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Hauptversammlung Fraport fliegt aufs Ausland

Der Flughafen-Konzern verdient gut an seinen Beteiligungen und setzt künftig auf Consulting.

Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport. Foto: dpa

Für die Fraport-Haupversammlung sind sie eigens aus Baltimore angereist: Arbeitnehmer des Fraport-Tochterunternehmens Airmall, begleitet von Vertretern ihrer Gewerkschaft Unite Here. Unterstützt von deutschen Verdi-Kollegen protestieren sie am Freitag vor dem Eingang gegen die schlechten Arbeitsbedingungen am Baltimore Washington International Airport. „Eine Kollegin verdient nur halb sie viel wie vor zehn Jahren“, sagt Tracy Lingo. „Wenn deutsche Firmen in den USA Tochtergesellschaften betreiben, müssen sie auch die dortigen Bedingungen akzeptieren“, fordert der Frankfurter DGB-Chef Harald Fiedler.

Auch im Saal fällt der Name Airmall. Allerdings in einem anderen Zusammenhang. „Mit dem Zukauf haben wir das Centermanagement für das Retail-Geschäft an vier US-amerikanischen Flughäfen übernommen und damit in diesem Bereich ein erstes Stadtbein geschaffen“, sagt Stefan Schulkte, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Flughafengesellschaft. Fraport engagiert sich verstärkt im Airport-Einzelhandel – und nicht nur dort setzt sie auf eine internationale Strategie.

Auch die am Mittwoch (13. Mai) vorgelegten Verkehrszahlen für den Monat April zeigen die große Bedeutung des internationalen Geschäfts für Fraport. So konnten die Passagierzahlen zwar auch in Frankfurt um beachtliche 7,5 Prozent wachsen, aber der vergangenes Jahr übernommene Flughafen im slowenischen Ljubljana legte um 13.3 Prozent zu. Auch Lima in Peru steigerte die Passagierzahlen um 7,6 Prozent.

Nun mag man einwenden, dass dieses Wachstum – insbesondere in Slowenien – von einer sehr viel niedrigeren Basis aus geschieht. Aber auch die 25-Prozent-Beteiligung im chinesischen Xi’an steigerte die Passagierzahl sehr stark um fast 16 Prozent, un dort ist man mit fast drei Millionen Passagieren im Monat schon eher in der Liga von Frankfurt, wo im April gut fünf Millionen abgefertigt wurden. Auch bei den kumulierten Zahlen für das bisherige Jahr ist die Tendenz gleich, die meisten internationalen Beteiligungen wachsen ähnlich stark oder stärker als die Heimatbasis Frankfurt.

Interesse an griechischen Flughäfen

Dabei war Fraport international zuletzt vor allem wegen des angestrebten Kaufs von 14 griechischen Regionalflughäfen im Gespräch, mit nicht nur positiven Tönen. Die im Herbst angekündigte Übernahme für 1,2 Milliarden Euro war nach dem Regierungswechsel unsicher geworden. Die aktuelle griechische Regierung lehnt Privatisierungen ab, braucht aber Geld.

Ende April hatte Schulte vor Journalisten davon gesprochen, dass es gute Signale seitens der griechischen Regierung gebe. Fraport-Sprecher Mike Schweitzer sagte nun der Frankfurter Rundschau, es habe „konstruktive Gespräche“ mit der griechischen Regierung gegeben, es seien Folgetermine vereinbart und es gebe von der „griechischen Regierung Signale, die Vereinbarung zu finalisieren“.

Vor wenigen Tagen hatte die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen aus dem Konzern berichtet, Fraport sei zu einer Übernahme in Teilschritten oder einer Minderheitenbeteiligung des griechischen Staates bereit. Das wollte Schweitzer nicht bestätigen, verwies aber darauf, dass man mit staatlichen Beteiligungen vertraut sei. Fraport selbst ist zu über 51 Prozent im Besitz des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt und auch am chinesischen Flughafen Xi’an ist der Staat beteiligt.

Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank sieht Fraport als „besten Bieter“ für die griechischen Flughäfen im Rennen und erwartet, dass „die Transaktion Ende 2015/Anfang 2016 abgeschlossen werden sollte“. Sein Kollege Christian Cohrs von Warburg-Research bewertet eine mögliche Übernahme „zurückhaltend“. Angesichts der bisher bekannten Zahlen des Deal – Kaufpreis, Investitionen und Konzessionsgebühren – sei es „unklar, ob Fraport einen adäquaten Return on Investment erzielen kann. Dafür bedarf es umfangreicher Erlösverbesserungen“, so Cohrs.

