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Handelsstreit Der kleine Mann zahlt Trumps Rechnung

US-Präsident Donald Trump erhebt weiter Strafzölle gegen China - und verteuert damit das Leben der US-Amerikaner.

Waschmaschinen
Schon im Januar, als Donald Trump hohe Strafabgaben auf chinesische Waschmaschinen verhängte, stiegen die Preise für diese Geräte in den USA. Foto: afp

Wilbur Ross machte eine kuriose Rechnung auf. „Das Ganze verteilt sich auf Abertausende Produkte“, sagte der amerikanische Handelsminister: „Deswegen wird das am Ende niemand wirklich merken.“ Der Milliardär sprach über die Auswirkungen der neuen US-Zölle auf Einfuhren aus China. Tatsächlich führt die 194-seitige Liste insgesamt 5745 Produkte von gefrorenen Schweineteilen bis zu Plastikknöpfen auf, die künftig mit einer Strafabgabe belegt werden. Wodurch sich dieser Aufschlag neutralisieren soll, bleibt das Geheimnis des Politikers.

Realistischer dürfte da schon die Einschätzung des Handelsverbandes National Retail Federation sein. Die Zölle seien eine Art „Tod durch tausend kleine Schnitte“, warnt ihr Sprecher David French in drastischen Worten: „In der Summe werden die Haushalte die Wirkung zu spüren bekommen.“ Schon im Januar, als US-Präsident Donald Trump hohe Strafabgaben auf chinesische Waschmaschinen verhängte, stiegen die Preise für diese Geräte in den USA. Nun kommt ein riesiges Segment hinzu, das Fernsehgeräte und Klimaanlagen ebenso umfasst wie Golftaschen und Skihandschuhe oder Matratzen, Möbel, Spielzeug und Lebensmittel.

Trump will gesamte Einfuhren aus China mit Zöllen belegen

Die Dimension ist gewaltig: Einfuhren aus China im Gesamtwert von 200 Milliarden Dollar sind von dem Strafzoll betroffen. Das sind elf Prozent aller US-Importe und rund die Hälfte des Warenflusses aus dem asiatischen Riesenreich. Die Analysten der Agentur Moody’s erwarten, dass sich das Wachstum in Amerika durch die Mehrkosten im nächsten Jahr um 0,25 Punkte abschwächen wird. Und das ist nicht das Ende: Für den Fall der von Peking bereits angedrohten Gegensanktionen will Trump weitere 267 Milliarden Dollar und damit die gesamten Einfuhren aus China mit Zöllen belegen. Der Handelskrieg gerät außer Kontrolle.

Wenn die amerikanischen Verbraucher in der nächsten Woche trotzdem nicht in Massen protestieren, hat das vor allem drei Ursachen: Erstens treten die neuen Zölle in zwei Stufen (ab Montag zehn Prozent, ab dem Jahreswechsel 25 Prozent) in Kraft, so dass der volle Effekt erst nach dem Jahreswechsel durchschlägt. Zweitens haben große Handelsketten wie Walmart und J. C. Penney die meisten Artikel fürs Weihnachtsgeschäft bereits auf Lager, und drittens wurden bestimmte besonders populäre Produkte wie die Apple-Smartwatch und Nike-Sneaker von der Strafsteuer ausgenommen.

So dürften die Preise zunächst in den Supermärkten bei leicht verderblichen und daher nur begrenzt lagerfähigen Lebensmitteln wie Fisch, Früchten und Gemüse steigen, die aus China importiert werden. Die anderen Aufschläge könnten mit Verzögerung durchschlagen – wahrscheinlich besonders deutlich bei Kinderfahrrädern, Regenjacken, Weihnachtslichtern und Malkästen, die nach einer Statistik des „Wall Street Journal“ jeweils zu mehr als 75 Prozent aus China stammen. Weil auch importierte Baumwolle, Nylon, Polyester und Garn mit Zöllen belastet werden, dürfte bald auch Kleidung teurer werden.

Apple-Watch von Zöllen befreit

Ursprünglich hatten auch die Apple-Watch und andere Produkte des kalifornischen Technologieriesen auf der Liste gestanden. Das iPhone sollte von Anfang an verschont werden. Nun sind aber auch die Apple-Watch und der Home-Pod, die beide in China gefertigt werden, von der Abgabe befreit.

Apple-Chef Tim Cook hat im Hintergrund höchst effektive Lobbyarbeit betrieben. Die Apple-Watch, argumentierte er, sei für viele US-Bürger unverzichtbar, weil sie damit ihre Herzfrequenz überprüfen würden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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