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Handelsstreit Trumps Spiel mit der Eskalation

Ökonomen streiten über die Effekte der Strafzölle von Donald Trump auf die globale Wirtschaft. Wer leidet mehr, wenn der Handelskonflikt außer Kontrolle gerät?

U.S. Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald Trump riskiert einen Handelskrieg, weil er glaubt, ihn gewinnen zu können. Foto: rtr

Wenn nur der Elefant nicht wäre. An sich befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem Aufschwung, den es so sehr lange nicht gegeben hat. Praktisch alle Konjunkturdaten weisen nach oben, wie mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute sowie der Sachverständigenrat am Mittwoch in seltener Einmütigkeit betont haben. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr zwischen 2,3 und 2,6 Prozent zulegen, die Prognosen für 2019 bewegen sich zwischen 1,8 und 2,2 Prozent. Auch die Beschäftigung wird noch einmal wachsen, ebenso der Außenhandel, die Investitionen, die Löhne und damit die Kaufkraft. Allenfalls die zögerlich steigende Produktivität, Fachkraftengpässe und ausgelastete Kapazitäten in einzelnen Branchen könnten weiteres Wachstum bremsen, weshalb die Prognosen für 2019 etwas zurückhaltender ausfallen.

Am positiven Gesamtbild ändert das nichts. Der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, spricht von einem „selbsttragenden Aufschwung mit hoher Qualität“.

Dem könnte der Elefant im Weißen Haus aber ein Ende bereiten. Als mit Abstand größtes Risiko für das Wachstum benennen die Wirtschaftsforscher eine Eskalation des Handelskonflikts mit den USA, der in einen weltweiten Handelskrieg münden könnte. Die von US-Präsident Trump verfügten Importzölle auf Aluminium und Stahl werden am Donnerstag wirksam. Sollte die EU wie angekündigt daraufhin Zölle auf US-Produkte im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar beschließen, könnte Trump mit Zöllen auf europäische Automobile antworten. Auch China dürfte Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Zölle einleiten und zugleich versuchen, mehr Stahl in Europa abzusetzen, woraufhin die EU ihre Zölle auf chinesischen Stahl erhöht.

Es steht viel auf dem Spiel

Eine solche Eskalation würde die globale Wirtschaft ohne Frage stark in Mitleidenschaft ziehen. Die positiven Prognosen der Ökonomen wären Makulatur, zum Beispiel die beachtlichen Einkommenssteigerungen. Für die Tariflöhne sagt das IMK für dieses und nächstes Jahr ein Plus von jeweils 2,6 Prozent voraus. Die tatsächlich gezahlten Entgelte werden mit jeweils rund 3,0 Prozent sogar noch stärker steigen, weil auch viele nicht tarifgebundene Unternehmen die Löhne anheben und andere über Tarif bezahlen. Abzüglich der Teuerungsrate bleibt den Beschäftigten somit ein Reallohnzuwachs von rund 1,4 Prozent pro Jahr. Mithin steht nicht nur für die Firmen, sondern auch für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einiges auf dem Spiel.

Bleibt die Frage, ob es so schlimm kommt. Die Wirtschaftsforscher verweisen darauf, dass die von Trump beschlossenen Zölle auf Stahl und Aluminium die US-Wirtschaft stärker beeinträchtigen werden als die europäische. Nur vier Prozent der deutschen Stahl- und Aluproduktion gehen in die USA. Umgekehrt müssten die US-Bauwirtschaft und metallverarbeitende Unternehmen mit insgesamt 12,3 Millionen Beschäftigten für Einfuhren der beiden Metalle deutlich mehr bezahlen. Ihre Wettbewerbsfähigkeit litte, Jobs gerieten in Gefahr. So was nennt man einen Schuss ins eigene Knie.

Ob Trump solch rational-ökonomischen Argumenten zugänglich ist? Zweifel sind angebracht. Andererseits: Elefanten immerhin gelten ja als ziemlich intelligent.

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