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Hessischer Gründerpreis Frauen gründen immer häufiger

Fünf Kandidatinnen stehen im Finale des 12. Hessischen Gründerpreises, der am 12. November in Gelnhausen vergeben wird. Das bestätigt einen bundesweiten Trend und Studien, die sehen, dass Frauen Beruf und Familie in Einklang bringen wollen.

05.11.2014 16:56
Timur Tinç
Kerstin Ziegler hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Foto: Privat

Still herumsitzen und nichts tun war nie etwas für Kerstin Ziegler. Im Februar 2012 hat sich die 38-Jährige selbstständig gemacht – und das als dreifache Mutter. „Ich frage mich heute manchmal, wo ich die Zeit für die Planung hergenommen habe“, sagt Ziegler lachend. In ihrem Wohnort Vöhl-Schmittlotheim im Landkreis Waldeck-Frankenberg betreibt sie ein Geschäft für Imkereibedarf – direkt gegenüber ihrem Haus. Es ist das Haus ihres Großvaters, der selbst Imker war und seiner Enkelin alles über den Beruf beigebracht und ihr im Jahr 2006 seine Bienen überlassen hat. Dabei ist Kerstin Ziegler gelernte Bankkauffrau und hat jahrelang in einer Bank gearbeitet, bis sie den Angestellten-Beruf nicht mehr mit dem Familienleben in Einklang bringen konnte.

43 Prozent Gründungen durch Frauen

Als Selbstständige gelingt ihr nicht nur das, auch der Verdienst ersetzt ihr Gehalt bei der Bank. Zusätzlich beschäftigt Ziegler eine 400-Euro-Kraft. Im September ist sie dafür in der Kategorie „Mutige Gründung“ für das Finale des Hessischen Gründerpreises nominiert worden, der am 12. November in Gelnhausen zum zwölften Mal vergeben wird. Neben Ziegler gibt es acht Gründer, die in den weiteren Kategorien „Innovative Geschäftsidee“ und „Geschaffene Arbeitsplätze“ nominiert sind – fünf davon sind Frauen. „Vergangenes Jahr hatten wir nur eine Frau“, sagt Elisabeth Neumann vom „Initiativkreis Gründertage Hessen“, die den Gründerpreis verleiht.

Die vielen Finalistinnen bestätigen einen Trend, den der KfW-Gründungsmonitor 2014 festgehalten hat: Frauen gründen immer häufiger. Im vergangenen Jahr erfolgten 43 Prozent der Existenzgründungen durch Frauen – so viele wie noch nie. Insgesamt stieg die Anzahl der Gründer um 93 000 auf 868 000. Im Nebenerwerb sind Frauen und Männer demnach gleich häufig vertreten, beim Vollerwerb sind ein Drittel der Neu-Gründerinnen Frauen. „Dies dürfte mit der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit zu tun haben“, heißt es im Bericht des Gründungsmonitors. Dennoch sei die Erwerbsneigung von Frauen deutlicher gestiegen, als die von Männern.

Das deckt sich mit einer kürzlich veröffentlichen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. „Eine Gründung ist umso wahrscheinlicher, je häufiger und je länger eine Frau ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt unterbricht“, heißt es in der Studie zum Gründungsverhalten von Frauen, die auf Basis der Längsschnittdaten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) entstand. Nach der Beendigung einer ersten erziehungsbedingten Auszeit vergehen allerdings im Durchschnitt zehn Jahre, bevor sich eine Frau dazu entschließt. „Der Schritt in die Selbstständigkeit beruht daher vermutlich nicht nur auf den Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden, sondern auch auf dem Wunsch oder der Notwendigkeit, Erwerbsarbeit und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren“, resümierte Rosemarie Kay, die die Studie geleitet hat.

Hobby zum Beruf gemacht

Das traf auch bei Kerstin Ziegler zu. Nach der Geburt ihrer Kinder 2003, 2006 und 2009 ist sie nach einem Jahr Elternzeit immer wieder in ihren Beruf zurückgekehrt. „Doch die Idee zur Selbstständigkeit hatte ich schon 2009“, erzählt Ziegler. Die Imkerei war nach der Übernahme der Bienen ihres Großvaters ihr Hobby, sie besuchte Fortbildungen beim Landesverband Hessischer Imker, beim Bieneninstitut Kirchhain und die Imkereivereine in der Umgebung. „Da habe ich festgestellt, dass ein Laden für Imkereibedarf ein weißer Fleck auf der Landkarte ist.“ 2011 erstellte Ziegler einen Businessplan und dann ging alles ganz schnell. Die Ware und die Renovierung des Ladens hat sie selbst finanziert, hinzu kam eine kleine Fördersumme vom Leader-Programm der EU.

„Das Ganze war mit Zweifeln behaftet, ob das Geschäft überhaupt läuft“, sagt die 38-Jährige. Mittlerweile hat die dreifache Mutter eine Stammkundschaft von 400 Imkern in einem Einzugsgebiet von 100 Kilometern.

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