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IG Metall Metall- und Elektroindustrie vor Flächenstreik

Schwierige Tarifverhandlungen: In der ersten Runde haben die Arbeitgeber eine Kernforderung der IG Metall strikt abgelehnt. Für das Frühjahr bahnt sich in der Branche deshalb der erste Flächenstreik seit 15 Jahren an.

IG Metall Tarifverhandlungen
Teilnehmer einer Kundgebung der Gewerkschaft IG Metall Mitte November in Berlin. Foto: imago

In der Metall- und Elektroindustrie bahnt sich im kommenden Frühjahr der erste Flächenstreik seit 15 Jahren an. In der ersten Verhandlungsrunde in allen elf Tarifgebieten haben die Arbeitgeber eine Kernforderung der IG Metall strikt abgelehnt. Dabei geht es nicht um die sechs Prozent mehr Lohn, die die IG Metall für eine Laufzeit von zwölf Monaten fordert, sondern um den Rechtsanspruch auf eine 28-Stunden-Woche mit Teillohnausgleich für Schichtarbeiter sowie für Beschäftigte mit Kindern unter 14 Jahren oder mit pflegebedürftigen Angehörigen.

„Das ist für uns nicht verhandelbar“, betont Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung Gesamtmetall. Notfalls sind die Arbeitgeber offenbar bereit, ein Scheitern der Tarifverhandlungen für die 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche in Kauf nehmen, ebenso wie die dann denkbare Urabstimmung mit anschließenden Streiks.

Nach Ansicht des Verbands würde die geforderte Arbeitszeitverkürzung mit Teillohnausgleich einen Ausfall von bis zu 200.000 Vollzeitstellen verursachen. Die Einkommensverluste fielen durch Teillohnausgleich nach Berechnungen von Gesamtmetall derart gering aus, dass die Arbeitszeitverkürzung von einem Großteil der 2,7 Millionen Anspruchsberechtigten gewählt werden würde. Danach erhielten Schichtarbeiter, die ihre Einsatzzeiten um zehn Schichten pro Jahr reduzieren, von den Unternehmen 750 Euro jährlich.

Tarifparteien werden nicht zusammen finden

Für einen Beschäftigten mit dem branchendurchschnittlichen Monatseinkommen von 4352 Euro brutto bedeutet dies laut Gesamtmetall lediglich ein Minus von 48 Euro netto im Monat. Durchschnittsverdiener, die wegen Kinderbetreuung oder Pflege ihre Arbeitszeit um 3,5 Stunden pro Woche reduzieren, würden durch den geforderten Lohnausgleich in Höhe von 200 Euro lediglich 100 Euro pro Monat netto weniger verdienen.

Erst wenn das Maximum – die Reduzierung auf 28 Wochenstunden – in Anspruch genommen würde, läge das Einkommensminus bei 300 Euro netto und überschritte wohl die Schmerzgrenze vieler Arbeitnehmerhaushalte. Allerdings stelle bereits eine Verkürzung um 3,5 Stunden die Unternehmen vor unlösbare Personalprobleme: Laut Gesamtmetall gingen 233 Millionen Arbeitsstunden verloren, hinzu käme ein Minus von fast 86 Millionen Stunden im Schichtbereich.

Laut Gesamtmetall ist die Personalsituation in vielen Betrieben ohnehin bereits angespannt. In einer aktuellen Umfrage des Verbandes gaben 22 Prozent der Unternehmen an, ihre Produktion wegen fehlender Arbeitskräfte einzuschränken.

Auch die IG Metall bedient sich des Arguments, allerdings mit entgegengesetzter Stoßrichtung: Gerade zur Fachkräftesicherung brauche es moderne und attraktive Angebote zur Gestaltung der Arbeitszeit. „Die Flexibilisierung der Arbeitszeit in den Betrieben darf nicht weiter einseitig zulasten der Beschäftigten gehen, sie muss ihnen auch nutzen“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Vor diesem Hintergrund erscheint es ausgeschlossen, dass die Tarifparteien in den kommenden Verhandlungsrunden vor Weihnachten zueinanderfinden.

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