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Hubertus Heil Minister auf Fortbildung

Hubertus Heil nutzt seine Sommerreise durch Deutschland, um mit Arbeitnehmern und Unternehmern über die Folgen der Digitalisierung zu diskutieren. Sein Fazit: Auch sein Ministerium muss sich weiterentwickeln.

Hubertus Heil
Minister Heil besuchte auch das Schulungszentrum für deutsche Seehäfen „maritimes competenzcentrum“. Foto: Marco Urban

Als Schüler hat Wolfgang-Hubertus Heil mit großem Interesse im Deutschunterricht Gerhart Hauptmanns Theaterstück „Die Weber“ gelesen. Das Thema: die Ausbeutung und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Folge eines Epochenbruchs, in Folge der Industrialisierung. Heute ist Heil 45 Jahre alt und Bundesarbeitsminister. Der SPD-Politiker trägt damit eine besondere Verantwortung dafür, dass ein erneuter Epochenbruch für die Arbeitnehmer im Land möglichst erträglich verläuft: die Digitalisierung.

Mit Vertretern von Geschäftsführung und Betriebsrat sitzt Heil auf seiner Sommerreise als Minister beim Ingenieurdienstleister IAV in seinem Wahlkreis im niedersächsischen Gifhorn zusammen. Das Unternehmen arbeitet für Kunden in der Autoindustrie, vor allem für VW, dem der Dienstleister zu fünfzig Prozent gehört. Die 7000 Angestellten von IAV sind hochqualifiziert. Doch das, was ihr Unternehmen anbieten muss, wandelt sich gerade in schnellem Tempo. Neue Antriebsformen, autonomes Fahren, Apps für das Auto wie für das Handy – es tut sich viel, die Branche steht vor Umwälzungen. 

Mark Bäcker ist Betriebsrat in dem Unternehmen. Bäcker, selbst ein Ingenieur, malt ein Koordinatensystem mit einem Graphen an ein Wandplakat – weil man in seinem Beruf Sachverhalte so nun einmal darstelle. Durch den Graphen zieht er in der Mitte eine gerade, senkrechte Linie. Es ist ein dicker Strich, einer, der trennt. Diese mathematische Darstellung zeigt aus Bäckers Sicht, wie die Unternehmensleitung die Sache sieht. Auf der rechten Seite der Linie sei der Teil der derzeitigen Mitarbeiterschaft, der für das Unternehmen besonders wertvoll sei. Auf der linken Seite sei dagegen der Teil, deren derzeitige Tätigkeit künftig nicht mehr gebraucht werde.

„Die Konstrukteure waren früher im Unternehmen vom Ansehen her die absoluten Topleute“, sagt Bäcker. Heute gälten sie als Problemfälle. Die angestrebte Lösung: Die Menschen sollen nach den Bedürfnissen des Unternehmens neu qualifiziert werden. Nämlich so, dass einige von ihnen künftig als Softwareentwickler arbeiten können. Andere sollen sich stärker auf das Projektmanagement konzentrieren.

Über viele Jahre zu den gefragtesten Menschen im Unternehmen zu gehören und jetzt zu denen gezählt zu werden, die Nachholbedarf haben – das sei für viele auch „ein ganz stark emotionales Problem“, sagt Bäcker. Der Arbeitgeber müsse sich Zeit nehmen, mit den Mitarbeitern zu reden, um für jeden eine passende Lösung zu finden. Das Unternehmen wiederum, vertreten durch Arbeitsdirektor Kai-Stefan Linnenkohl, weist darauf hin, dass die Veränderung das Unternehmen ziemlich viel kosten werde. 

Rund 90 000 Euro pro weitergebildetem Konstrukteur fielen an, sagt er – für die Kurskosten, aber vor allem auch für den Wegfall der Arbeitskraft während der Fortbildung. Das Unternehmen sei aber entschlossen, mit der bisherigen Belegschaft weiter zu machen – man wolle nicht einfach den einen kündigen und dafür dann andere anstellen. 

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