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Ikea-Studie DDR-Gefangene Ikeas seltsame Aufarbeitung

Der schwedische Möbelkonzern Ikea stellt eine Studie vor, in der es darum geht, ob politische Gefangene in der DDR für den Weltkonzern arbeiten mussten. Schon jetzt ist sie umstritten: Die Studie kommt von Unternehmensberatern, nicht Wissenschaftlern.

Der Möbelkonzern IKEA stellt eine Studie vor, in der es darum geht, ob politische Gefangene in der DDR für den Weltkonzern arbeiten mussten. Foto: dpa

Im Bildungszentrum der Stasi-Unterlagen-Behörde unweit des Checkpoint Charlie gibt es an diesem Freitag eine interessante Veranstaltung. Der schwedische Möbelkonzern Ikea stellt eine Studie vor, in der es darum geht, ob politische Gefangene in der DDR für den Weltkonzern arbeiten mussten. Ein schwedischer Fernsehsender hatte das Thema im Frühjahr wieder in die Öffentlichkeit gebracht, zum ersten Mal seit 1989.

Einer der Hauptbeteiligten daran, dass es diese Studie gibt, ist Rainer Wagner, der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Der 61-Jährige, der sich als Anwalt der Opfer versteht, wird die Veranstaltung gemeinsam mit dem Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde moderieren.

Ikea beauftragt Unternehmensberatung

Das Vorhaben ist nicht unumstritten. Denn Ikea hat nicht etwa einschlägig bekannte Experten, sondern die Unternehmensberatung Ernst & Young mit der Studie beauftragt. Fachleute wie der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, nennen dieses Vorgehen absurd. Ja, seine Einrichtung sei für die Untersuchung nicht einmal konsultiert worden, klagt der Politikwissenschaftler.

Rainer Wagner kennt deren Inhalt bereits, muss ihn jedoch bis zur Veröffentlichung für sich behalten. Dieser Sonderstatus kommt dem Religionspädagogen nicht von ungefähr zu. Immerhin war es die UOKG, deren Vorsitzender er seit 2007 ist, die immer wieder die Erstellung einer derartigen Studie angemahnt hatte. 25.000 Mitglieder stehen hinter dem Verband.

Wichtiger Erfolg für Opfer-Vertreter

Im Vorfeld der Veröffentlichung zeigt Wagner Milde, lobt die kleinen Schritte, anstatt das Fehlen der großen zu geißeln. „Hier hat wenigstens mal einer einen Anfang gemacht“, sagt er und hofft, „dass die heutige Veranstaltung in die Zukunft führt – hin zur einer grundsätzlichen Aufarbeitung“ unter Beteiligung aller betroffenen Unternehmen.

Das Interesse an einer Aufklärung liegt in Wagners Biografie begründet. Bereits als 15-Jähriger unternahm der in Weißenfels, im heutigen Sachsen-Anhalt, geborene Mann einen ersten Fluchtversuch aus der DDR. Er misslang, der Jugendliche musste für ein Jahr und zwei Monate ins Gefängnis. Wagner beschreibt sich selbst als konservativen Protestanten. Und als solcher war er der Ansicht, die DDR sei nicht von Gott gewollt. Aus eben diesen religiösen Gründen mochte der Dissident, der am Theologischen Seminar in Falkenberg studierte, auch nicht in der Nationalen Volksarmee dienen. Dem ersten Fluchtversuch folgte ein zweiter, der ebenfalls in einer Haftanstalt endete. 1983 durfte Wagner schließlich legal ausreisen. Zunächst ließ er sich in der Pfalz nieder, kandidierte aber gleich nach der Wende 1990 für den Magdeburger Landtag auf der Liste der CDU, wenn auch erfolglos.

Die Ikea-Studie ist ein wichtiger Erfolg für den Opfer-Vertreter. Doch mit dem Papier ist es nicht getan. „Am Ende müsste eine Entschädigung stehen“, fordert er. Ob Ikea das genau so sieht, wird sich zeigen.

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