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Indonesien NGO kündigt Verfahren gegen Adidas an

Adidas steht wegen der Missachtung von Arbeitnehmerrechten in Indonesien in der Kritik. Das Südwind-Institut startet nun ein Beschwerdeverfahren bei der OECD.

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Angestellte der PT. Panarub Industry, die im Auftrag von Addas Schuhe produziert, protestieren bei einer Kundgebung gegen ihre Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne. Foto: ADEK BERRY (AFP)

Ausgerechnet „Predator“. Der Name der Fußballschuh-Kollektion, die Adidas in Indonesien fertigen lässt, bedeutet soviel wie „Räuber“ oder „Feind“. Hunderten von Näherinnen und Nähern des Adidas-Zulieferers Panarub mag das wie ein schlechter Scherz vorkommen, fühlen sie sich doch selbst von ihrem Arbeitgeber regelrecht beraubt und feindlich behandelt. Es geht um vorenthaltenen Lohn und das Recht, eine Gewerkschaft zu gründen.

Das Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene wirft dem Sportartikelhersteller Adidas deshalb vor, seinen unternehmerischen Sorgfaltspflichten nicht nachgekommen zu sein und hat am Dienstag eine Beschwerde bei der OECD angekündigt.

Arbeiter wollen den Mindestlohn

Der Fall geht bis ins Jahr 2012 zurück. Im Juli traten damals rund 2000 Beschäftigte der Firma PT Panarub Dwikarya Benoa (PDB), Teil des zentralen Adidas-Zulieferers Panarub-Gruppe, in den Streik. Die Arbeiter forderten den seit Januar geltenden Mindestlohn sowie ihr Recht auf Vereinigungsfreiheit. Vorausgegangen war im Februar 2012 die Entlassung von mehreren Beschäftigten, die eine Betriebsgewerkschaft gründen wollten. Die Reaktion auf den Ausstand der 2000 war rigoros: Panarub feuerte im Juli 1300 Beschäftigte, die sich an dem Streik beteiligt hatten.

Bis heute kämpfen mehr als 300 Betroffene um eine Entschädigung. Mit wöchentlichen Demonstrationen fordern sie, was ihnen gesetzlich zusteht. Das indonesische Arbeitsrecht schreibt bei Entlassungen eine Abfindung vor, die sich nach der Dauer der Beschäftigung bemisst.

Der Fall hat auch schon die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) beschäftigt. Die kam nach einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Entlassung der Panarub-Beschäftigten nicht gerechtfertigt war und eine Verletzung des fundamentalen Rechtes der Beschäftigten auf Vereinigungsfreiheit darstellt. Schon 2016 appellierte die ILO daher an die indonesische Regierung, sich um eine Vermittlung zu bemühen. Mehrere Verhandlungen zwischen dem indonesischen Arbeitsministerium, dem Panarub-Management und Gewerkschaften führten allerdings zu keinem Ergebnis.

„Panarub ist einfach nicht bereit, eine angemessene Kompensation zu zahlen“, sagt Sabine Ferenschild von Südwind. Mit der OECD-Beschwerde will das Institut Adidas nun dazu bewegen, seinen Einfluss auf Panarub zu nutzen, damit die Beschäftigten die ihnen zustehenden Abfindungen erhalten. Adidas trage für die Verletzung von Arbeitsrechten bei der Panarub-Gruppe eine „klare Mitverantwortung“, stellt Ferenschild fest.

Kickschuhe der Modellreihe Predator wurden laut Südwind nachweislich in den ersten Monaten des Jahres 2012 in der Fabrik von PT Panarub Dwikarya produziert. Der traditionsreiche Sportartikler aus Herzogenaurach sei bis heute einer der größten Kunden von Panarub.

Damit sieht Südwind Adidas klar in der Pflicht und das Unternehmen sogar „beteiligt an der Verletzung von Arbeitsrechten“. Adidas habe es nämlich versäumt, Beschäftigten von PT Panarub Dwikarya in dem Konflikt „Zugang zu Abhilfe zu verschaffen“. An diesem Punkt will Südwind mit seiner OECD-Beschwerde ansetzen. Denn die Industrieländer-Organisation formuliert in ihren Leitsätzen für multinationale Unternehmen Empfehlungen für weltweit verantwortliches Handeln von Konzernen. Der Verhaltenskodex bezieht sich auf internationale Vereinbarungen wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die ILO-Kernarbeitsnormen. Er betont das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung sowie das Vorsorgeprinzip.

Sanktionsmöglichkeiten umfassen die OECD-Leitsätze allerdings nicht. „Es gibt bisher kein rechtliches Instrument, mit dem multinationale Unternehmen bei Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zur Verantwortung gezogen werden können“, bedauert Ferenschild.

Dennoch will Südwind das Mittel der Beschwerde nutzen. „Das Verfahren der OECD, das wir nun gemeinsam mit indonesischen und europäischen Partnern anstrengen, kann zumindest dazu genutzt werden, dass Adidas zu den Vorwürfen offiziell Stellung nehmen muss.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Indonesien

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