Lade Inhalte...

Helios-Kliniken Sparen an der Heilung

Fast 700 Ärzte der Helios-Kliniken schlagen Alarm: Zugunsten der Konzernprofite würden die Bedürfnisse der Patienten hintangestellt.

Die Kreiskrankenhäuser in Rottweil sollen an den Helios-Konzern gehen - der Standort Schramberg wird dann wohl geschlossen. Foto: dpa

Hunderte Ärzte der Helios-Kliniken haben schwere Vorwürfe gegen die Konzernleitung erhoben. In einem Brief kritisieren sie, dass in den Krankenhäusern die medizinischen Bedürfnisse der Patienten zunehmend weniger beachtet würden. „An die Stelle medizinisch motivierter Entscheidungen tritt zunehmend ein Kampf um die Einhaltung betriebswirtschaftlicher Vorgaben und Benchmark-Erfüllung“, schreiben sie an den Vorstandsvorsitzenden, Francesco De Meo.

Die Ärzte halten diese Entwicklung für „höchst bedenklich“ und „nicht akzeptabel“, wie aus dem Kreis der Unterzeichnenden verlautet. Der Brief wurde innerhalb einer Woche von 688 Ärzten des Konzerns unterschrieben.

Helios ist einer der größten privaten Krankenhauskonzerne in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin betreibt 63 Krankenhäuser und 28 Medizinische Versorgungszentren in ganz Deutschland und versorgt so jährlich mehr als zwei Millionen Patienten. Im vergangenen Jahr ist der Gewinn deutlich stärker gestiegen als der Umsatz. Dies bedeutet, dass die Kosten je Patient deutlich gesenkt wurden. Während der Umsatz um vier Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zulegte, stieg der Gewinn vor Zinsen und Steuern fast viermal so schnell und erreichte ein Plus von 15 Prozent. Trotz Umsatzwachstum und der Übernahme eines weiteren Krankenhauses ist die Gesamtzahl der Mitarbeiter im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen.

Die Ärzte beklagen in dem Brief einen „zunehmend schärferen Ton gegenüber dem gesamten medizinischen Personal in vielen Häusern“. Der Druck auf medizinische Entscheidungsträger zeige sich in einem als „Abmahnungskultur“ empfundenen Umgang. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mediziner drohen mit Ausstieg

Konzernchef De Meo hat stets betont, wie wichtig die medizinische Qualität sei. Er ist Präsident des Vorstandes der Initiative Qualitätsmedizin, die Helios gemeinsam mit kirchlichen und öffentlichen Kliniken im Jahr 2008 gegründet hat. „Gerade die privaten Träger werden ja immer wieder mit Vorurteilen – gerade im Bereich Qualität – konfrontiert“, sagte De Meo vor einem Jahr. Man müsse „ganz offen zeigen, dass die unberechtigt sind, dass wir Mängel konsequent beseitigen“. Man wolle zeigen, „dass es nicht zutrifft, dass wir die Patienten blutig entlassen, damit sie möglichst kurz im Krankenhaus sind.“

Helios befindet sich mit dem Marburger Bund in Tarifverhandlungen. Die Ärzte sind unzufrieden, weil ein Tarifabschluss seit fast einem Jahr aussteht. Bisher gehörte Helios zu den Tarifführern der Branche. Nun drohen die Mediziner, das Unternehmen zu verlassen, wenn die Arbeitsbedingungen nicht verbessert werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum