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Immobilien-Unternehmen Vonovia verspricht Besserung

Mieter klagen über sprunghafte Mietsteigerungen bei dem Immobilienriesen. Ökonom Professor Bontrup sieht in Gutachten „Politikversagen“.

Vonovia
Wohnungen des Immobilienriesen Vonovia in Essen. Foto: rtr

In Mainz-Kastel mussten Mieter zwei Winterwochen lang in ihren Wohnungen frieren, weil die Heizung nicht ging. Im Frankfurter Gallus und in Gießen gab es Ärger, weil Wohnungen nach Modernisierungen deutlich teurer wurden. Der Mieterverein Gießen berichtete in einem ähnlichen Fall von Erhöhungen von bis zu 80 Prozent. Vermieter jeweils: der Immobilienriese Vonovia, der bundesweit rund 350.000 Wohnungen sein Eigen nennt, davon mehr als 11.000 in Frankfurt.

Vonovia besitzt keinen guten Ruf

Die Vonovia besitzt keinen guten Ruf. Sie will sich nach eigenen Angaben bessern. „Wir haben jetzt umgesteuert“, sagt Konzernsprecherin Nina Henckel der Frankfurter Rundschau. „Wir wollen mehr mit den Mietern sprechen.“ Gerade vor Modernisierungsarbeiten wolle man Betroffene einbeziehen. Das Unternehmen verteidigt den Umstand, dass es viel häufiger modernisiert als andere Wohnungseigentümer. Gerade energetische Sanierung sei doch gewünscht, erläutert Sprecherin Henckel. „Wir setzen das um, was politisch gewollt ist.“

Die Reaktion zeigt, wie der Druck auf Vonovia wächst. Dazu trägt auch eine Studie über Vonovia bei, die der Wirtschaftswissenschaftler Heinz-Josef Bontrup im Auftrag der Linken-Fraktionen aus dem Bundestag und den Landtagen von Hessen und Berlin erarbeitet und in dieser Woche veröffentlicht hat. Er kommt zu dem Ergebnis, bei Vonovia sei Wohnungsvermietung nur Nebensache. Es handele sich um einen „Finanzinvestor mit angeschlossener Immobilienwirtschaft“.

Das gelte ebenso für das zweitgrößte deutsche Wohnungsunternehmen, die Deutsche Wohnen. Die Immobilienwirtschaft sei „zu einem spekulativen Anlageobjekt von vermögenden Anlegern geworden“, stellt der Professor fest. Ziel sei es, die Aktionäre zu befriedigen. Die größten Anteile an der Vonovia hält der US-Finanzinvestor Blackrock. Solche Strategien sind nach Bontrups Auffassung Ergebnis eines „Politikversagens“ – und sie bereiteten den Mietern Stress. „Letztlich laufen sie auf Mietpreiserhöhungen hinaus, die von vielen Mietern nicht verkraftbar sind.“

Unternehmenschef Rolf Buch war schon vor Veröffentlichung des Gutachtens in die Offensive gegangen. Dem Magazin Der Spiegel sagte Buch: „Mit denen, die sich nach einer Modernisierung die Miete nicht mehr leisten können, wollen wir schon vor Baubeginn eine Lösung finden.“

Die durchschnittliche Kaltmiete in den Vonovia-Häusern lag ausweislich der Geschäftsberichte, die Bontrup ausgewertet hat, im Jahr 2017 bei 6,27 Euro. In den vergangenen fünf Jahren sei sie von 5,75 Euro angestiegen – eine Erhöhung um deutlich mehr als vier Prozent pro Jahr. Vonovia wendet gegen die Rechnung ein, dass die Erhöhung der Warmmieten niedriger ausfalle, weil Heizkosten durch energetische Sanierung sänken. Zudem beziehe die Durchschnittsmiete neu von Vonovia erworbene und erbaute Immobilien ein, so dass die rechnerische Steigerung nicht vollständig die Bestandsmieter treffe.

Für die Auftraggeber von den Linken steht allerdings fest, dass Vonovia „mitverantwortlich für den aktuellen Mietenwahnsinn“ sei. „Der rücksichtslose Finanzkonzern muss in die Schranken gewiesen werden“, forderte Caren Lay, stellvertretende Vorsitzende der Linken im Bundestag.

Wirtschaftswissenschaftler Bontrup kritisiert, dass der soziale Wohnungsbau stark zurückgefahren worden sei. Die „hilflosen Versuche einer Mietpreisbremse“ bewirkten im schlimmsten Fall das Gegenteil des Gewünschten, weil sie „selbst bei den Privaten noch den Anreiz zum Bau neuer Wohnungen“ gefährdeten.

Die hessische Linken-Fraktionschefin Janine Wissler zog den Schluss, dass Vonovia seine „Gewinne auf Kosten der Mieterinnen und Mieter“ erwirtschafte, aber auch „auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Hier zeichnet die Bontrup-Studie ein positiveres Bild. Der Professor beschreibt eine „gute Ausbildung“ im Unternehmen und Löhne, die mit durchschnittlich 47 452 Euro weit über dem Branchenschnitt von 25 887 Euro lägen. Eine Mitbestimmung im Aufsichtsrat gebe es allerdings nicht, beklagt Bontrup.

Üppig fiel die Entlohnung des Vorstands aus. Dessen Mitglieder erhielten laut Bontrup für 2013 bis 2017 insgesamt 58,8 Millionen Euro, davon 22,9 Millionen Euro für Unternehmenschef Rolf Buch. Die Bezüge des Vorstands mache der Aufsichtsrat auch von der „Kundenzufriedenheit“ abhängig, sagt Unternehmenssprecherin Henckel. Jährlich würden die Mieter befragt. Sprecherin Henckel berichtet lediglich, die Kundenzufriedenheit sei bei der Befragung 2017 gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent gestiegen. Auf welchem Stand sie aber liegt, werde nicht veröffentlicht.

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