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Industrie 4.0 Maschinen statt Menschen

Die vierte industrielle Revolution ist in vollem Gange: An vielen Stellen wird es künftig ohne Menschen gehen und viele Arbeitsplätze in der Industrie werden wegfallen. Doch es gibt noch Hürden. Eine große ist die Datensicherheit.

Informatikerin Nadine Kärcher lässt auf der Hannover Messe in Hannover mit einem Steuerelement an ihrem Arm das Känguru "Bionic Kangaroo" der Firma Festo springen. Foto: dpa

Was bringt uns die vierte industrielle Revolution? Eine Antwort ist nicht einfach. Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) wagt es dennoch. Die Wissenschaftler legten am Montag eine Studie vor, derzufolge hierzulande in den nächsten gut zehn Jahren ein Produktivitätsplus im Wert von 78 Milliarden Euro allein in sechs wichtigen Branchen erreicht werden kann – als da sind: Auto- und Maschinenbau, Chemie, Landwirtschaft, Elektro- und Informationstechnik.

Die Chiffre für diese Veränderungen heißt „Industrie 4.0“. Gemeint ist damit die umfassende Vernetzung und Digitalisierung der Produktion. Dies allein könne die Wertschöpfung in jeder der sechs Branchen jährlich um 1,7 Prozent erhöhen, heißt es in der Studie, die vom Hightech-Verband Bitkom in Auftrag gegeben und zum Auftakt der Hannover Messe vorgestellt wurde. Die weltgrößte Industrie-Schau steht denn auch unter dem Motto „Integrated Industry – Next Steps“.

Hinter den 1,7 Prozent verbirgt sich eine gewaltiger Umbauprozess, der unsere Art des Wirtschaftens grundlegend verändern kann. Ein Beispiel: Ein Autobauer startet eine Sonderaktion für sein neues Cabrio-Modell. Eine Kaskade von Prozessen wird in Gang gesetzt. Bei Zulieferern gehen Bestellungen für Faltdächer ein. Lastwagen werden gebucht, die die Faltdächer ins Werk bringen sollen. Dort werden Produktionspläne umgeschrieben und Roboter umprogrammiert, da sie ab sofort Überrollbügel für Cabrios schweißen müssen.

Das alles geschieht automatisch durch intelligente Computersysteme. Diese überwachen auch die Fertigung und gleichen sie mit den Bestellungen ab. Liegen die Zahlen unter dem Soll, gewährt „das System“ den Verkäufern größere Spielräume bei Rabatten. Das alles macht es möglich, in extrem kurzer Zeit viele Cabrios auf die Straße zu bringen.

Ein Problem ist die Datensicherheit

Es besteht unter IT-Experten und Volkswirten kein Zweifel, dass nach den drei vorangegangenen industriellen Revolutionen – von der Dampfmaschine über die Elektrifizierung und den Einsatz von Computern – nun die intelligente Fertigung kommt. Spielarten von Industrie 4.0 gibt es auch jenseits der Autobranche viele. Es fängt bei Sensoren an, die in Werkzeugmaschinen integriert werden: Lässt die Leistung einer Bohrmaschine nach, wird automatisch ein neuer Motor bestellt und der Servicemann, der den neuen Motor installiert, gleich dazu gebucht. Landmaschinenbauer lassen die Mähdrescher entsprechend der Wetterprognosen warten. Windräder lassen sich künftig via Smartphone steuern.

„Industrie 4.0 bedeutet, dass sich neue Geschäftsmodelle entwickeln, die ähnlich revolutionär wirken wie es bei Online-Buchläden für den Buchhandel war“, sagt Bitkom-Experte Wolfgang Dorst. Wer diese Geschäftsmodelle beherrsche, habe entscheidende Vorteile. Etwa wenn der stolze Besitzer eines neuen Cabrios eine Urlaubsreise mit dem Segelboot plant. Gut möglich, dass sich der Autobauer künftig bei ihm meldet und ein Software-Update für die Motorsteuerung anbietet, die 30 PS mehr bringt, was das Ziehen des Boots erleichtert.

Doch es gibt auch Hürden. Eine große ist die Datensicherheit. Die neuen Technologien werden viele neue Daten erzeugen. Deshalb müsse die Sicherheit von Industrie-4.0-Anforderungen unter allen Umständen gewährleistet sein, heißt es in der Studie. Es fragt sich nur, inwieweit das zu erreichen sein wird. Die NSA-Affäre hat gezeigt, dass Geheimdienste an fast alle Daten kommen können.

Industrie 4.0 bedeutet aber auch rohe Produktivitätssteigerung. Und damit geht immer die Streichung von Arbeitsplätzen einher. Hierzu macht die Fraunhofer-Studie kaum konkrete Aussagen. Die Autoren empfehlen aber, „die Einführung von weitreichenden neuen Technologien mit Vorsicht und Sensibilität durchzuführen“. Vor allem Abteilungen in Unternehmen, die mit dem Kontrollieren und dem Organisieren betraut sind, dürften betroffen sein.

„Industrie 4.0 bedeutet aber nicht, den Menschen abzuschaffen“, beteuert Dorst. Vielmehr würden künftig Facharbeiter und Ingenieuren mit höheren Qualifikationen gebraucht, diese müssten stärker systemisch denken.

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