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IFA Angst vor Alexa

Die Hersteller wollen auf der IFA endlich den Durchbruch der Sprachsteuerung als Alltagstechnologie feiern - doch viele potenzielle Käufer ziehen nicht mit.

Mitdenkende Waschmaschinen
Auch mitdenkende Waschmaschinen, die das Waschpulver selbstständig dosieren, werden auf der IFA präsentiert. Foto: afp

Bahnbrechende Weltneuheiten sind vor der IFA 2018 nicht durchgesickert und auch nicht zu erwarten. Stattdessen verrät die Elektronikmesse, die ab 31. August in Berlin stattfindet, aber deutlich, welcher Trend sich in den Entwicklungsschmieden durchgesetzt hat – und dank technischer Verbesserungen, sinkender Preise und nicht zuletzt der Beharrlichkeit der Hersteller das Leben der Konsumenten in der Masse in nächster Zeit grundlegend verändern könnte: Sprachassistenten, vor allem in Audio-Geräten, mit der Veranlagung zur totalen Vernetzung.

Es ist eine Sparte mit Zukunftspotenzial, inmitten eines Markts, der seit Jahren stagniert. 2018 sollen die Umsätze, die mit Unterhaltungselektronik insgesamt erzielt werden, laut Branchenverband Bitkom sogar leicht sinken. Wachstum hingegen bei den Assistenten: Während 2016 noch rund sieben Millionen Geräte mit Sprachassistenz verkauft wurden, geben Unternehmen wie Amazon für 2017 die Zahl der verkauften Geräte mit „mehreren zehn Millionen“ Stück an.

„Ich bin mir sicher, dass die Sprachsteuerung in diesem Jahr ihren Durchbruch in der Unterhaltungselektronik erleben wird“, prognostiziert Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gesellschaft zu Förderung der Unterhaltungselektronik (gfu), mit Blick auf die IFA.

Amazon und Google haben es mit der Echo-Box und Google Home bereits vorgemacht, jetzt zieht der Rest nach – und profitiert dabei von den bereits etablierten künstlichen Intelligenzen (KI). Das schwäbische Unternehmen Hama zum Beispiel lässt seinen „Sirium“-Lautsprecher von Alexa lenken – Amazons digitalem Sprachassistenten, der auch im Echo-Lautsprecher steckt. So kann nicht nur die Lautstärke mit wenigen Worten geändert oder Musik beim weltweit größten Onlinehändler geordert werden. Der Nutzer kann alle smarten Hama- oder Alexa-kompatiblen Geräte im Haus an das System anschließen und per Stimme kontrollieren.

Nutzer haben Angst um die Daten

Große Hersteller wie Bosch und Siemens haben sich auf Amazons Vorreiter bereits eingestellt, zu kaufen gibt es inzwischen alles, von Alexa-kompatiblen Lampen, Heizsystemen, Backöfen und Waschmaschinen über Überwachungskameras und Alarmanlagen bis hin zu Gardinensteuerungen und per Stimmbefehl beheizbaren Toilettensitzen. Dieselbe Strategie zur Erlangung des Smarten Homes nutzt LG mit seiner „Think Q“-Reihe und dem neuen smarten XBoom-Lautsprecher – nur greifen die Südkoreaner mit dem Google Assistenten bei der Sprachsteuerung auf den größten Rivalen von Amazons Alexa zurück.

Nach wie vor aber kämpfen die smarten Assistenten mit einem Riesen-PR-Problem, das den Durchbruch als Alltagstechnologie bisher verhindert: Viele Nutzer fürchten um ihre Daten.

Wie jede KI werden Alexa und Co. je hilfreicher, desto besser sie ihre Besitzer kennen und desto intensiver sie sie im Alltag begleiten dürfen. Die Lautsprecher, auf denen sie operieren, sind mit mehreren Mikrofonen versehen, die jederzeit mithören, nach einem Aktivierungswort Sprachbefehle entgegennehmen, aufzeichnen und die Audioaufnahmen in einer Cloud speichern. Die Aufnahmen können später meist händisch gelöscht werden, dann, warnen die Hersteller, könne sich aber beispielsweise die Spracherkennung verschlechtern.

Datenschützer kritisieren das Datensammeln. Im Fall von Alexa wurden bereits mehrere Hacks bekannt, durch die Hard- wie Software gekapert und die Besitzer abgehört werden konnten. Und auch bei Ermittlern weckt der neue intime Datenschatz Begehrlichkeiten: In einer Mordermittlung in den USA forderte das Gericht 2016 von Amazon die Herausgabe der Sprachbefehle des Tatverdächtigen. Der Konzern lehnte ab, gab die Dateien schließlich aber frei, als der Verdächtige selbst zustimmte.

In einer repräsentativen Statista-Umfrage von Mai gaben drei Viertel der Befragten an, dass sie sich „eher unsicher“ oder „sehr unsicher“ fühlen, wenn sie einem Sprachassistenten Informationen anvertrauen. Entgegen seines Gefühls scheint der deutsche Konsument aber auch willig, sich der Entwicklung zu beugen: 70 Prozent gaben an, dass der Umgang mit der KI „noch ungewohnt“ sei, waren aber auch der Überzeugung, dass er „in Zukunft alltäglich“ werden könne.

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