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IDEEalisten Die Aufräumerin

Hotelzimmer sind immer sauber. Das machen die Zimmermädchen, die keiner sieht. Myriam Barros hat das geändert. Mit „Las Kellys“ kämpft sie für ihre Rechte. Mit Erfolg.

Myriam Barros
„Ich habe jetzt zwei Uniformen“, sagt Myriam Barros, „die meiner Arbeit und das Kelly-Shirt.“ Foto: Martin Dahms

„Ich habe jetzt zwei Uniformen“, sagt Barros, „die meiner Arbeit und das Kelly-Shirt. Und hin und wieder bin ich angezogen wie ich selbst.“ Sie ist Mutter zweier Töchter, sie ist Arbeiterin, sie ist Aktivistin. Die Tage haben zu wenige Stunden. Aber der Kampf muss sein. „Wir Zimmermädchen sind vollkommen unsichtbar. Wir sind es immer gewesen. Eines unserer Ziele war es, aus dieser Unsichtbarkeit herauszukommen. Das ist der erste Kampf, den wir gewonnen haben. Unsere Anliegen stehen jetzt ganz oben auf der politischen Agenda.“

Barros übertreibt nicht. Acht Wochen nach der Einladung an die Kellys durch Mariano Rajoy kam in Spanien der Sozialist Pedro Sánchez an die Regierung und legte im Juli einen Aktionsplan gegen Ausbeutung am Arbeitsplatz vor. An vorderer Stelle erwähnt der Plan die Kellys, „die besonders unter niedrigem Einkommen, hohem Arbeitsrhythmus und Überanstrengung“ litten. Barros hatte nichts anderes erwartet: „Jetzt, wo die Sozialisten an der Regierung sind, müssen sie das umsetzen, was sie immer von Rajoy eingefordert haben.“

Als Erstes stünde an, sich der Plage der Subunternehmen anzunehmen. Die zahlen den ohnehin schlecht entlohnten Zimmermädchen noch weniger als die Hotels: 700 Euro im Monat statt 1200 Euro, sagt Barros. „Ein Hotel verkauft saubere Zimmer. Ohne uns gibt es kein Produkt zu verkaufen.“ Doch weil die Zimmermädchen rund 40 Prozent der Belegschaft ausmachen, finden es viele Hotels attraktiv, gerade diese Dienstleistung an Fremdfirmen zu vergeben. Wie weitverbreitet diese Sitte ist, weiß Barros nicht. „Aber wir sind einmal in der Gran Vía in Madrid von Hotel zu Hotel gegangen. Nur in einem von zehn war die Reinigung nicht externalisiert.“ Noch ist die Auslagerung erlaubt. Aber manche beginnt das schlechte Gewissen zu plagen. Die spanische Hotelkette AC hat alle Zimmermädchen wieder selbst unter Vertrag genommen. Ein Erfolg der Kellys.

Ob direkt beim Hotel angestellt oder bei einem Subunternehmen, die Arbeit ist hart. Als Barros vor vier Jahren in einem Hotel in Playa Blanca als Zimmermädchen zu arbeiten begann (mit ordentlicher Festanstellung), warnten sie die Kolleginnen vor dem, was da auf sie zukomme. „So schlimm wird’s schon nicht sein“, dachte sie. Saugen, Bad putzen, Betten machen, das kennt jeder von zu Hause. „Aber wenn du 26 Zimmer am Tag machst, dann rennst du. Ich weiß, wie ich mich bücken muss, ohne mir zu schaden. Aber ich habe keine Zeit, darauf zu achten. Ich habe mal mit einer App meine Schritte gezählt: In sechseinhalb Stunden laufe ich zwölf Kilometer.“ Jenseits der 50 sei die Arbeit kaum noch zu machen, „weil dir alles wehtut. Ich bin jetzt 39 und wenn ich nach Hause komme, muss ich mich ein paar Stunden hinlegen, weil ich zu nichts anderem mehr in der Lage bin.“

Die Kellys fordern, dass typische Leiden der Zimmermädchen wie Rücken-, Knie- und andere Gelenkschäden oder Angstzustände wegen körperlicher Überforderung als Berufskrankheiten anerkannt und damit auch Frühverrentungen erleichtert werden. Und sie fordern klare Vereinbarungen über die maximale Arbeitsbelastung, die auch eingehalten werden. „Es scheint ja, dass wir einen Zauberstab haben und nur einfach Simsalabim machen müssen und das Zimmer macht sich sauber. Nein. Wir haben viele Leiden“, sagt Barros. Sie selbst auch. Aber davon erzählt sie nur beiläufig. Es geht nicht um sie. Es geht um alle.

„Den meisten von uns gefällt unsere Arbeit. Wir glauben, dass es eine sehr würdige Arbeit ist“, sagt die Kelly-Präsidentin. „Aber man bietet den Touristen Qualität auf Kosten unserer Gesundheit.“ Sie will noch lange weiterkämpfen. Sie glaubt, dass es sich lohnt. Sie zitiert ein Motto der Kellys: „Organisiere dich, wenn du nicht willst, dass sie dich organisieren!“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ideealisten

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