Mag es noch dauern, bis Fraport in Griechenland verdient, die weltweiten Beteiligungen – der Konzern ist an 14 Flughäfen auf vier Kontinenten aktiv – bringen bereits gutes Geld in die Kasse. Laut DZ-Analyst Schlamp war „External Acitivities & Services“ mit einer Verzinsung auf das eingesetzte Vermögen von 14,4 Prozent nach „Retail & Real Estate“ (15,2 Prozent) im letzten Geschäftsjahr der ertragsstärkste Bereich. Konzernweit lag die Verzinsung bei 9,2 Prozent. Auch Cohrs betrachtet die internationalen Aktivitäten des Flughafenbetreibers positiv: „Die Verzinsung des eingesetzten Kapitals im Bereich External Activities ist überdurchschnittlich, gemessen am gesamten Konzern.“

Cohrs erwartet zwar 2015 „ein paar Bremsspuren“ in Antalya, weil weniger russische Touristen ankommen, ebenso an den beiden bulgarischen Flughäfen Varnas und Burgas. Die zeigen sich auch bereits in den aktuellen April-Zahlen, insbesondere in Burgas ist die Passagierzahl um 30 Prozent eingebrochen.

Aber dennoch seien diese Projekte sehr erfolgreich für Fraport und „weit über den ursprünglichen Businessplänen“. Auch gegen die beiden jüngsten Übernahmen in Slowenien und den USA hat Cohrs nichts einzuwenden. Der Flughafen Ljubljana sei eine kleine Übernahme, gut zu verkraften und leicht einzugliedern. Bei der AirMall-Gruppe in den USA, ebenfalls keine große Übernahme, rechtfertigten alleine die Bestandskonzessionen bereits einen Großteil des Kaufpreises. Darüber hinaus böten mögliche neue Projekte gute Optionen. AirMall vermarktet Shopping-Flächen an vier US-Flughäfen.

Consulting-Geschäft wird ausgebaut

Alexander Zinell, der Leiter des Fraport-Bereichs „Akquisitionen und Beteiligungen“, hatte Ende April gemeinsam mit Schulte die internationale Arbeit des Konzern vorgestellt. Zinell sagte bei dieser Gelegenheit, dass seine Abteilung das bislang noch eher kleine Consulting-Geschäft von Fraport ausbaue. Derzeit seien dafür 18 seiner 50 Mitarbeiter tätig.

„Wir beherrschen das Flughafengeschäft in der Tiefe und der Breite“, so Zinell. Dieses Know-how solle gebündelt und vermarktet werden und nicht nur Flughäfen im eigenen Netzwerk, sondern auch fremden als Beratungsdienstleistung angeboten werden. Für Warburg-Analyst Cohrs ist das eine gute Option. Das Geschäft sei zwar noch von untergeordneter Bedeutung, aber „ein smarter Move“. Denn Fraport binde kein Kapital, schaffe aber Möglichkeiten für jüngere und ältere Manager, sich zu profilieren beziehungsweise Erfahrungen einzusetzen und könne dabei „zusätzliche Erlöse erzielen“.

Dass der Konzern Wettbewerber unterstützt, sei nicht zu erwarten, weil auf Consulting-Dienstleistungen wohl nur kleinere Airports zurückgreifen werden, die großen Hubs, die tatsächlich mit Fraport konkurrieren, seien nicht die Zielgruppe dafür.

Dass es geschäftlich rund läuft für Fraport zeigen auch die jüngsten Zahlen für das erste Quartal: Der Konzernumsatz stieg um fast elf Prozent auf rund 576 Millionen Euro. Getragen wurde der Zuwachs laut Fraport von positiven Verkehrs- und Preisentwicklungen, höheren Retail-Einnahmen, den neuen Konzern-Gesellschaften sowie Währungskurseffekten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich noch stärker um 13,8 Prozent auf gut 153 Millionen Euro und das Konzern-Ergebnis lag mit 10,6 Millionen Euro um 4,6 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Diese Zahlen bewertete Commerzbank-Analyst Johannes Braun als „sehr solide“.

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