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Insektizide Roulette für Bienen

Die Gifte der modernen Landwirtschaft setzen ihren fleißigsten Helfern, den Bienen, zu. Nun könnten sie verboten werden.

Biene
Friedliche Pollenschlürfer, giftige Pflanzen. Foto: rtr

Weniger Pollen bedeutet weniger Nachwuchs, bedeutet weniger Bestäuber auch für die Landwirtschaft, deren Pflanzen zu drei Vierteln auf Insekten als Bestäuber angewiesen sind. Wissenschaftler bringen auch den dramatischen Rückgang von Schmetterlingen, wie er seit den späten 90er Jahren in Kalifornien beobachtet wird, mit Neonikotinoiden in Verbindung. Die Formel lautet: Weniger Individuen, kleinere Körper, weniger erzeugte Generationen pro Jahr sowie eine geringere Robustheit, um Stressfaktoren zu widerstehen. 

Das passiert auch der Dunklen Erdhummel. Wird dieser Hummelart das Insektizid verabreicht, legt ein Viertel der Königinnen keine Eier. Eine Reduktion in dieser Größenordnung, so Wissenschaftler aus der kanadischen Provinz Ontario, „erhöht die Wahrscheinlichkeit des Aussterbens von Wildpopulationen“. Oder wie es Jeremy Kerr von Uni Ottawa ausdrückt: Die Mittel würden zum „Reproduktionsroulette für Bienen“.

Holländische Wissenschaftler fanden heraus: Liegt der Neonikotinoid-Gehalt im Bachwasser über einem bestimmten Niveau, nimmt die Zahl der insektenfressenden Vögel ab. Kein Wunder: Viele Insekten entwickeln sich im Wasser. Die Uni Sussex wiederum stellte fest, dass die Stoffe keineswegs nur über die Pflanze wirken. Die Pflanze nimmt aus der Saatbeize nur fünf Prozent des Mittels auf, die restlichen 95 Prozent gehen in den Boden. Da Neonikotinoide wasserlöslich sind, wandern sie durchs Erdreich und tauchen manchmal dort wieder auf, wo sie nicht hingehören: zum Beispiel im Blühstreifen einer Ackerkultur, der eigentlich der Biodiversität dienen soll. 

Damit nicht genug: Inzwischen weiß die Wissenschaft, dass Vögel nicht nur indirekt durch den Nahrungsausfall betroffen sind, sondern auch direkt: Kanadische Wissenschaftler haben im Herbst Erkenntnisse veröffentlicht, wonach die in Mexiko überwinternde Dachsammer, hat sie vergiftetes Korn gefressen, den Weg ins nördliche Brutrevier nicht mehr findet. Der Effekt hält zwar nur zwei Wochen an, kann sich aber, da die Ammer mit erheblicher Verspätung im Brutrevier ankommt, fatal auf die Reproduktion auswirken.

Für Grünen-Politiker Häusling ist die Sache deshalb klar: „Es ist wie bei DDT und Lindan: Erst verspricht die Industrie ein neues Wundermittel, und 20 Jahre später stellt sich ein horrender Schaden an der Natur heraus. Wir müssen weg von der Chemie in der Landwirtschaft, anders geht es nicht.“ 

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