfacht, der Index der Hochtechnologie-Aktien, Nasdaq, versiebenfachte sich gar. 
Von dem Geldsegen haben allerdings nur wenige etwas. Zwar gelten die Amerikaner als Volk von Aktionären – immerhin rund die Hälfte aller US-Haushalte besitzt Aktien, entweder direkt oder indirekt über Investment- und Pensionsfonds. Das ist deutlich mehr als in Deutschland, wo nur etwa 17 Prozent aller Haushalte Aktien haben.

Allerdings ist der Aktienbesitz in den Vereinigten Staaten stark konzentriert. Nach Berechnungen des Ökonomen Edward N. Wolff von der New York University gehören dem reichsten Prozent aller US-Haushalte 53 Prozent aller Aktien und Investmentfonds-Anteile. Den folgenden reichsten neun Prozent gehören 40 Prozent. Das bedeutet: Das reichste Zehntel der Haushalte hält 93 Prozent des Aktienreichtums. 

Bezos, Gates, Zuckerberg

Die großen Gewinner des Aktienbooms finden sich also ganz oben auf der sozialen Stufenleiter. Und an deren Spitze sitzen die Gründer, Großaktionäre oder Ex-Großaktionäre der Hightech-Konzerne. So ist Jeff Bezos von Amazon – ein Intimfeind von Trump – heute um 65 Milliarden Dollar reicher als vor einem Jahr. Bezos, der noch 16 Prozent an Amazon hält, ist nicht nur der reichste Mann der Welt. Sein Vermögen von derzeit knapp 150 Milliarden Dollar ist auch das größte, das die Forbes-500-Liste der Superreichen jemals notiert hat. 

Hinter Bezos rangiert Microsoft-Gründer Bill Gates, dessen Netto-Vermögen so groß wie das von Bezos wäre, hätte Gates nicht große Teile seines Reichtums abgegeben, unter anderem an die „Bill & Melinda Gates“-Stiftung. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wiederum war vor einer Woche noch 87 Milliarden Dollar schwer. Doch aus Sicht der Börsianer enttäuschende Geschäftszahlen zum zweiten Quartal ließen die Facebook-Aktie abstürzen, was Zuckerberg 18 Milliarden Dollar Vermögen kostete. Er kann es verkraften.

Ein deregulierter Arbeitsmarkt, eher schwache staatliche Umverteilung und die starke Konzentration des Besitzes machen die USA zum Industrieland mit der höchsten Ungleichheit. In einer neuen Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stehen die Vereinigten Staaten bei allen Ungleichheitsindikatoren an der Spitze. So halten dort die reichsten zehn Prozent der Haushalte 79 Prozent des Gesamtvermögens – das reichste ein Prozent allein hat 42 Prozent. Die unteren 60 Prozent der Haushalte in den Staaten dagegen können lediglich zwei Prozent des Netto-Vermögens ihr eigen nennen. 

Im Vergleich dazu ist das Gefälle in Deutschland weniger steil, auch wenn die Verteilung auch hierzulande extrem ungleich ist: Bei uns gehören dem reichsten Prozent der Haushalte laut OECD knapp 24 Prozent des Netto-Vermögens, den reichsten zehn Prozent 60 Prozent und den ärmeren 60 Prozent – ebenfalls extrem niedrige – 6,5 Prozent.

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