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IAA 2017 Die Zukunft überholt deutsche Autobauer

Auf der IAA in Frankfurt werden serienreife Konzepte umweltfreundlicher Technik fehlen. Der Elektropionier Tesla meidet die Show ganz.

Ferrari
Die IAA war schon immer die Messe, die das schneller, stärker, größer in der Autobranche auf Basis konventioneller Antriebstechnik gefeiert hat. Foto: rtr

Wie der Wagen aussehen wird, ist noch ein Geheimnis. Doch seine technische Ausstattung ist schon bekannt. Er verfügt über vier Elektromotoren und ein Benzin-Aggregat mit 1,6 Liter Hubraum. Die Batterie ist 100 Kilogramm schwer. Das Auto wird einer der Topstars auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt.

Sieht so die Zukunft aus? Immerhin handelt sich um einen Hybrid-Pkw, den der Mercedes-Tuner AMG gebaut hat. Das Auto soll rein elektrisch angetrieben 25 Kilometer weit kommen. Doch die große Frage ist, ob das einer der künftigen Besitzer des R50 – so der interne Name – das jemals ausprobieren wird. Denn der Wagen ist ein Rennwagen mit Straßenzulassung.

Der Benzinmotor ist die gezähmte Variante des Triebwerks, das Mercedes in der Formel 1 einsetzt. Insgesamt wird die sogenannte Systemleistung laut Hersteller „über 1000 PS“ liegen. Das Auto ist symptomatisch für die Branche. Viel Bekanntes und Bewährtes, vor allem die hemmungslos auf Leistung getrimmte Sechs-Zylindermaschine. Einiges, das in Zukunft wichtig wird – wie die zwei Elektromotoren, die an der Vorderachse angebracht sind.

„Die IAA wird in diesem Jahr davon geprägt sein, dass wir uns in einer Zwischenwelt befinden“, sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach. Die Hersteller setzten schon einen Fuß in die neue Welt, gemeint ist die Elektromobilität, sie müssten aber zugleich die Probleme der alten Welt bewältigen, also den Diesel-Skandal.

Für Bratzel zeigen die systematischen Tricksereien und Manipulationen bei der Abgasreinigung, dass eine Technologie an ihre Grenzen gekommen sei. Schon seit geraumer Zeit sei zu erkennen, dass sich der technische Fortschritt bei den Verbrennungsmotoren deutlich verlangsame. „Es wird immer komplexer, aufwendiger und teurer die Umweltanforderungen zu erfüllen.“ Da sei es naheliegend, nach Auswegen zu suchen – die bei Volkswagen zugegebenerweise illegal waren und sich bei anderen Herstellern in einer Grauzone bewegen. In solch einer Situation bildeten sich Alternativen immer deutlicher heraus.

Am deutlichsten materialisiert das wohl das Model 3 von Tesla. Ein sportlicher Elektromittelklassewagen, dessen Fertigung in den USA gerade hochgefahren wird. Die Auslieferungen im großen Stil sollen im neuen Jahr starten – bei einem Grundpreis von 35 000 Dollar. Besucher werden Tesla auf dem Messegelände in Frankfurt aber vergeblich suchen. Die Amerikaner halten nichts von Autoshows.

Auch das ist typisch für die IAA. Sie war schon immer die Messe, die das schneller, stärker, größer in der Autobranche auf Basis konventioneller Antriebstechnik gefeiert hat. Dem bleibt sie treu. Zu den Neuerungen und aufgefrischten Modellen, die in den Hallen gezeigt werden, gehören grob geschätzt mehr als zwei Dutzend wuchtige bis sehr wuchtige Pseudo-Geländewagen und Pritschenwagen, mit Motoren, die in den meisten Fällen deutlich die 200-PS-Marke überschreiten. Auf der IAA wird vor allem dem offenbar unaufhaltsamen SUV-Boom gehuldigt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier iaa2017

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