Lade Inhalte...

Human Rights Watch „Arbeitet schneller!“

Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) deckt die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken Kambodschas auf.

Frauen machen 90 Prozent der Arbeitskräfte in den Fabriken aus und leiden unter harten Bedingungen und sexueller Belästigung. Foto: dpa

Kambodscha, das Land, in dem einst die Roten Khmer wüteten, hat sich in den vergangenen Jahren in ein Paradies für Subunternehmer internationaler Modelabels verwandelt. Zu diesem Ergebnis kommt die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) in einem Bericht über die Arbeitsbedingungen der wichtigsten Exportindustrie des südostasiatischen Landes.

Bereits der Titel der Studie „Arbeitet schneller oder verschwindet“ gibt eine Vorahnung von den katastrophalen Bedingungen, unter denen rund 730 000 Arbeiterinnen in den 1200 Textilbetrieben arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können. „Gewerkschaften dürfen nicht aktiv sein“, erklärte HRW-Vertreter Phil Robertson gegenüber der FR, „ und viele der Frauen werden vom Management sexuell belästigt.“

Die Menschenrechtsorganisation untersuchte insbesondere die Zustände bei Betrieben, die für H&M, Gap, Marks and Spencer, Joe Fresh und den deutschen Sportartikelhersteller Adidas produzieren. Die Bilanz laut Robertson: „Von der Gruppe schneidet Adidas am besten ab.“

Die Firma besteht im Gegensatz zu den anderen Modefirmen bei ihren Subunternehmen auf einer Erlaubnis für gewerkschaftliche Aktivitäten und schützt sogenannte „Whistleblowers“, die auf Missstände hinweisen, vor der Kündigung. Außerdem veröffentlicht Adidas eine Liste der Subunternehmen, die für den deutschen Konzern arbeiten.

„Ob die Liste vollständig ist, müsste aber einmal ordentlich untersucht werden“, sagt HRW-Vertreter Robertson. Das Verhalten der deutschen Sportartikelfirma ist weit von den Praktiken entfernt, die beispielsweise bei Marks and Spencer üblich sind. „Wenn sie Beweise haben, legen sie uns die bitte vor“, hieß es bei dem Konzern auf Anfrage von HRW, „dann werden wir antworten.“

Freie Hand für Unternehmen

Adidas kommt in Kambodscha zumindest teilweise einer Verantwortung in der Frage von Arbeitsbedingungen nach, die dank dem seit Jahrzehnten herrschenden Regierungschef Hun Sen auf den Schultern der ausländischen Modefirmen landete. „Das Land besitzt seit 1997 ein hervorragendes Arbeitsrecht“, erklärt Robertson, „aber die Regierung achtet nicht mehr auf die Einhaltung ihrer Gesetze.“ Kambodschas Textilindustrie, in der weitaus höhere Löhne gezahlt werden als in Bangladesch oder Pakistan, trug im Jahr 2013 knapp fünf Milliarden US-Dollar zu den Gesamtexporten von 6,5 Milliarden US-Dollar bei. Im vergangenen Jahr betrugen Kambodschas Textilausfuhren 5,7 Milliarden US-Dollar.

Die Hun Sen Regierung gibt vielen der aus der Volksrepublik China nach Kambodscha gekommenen Subunternehmen der Modefirmen weitgehend freie Hand. Dazu gehört die Praxis von Kurzarbeitzeitverträgen, sogenannten STC’s. Mit ihrer Hilfe können Manager Arbeiterinnen jederzeit kündigen. „Es spielt keine Rolle, ob man schwanger ist oder nicht“, schilderte eine Frau namens Po Pov gegenüber HRW die Zustände in ihrer Fabrik, „ob krank oder nicht: Man muss sitzen bleiben und arbeiten. Wenn man zur Toilette muss, bleibt Arbeit liegen und man wird vom Aufseher angeschrien. Und wenn eine schwangere Frau nach Ansicht der Firma „langsam“ arbeitet, wird ihr gekündigt.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum