Lade Inhalte...

Helmut Holzapfel „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel“

Verkehrsprofessor Helmut Holzapfel über die Mobilität der Zukunft: Wie sich eine klimafreundliche Infrastruktur in Städten und Sicherheit auf der Straße erreichen lassen und ob das Elektroauto die Wende bringen wird.

Siegtal
Gut für Klima und Radfahrer: autofreier Sonntag, hier im Siegtal. Foto: Imago

Herr Holzapfel, der Verkehr ist das große Sorgenkind beim Klimaschutz. Statt zu sinken, ist der CO2-Ausstoß im Vergleich zum Basisjahr 1990 sogar angestiegen. Nun soll das Elektroauto die Wende bringen. Wird das funktionieren?
Nein, die vorhandene Autoflotte durch genauso schnelle, große und – wegen der Batterie und des Trends zu SUV – noch schwerere Elektroautos zu ersetzen, ist keine Lösung. Jede schnelle Fortbewegung braucht viel Energie, und Ökostrom ist knapp und kostbar, deshalb sollte man ihn sinnvoller verwenden. Hinzu kommt, dass die Batterien bisher noch mit hohem CO2-Aufwand hergestellt werden, und eine neue Ladeinfrastruktur aufgebaut werden muss. Das heißt: Eine Verkehrswende kann nur mit weniger und kleineren Autos und einen anderer Mobilität, vor allem in unseren Städten, überhaupt funktionieren.

Die Grünen fordern, dass ab 2030 keine Benziner oder Diesel mehr gebaut werden dürfen. Ist das zu schaffen?
Das ist praktisch fast unmöglich. Autokonzerne und Politiker hätten die Weichen viel früher stellen müssen – und können. Zur IAA 2009 habe ich einen Beitrag zu E-Autos geschrieben, der in der FR erschienen ist, Titel: „Wo tanken sie denn?“ Seither sind kaum Fortschritte beim Aufbau eines Ladenetzes erreicht. Diese Problematik wird auch heute noch unterschätzt. Es müssen zum Beispiel Lösungen für Verbrauchsspitzen entwickelt werden. Man bedenke, was passiert, wenn in einer Großstadt am Vorabend des Urlaubsbeginns fast die ganze Autoflotte aufgeladen werden soll...

Wie kann die Zukunft der Mobilität in unseren Städten denn aussehen, wenn die CO2-Kehrtwende im Verkehr bis 2020 erreicht sein soll und 2050 alle ganz ohne Klimabelastung fahren sollen?
Wie brauchen einen viel besseren öffentlichen Verkehr, außerdem eine optimierte Infrastruktur für den Fuß- und den Radverkehr in einer „Stadt der kurzen Wege“. Beides kann erhebliche Anteile des Autoverkehrs ersetzen.

Aber es wird weiterhin viele Autos geben...
Durchaus. Aber für eine klimaverträgliche Entwicklung müssen auch sie sich ändern. Die Wagen müssen kleiner und leichter werden, egal wie sie angetrieben werden. Alle Effizienzfortschritte sind bisher von mehr Leistung und Gewicht wieder aufgefressen worden. Wenn man nicht aufpasst, geht es mit den Batteriefahrzeugen genauso. Wir brauchen also auch Effizienz- und CO2-Standards für die E-Autos.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier iaa2017

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum