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IFA Berlin Schöne neue Bilderwelt

Das lineare Fernsehen verliert weiter an Bedeutung. Bewegtbilder werden im Netz immer wichtiger, Virtual-Reality-Anwendungen könnten den Markt schon bald stark verändern.

Sportlerin mit Helmkamera: Die liefert Livebilder auf die Datenbrille des Zuschauers. Foto: dpa

Wir wissen noch nicht, wo die Olympischen Spiele 2028 stattfinden werden. Aber Marktforscher wissen, dass wir die Wettkämpfe dann ganz anders präsentiert bekommen. Schon bei den Spielen in Rio konnten Nutzer neben den Live-Übertragungen im Hauptprogramm von ARD und ZDF jede Menge Sport über die Internetplattformen der Öffentlich-Rechtlichen verfolgen.

Das weist den Weg: „Die Zukunft des Bewegtbildes ist online“, heißt es in einer am Mittwoch vorgelegten Studie des Hightech-Verbandes Bitkom und des Beratungsunternehmens Deloitte im Vorfeld der Funkausstellung in Berlin. Die Zahl der Nutzer, die Filme, TV-Sendungen und anderes als sogenannte Streams im Internet schauen, steigt kontinuierlich. Derzeit sind es 77 Prozent, das entspricht 44 Millionen Bundesbürgern. Der Anteil dürfte sich den hundert Prozent immer weiter nähern. Insbesondere die jüngeren Jahrgänge würden die einmal gelernten Vorzüge des Videostreaming nicht mehr missen wollen, heißt es in dem Papier. Die Lineare TV-Nutzung werde damit an Bedeutung verlieren.

"Was ich will, wo ich will, wie ich will"

Das Motto lautet: „Ich sehe, was ich will, wo ich will und wie ich will.“ Möglich machen es schnelle Internetverbindungen und eine riesige Zahl von Endgeräten – vom Smartphone über den Wohnzimmer-Fernseher bis zur Riesen-Videowand. Bei beidem wird sich in den nächsten Jahren einiges tun. Und für nachwachsende Generationen wird der Konsum bewegter Bilder via Internet immer selbstverständlicher. Hinzu kommt, dass es mit jeder neuen Generation von TV-Geräten einfacher wird, mit ihnen direkt ins Internet zu gehen.

Generell sei die Nutzung der Online-Bilder aus dem Netz stark fragmentiert, sagt Klaus Böhm vom Beratungsunternehmen Deloitte. Derzeit stehen bei den Konsumenten die Webseiten und die Mediatheken der TV-Sender hoch im Kurs, um sich Sendungen anzuschauen, die sie verpasst haben. Viele verfolgen zudem mit dem Desktop, dem Notebook oder dem Smartphone das lineare Programm live im Internet. Das Abrufen von Filmen auf Plattformen wie Youtube oder Vimeo macht jeder Zweite. Schon jeder Vierte nutzt Abrufplattformen wie Amazon Video, Maxdome oder Netflix, ist der Bitkom-Studie Consumer Technology 2016 zu entnehmen.

Viele Werte hätten sich „innerhalb eines Jahres erkennbar zugunsten einer größeren Nutzungshäufigkeit verschoben. Wobei die Abodienste à la Netflix nach den Prognosen der Marktforscher von IHS-Markit hierzulande in diesem Jahr ein heftiges Umsatzwachstum um zwei Drittel auf 215 Millionen Euro erwarten. In zwei Jahren sollen es sogar schon mehr als 350 Millionen sein.

Diese Angebote werden durch eine Besonderheit angetrieben, die wie ein Turbo wirkt: Die Anbieter analysieren akribisch das Verhalten ihrer Kunden bei der Suche nach Filmen – was Datenschützer heftig kritisieren. Daraus generieren sie Empfehlungen für jeden einzelnen Nutzer. Es werden also automatisierte individuelle TV-Programme zusammengestellt. Der in der Branche viel diskutiert Unterschied zwischen Lean-Back-Media (lineares Fernsehen) und Lean-Forward-Media (Videos auf Abruf) wird damit zunehmend verschwinden.

Mitten im Geschehen

Doch am Horizont deutet sich schon ein ganz anderes Nutzungsverhalten an, das nicht mehr an Bildschirme gebunden ist. Virtual-Reality-Anwendungen können so etwas wie die Fortführung des Fernsehens mit anderen Mitteln sein. Für Deloitte-Experte Böhm ist klar, dass viele TV-Formate in neue VR-Formen gegossen werden. Bei kurzen Filmen in Nachrichtensendungen können sich die „Zuschauer“ mit einer Datenbrille auf dem Kopf in Krisengebieten umschauen. Der Nutzer sich bei der Rezeption von Star-Wars-Filmen mitten im Geschehen befinden – wahrscheinlich wird er zwischen verschiedenen Perspektiven die Wahl haben. Wer die Rolling Stones mag, kann bei einem Konzert virtuell mit Mick Jagger auf der Bühne stehen. Und bei den Olympischen Spielen fährt der Nutzer zu Hause womöglich im Kanuslalom mit. Der reale Sportler selbst liefert dazu die gestochen scharfen Bilder, die von einer 360-Grad-Kamera auf seinem Helm live übertragen zur Datenbrille übertragen werden.

Für Böhm ist der Clou an der Geschichte, dass sich mit den Datenbrillen nicht nur eine neue Geräte-Kategorie etablieren wird, sondern dass auch neue Genres entstehen werden. „Hier wird etwas neues Kreatives entstehen. Die Grenzen zur Welt der Computerspiele werden verschwimmen.“

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