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Handelsstreit USA und China spielen Ping-Pong

US-Präsident Trump weitet seine Strafzölle gegen China aus, die Volksrepublik reagiert umgehend. Auch ein Boykott von US-Produkten ist eine Option.

Ping Pong
Hin- und Her: Die USA und China spielen sich derzeit die Bälle in Form immer neuer Zölle zu. Foto: rtr

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spitzt sich zu. Nachdem Donald Trump seine Drohung wahrgemacht und neue Zölle auf chinesische Produkte verhängt hat, droht China mit einem schmerzhaften Gegenschlag. Auf die „einseitig protektionistischen Maßnahmen“ werde China „schnell reagieren“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Freitag in Peking.

Der Ankündigung aus Washington zufolge erheben die USA einen Zoll von 25 Prozent auf zahlreiche Technik-Produkte aus dem Reich der Mitte. Dabei geht es um ein Volumen von 50 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro). Trump will damit vor allem die Initiative „Made in China 2025“ treffen, mit der sich das Land unter die Herstellerländer hochwertiger und innovativer Waren katapultieren will. Zur Begründung führte die US-Regierung Ideenklau und Urheberrechtsverletzungen durch chinesische Firmen an.

Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr unterdessen von einer weiteren Liste mit Produkten im Wert von 100 Milliarden Dollar jährlich, die Trump in der nächsten Runde mit Zöllen belasten will. Die chinesische Regierung hat ihrerseits bereits eine Liste von Warengruppen vorbereitet, auf die sie ihrerseits Zölle erheben könnte. Dazu gehören landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Sojabohnen und Rindfleisch sowie Industrieprodukte wie Flugzeuge und Autoteile. Deren ungefährer jährlicher Einfuhrwert liegt ebenfalls bei 50 Milliarden Dollar.

Das ist kein Zufall, sondern soll zunächst eine angemessene Reaktion signalisieren. Die Sojabohnen gelten als besonders wirksames Druckmittel: China nimmt den USA fast 60 Prozent ihrer Jahresproduktion ab. Amerikanische Bauern verdienen damit jährlich rund zehn Milliarden Dollar. Die Anbaugebiete befinden sich in Staaten mit einem hohen Anteil von Trump-Wählern.

Es gibt jedoch auch noch ausgefallenere Mittel für China, um den USA wehzutun. So ist die chinesische Devisenverwaltung einer der größte Aufkäufer amerikanischer Staatsanleihen auf dem Planeten. Anders gesagt: Die Chinesen finanzieren die Amerikaner.

Bei diesem Geschäft handelt es sich schlicht um die Kehrseite des Handelsüberschusses von 350 Milliarden Dollar im Jahr, den Trump beklagt. Denn Chinas Finanzbehörden müssen die eingenommenen Dollar sicher anlegen. Bisher sind die Schuldpapiere des amerikanischen Staates dafür erste Wahl. Wenn China diese Politik jedoch in Frage stellt, dann könnten für Trump die Zinsen steigen. Das käme für den US-Präsidenten zur Unzeit: Er hat gerade die Steuern gesenkt und die Ausgaben erhöht, ist also auf Schulden angewiesen, um die Lücke zu schließen.

Drohungen und gebrochene Versprechen

Außerdem steht noch eine weitere Drohung der Chinesen im Raum: Wenn die USA mit ihrer Zollpolitik fortfahren, fühle auch Peking sich nicht mehr an bestehende Abkommen gebunden, teilte das Handelsministerium mit. Dazu gehört das Versprechen, zusätzliche US-Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar einzuführen. Präsident Xi Jinping hatte es Trump im vergangenen Jahr gegeben, als dieser China besuchte. Dazu gehört die Bestellung von 300 Boeing-Flugzeugen im Wert von knapp 40 Milliarden Dollar.

China hat jedoch noch ganz andere Möglichkeiten, die USA zu treffen. Wenn Peking eine antiamerikanische Stimmung schürt und auf der Klaviatur des Patriotismus spielt, wäre ein Konsumboykott gegen US-Waren fast sicher. Das hat auch mit Japan schon mehrfach funktioniert. In angespannten Zeiten kippte beispielsweise ein aufgebrachter Mob einen Toyota um und zündete ihn vor den Augen seines entsetzten Besitzers an. Das belastete die Verkaufszahlen japanischer Autos erheblich. Selbst im eigentlich weltoffenen Peking stürmten selbsterklärte Patrioten seinerzeit Sushi-Bars.

China würde all das gerne vermeiden. Keine dieser Vergeltungsmöglichkeiten ist frei von Nebenwirkungen. Höhere Zölle auf Sojabohnen oder Autoteile machen das Leben auch für durchschnittliche Chinesen teurer. Überschäumender Patriotismus lässt sich nur schwer wieder einfangen. Und wenn China sich von US-Staatsanleihen abwendet, dann würden deren Kurse fallen. Damit wären auch die vorhandenen Bestände in chinesischer Hand weniger wert.

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