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IDEEalisten Der Vermittler

Das Jobcenter im sächsischen Bautzen ist so erfolgreich, dass ihm selbst die Arbeit auszugehen droht. Behördenchef Mathias Bielich sieht den Menschen hinter dem „Fall“ und seine Talente.

Matthias Bielich
Viele Arbeitsmarktprogramme sind am Bedarf der Wirtschaft ausgerichtet, nicht an der Bedürftigkeit der Langzeitarbeitslosen, sagt Mathias Bielich. Foto: Steffen Höhne

Ein Schreibtisch mit zwei Computerbildschirmen, ein kleiner, runder Konferenztisch und vier Stühle, eine braune Schrankwand, in der sich grüne Ordner reihen. An der Wand hängt noch ein Kalender mit Landschaftsmotiven. Das Büro von Mathias Bielich sieht aus wie Zehntausende anderer deutscher Amtsstuben auch. Durchschnittlich. Der 57-jährige Chef des Jobcenters Bautzen trägt ein kurzärmliges Hemd und Krawatte. Modetechnisch auch eher Durchschnitt. Doch Äußerlichkeiten sagen in dem Fall wenig aus: Denn Bielich und seine Kollegen arbeiten überdurchschnittlich erfolgreich. In der ostsächsischen Region haben sie in den vergangenen sieben Jahren die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger um die Hälfte reduziert. Im Bundesvergleich ist das eine Spitzenposition. Wie ist das gelungen?

Bielich hat Maschinenbau studiert und arbeitete in der DDR in einem Landtechnikbetrieb. Erst nach der Wende wechselte er in die Bautzener Kreisverwaltung, war unter anderem für Bau und Personal zuständig. Seit 2013 leitet er das Jobcenter. Seine Einstellung ist jedoch die eines Ingenieurs geblieben: „Egal wie lange etwas dauert und was es kostet, am Ende ist vor allem wichtig, dass es funktioniert.“

Das klingt technisch. Doch der freundlich schauende Mann mit Brille ist kein Technokrat. „Bei der Arbeit hier geht es nicht um Fälle oder Kunden, sondern um Menschen.“ Und kein Mensch sei wie der andere. Das ist für ihn grundlegend, und danach müssten auch die Konzepte ausgerichtet werden. Viele Arbeitsmarktprogramme in Deutschland seien am Bedarf der Wirtschaft ausgerichtet, aber nicht an der Bedürftigkeit der Langzeitarbeitslosen.

In Bautzen nahm der Landkreis die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger selbst in die Hand. Das ermöglicht mehr Freiräume. „Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind unsere erfahrenen Mitarbeiter“, sagt Bielich. Zu 38,8 Millionen Euro ausgegebenen Eingliederungsmitteln von 2015 bis 2017 kamen 22,1 Millionen Euro eingeworbene Drittmittel hinzu. Hinter den Zahlen stecken sehr spezifische Förderungen. Bielich erzählt den Fall einer 50-jährigen Frau, die zwölf Jahre wegen psychischer Erkrankungen zu Hause war. Ihr Selbstwertgefühl hatte dadurch so sehr gelitten, dass sie sich nicht mehr in der Lage sah zu arbeiten. Dann bekam sie eine 20-Stunden-Stelle als Helferin in der Küche eines Kindergartens. „Die Kinder waren unvoreingenommen, haben ihre Einschränkungen als solche kaum wahrgenommen“, erzählt Bielich. Die Frau sei dort angenommen worden.

Oder der arbeitslose Metall-Facharbeiter, der längere Zeit keinen Job gefunden hat. „Bis jemand einmal mitbekommen hat, dass er abends im Keller immer drechselt. Seine Liebe gilt dem Holz.“ Bielich will mit solchen Schilderungen nicht pathetisch klingen. „Unser Fokus sollte in der Zukunft mehr darauf liegen, Talente besser zu erkennen. Bislang war das nicht so der Schwerpunkt im Jobcenter.“

Bei der Vermittlung der Arbeitslosen ist die Bautzener Behörde auf die Wirtschaft angewiesen. „Wir haben das Glück, dass sich bei uns in der Region die Unternehmen gut entwickeln.“ In der 40 000 Einwohner zählenden Stadt an der Spree betreibt etwa der Konzern Bombardier ein Bahnwerk, „Bautz’ner“ ist eine der beliebtesten Senfmarken Deutschlands geworden, und zahlreiche Industriefirmen arbeiten als Zulieferer in der Autobranche. „Der Fachkräftemangel ist auch hier angekommen“, so Bielich. Die Firmen seien daher bereit, auch Menschen einzustellen, die ein Handicap haben. Die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger ging in den vergangenen sieben Jahren um 54 Prozent auf 6429 zurück.

Mitarbeiter des Jobcenters haben Bielich von einem ehemaligen Langzeitarbeitslosen berichtet, der nach getaner Arbeit mit seiner schmutzigen Arbeitshose im Supermarkt einkaufen gewesen ist. Er war einfach stolz darauf, dass er sein Geld wieder selbst verdient – das wollte er auch nach außen zeigen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ideealisten

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