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Handelsstreit Angriff auf den Dollar

Im Handelsstreit setzen die USA die Chinesen massiv unter Druck. Dabei sind diese der größte Gläubiger Washingtons. Was passiert, wenn Peking die Währungswaffe zückt?

Container im Hafen von Long Beach
Noch wird gehandelt: Chinesische Container im Hafen von Long Beach, Kalifornien. Foto: afp

Der globale Handelskrieg steht vor der nächsten Eskalationsstufe: Am Mittwoch werden die USA voraussichtlich neue Zölle gegen chinesische Importe erheben. Peking hat umgehende Vergeltung versprochen. Bei der Frage, wie Chinas Antwort aussehen könnte, rückt zunehmend ein Fakt in den Fokus: Peking hat Washington in den vergangenen Jahren hunderte von Milliarden Dollar geliehen. Damit steht die Frage im Raum, ob die USA sich einen Streit mit ihrem größten ausländischen Gläubiger überhaupt leisten können.

Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU herrscht derzeit Waffenstillstand. Man verhandelt. Das amerikanisch-chinesische Verhältnis dagegen ist eingefroren. Ab kommendem Mittwoch kann die US-Regierung weitere chinesische Importe über 16 Milliarden Dollar mit Strafabgaben belegen. Zudem erwägt Washington, Ende des Monats auf ein Importvolumen von mehr als 200 Milliarden Dollar Zölle in Höhe von bis zu 25 Prozent zu erheben.

Für die Vereinigten Staaten geht es dabei nicht nur um höhere Erträge aus dem globalen Handel, sondern ganz prinzipiell darum, „Chinas wirtschaftlichen und politischen Aufstieg mit Zöllen zu bremsen“, so Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Das weiß die Regierung in Peking und schwört daher, es Washington mit gleicher Münze heimzuzahlen. Die Fronten sind verhärtet: Die US-Regierung hat zwar Bereitschaft zu Verhandlungen geäußert – aber unter der Vorbedingung, dass China auf Gegenmaßnahmen verzichtet. Dazu zeigt Peking bislang keine Bereitschaft. „Wir sind bereit, unsere Interessen und unseren Stolz zu verteidigen“, teilte das Handelsministerium vergangene Woche mit.

Die Position Chinas in dem Streit scheint schwach, schließlich ist die Wirtschaft des Landes auf den Export in die USA angewiesen. Gleichzeitig hat Peking allerdings ein Pfund in der Hand: Es ist größter ausländischer Gläubiger Washingtons. Nach offiziellen Zahlen hat es den USA etwa 1200 Milliarden geliehen, tatsächlich dürften es 200 bis 400 Milliarden Dollar mehr sein.

Laut einem an den Finanzmärkten gehandelten Bedrohungsszenario könnte Peking nun anfangen, seine Dollar-Bestände auf den Markt zu werfen. Damit fiele nicht nur ein wichtiger Kreditgeber der USA aus. Auf die Märkte käme zudem eine US-Staatsanleihen-Schwemme zu. Dies träfe Washington zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Denn in den nächsten Jahren will es sich massiv verschulden und Staatsanleihen begeben. Bald schon wird Amerikas Staatsdefizit über eine Billion Dollar steigen und auf diesem Wert bleiben. Allein dieses Jahr beträgt die Neuverschuldung 700 Milliarden Dollar. Dazu kommen neue Schuldscheine über drei Billionen Dollar, mit denen Washington auslaufende Alt-Schulden ablöst. 

Wenn nun noch Peking seine Devisenreserven verkaufte, würde dies wohl eine starke Dollar-Abwertung sowie massiv steigende Zinsen für die USA bedeuten. Dies könnte „die gesamte US-Wirtschaft früher oder später – so das strategische Ziel – in die Knie zwingen“, so Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Das Drohpotenzial sei daher erstmal groß. Doch „es ist wie mit Atomwaffen: Ihr Drohpotenzial ist groß, ihr Einsatz hätte aber katastrophale Folgen“.

Es ist daher unwahrscheinlich, dass Peking zur Dollar-Waffe greift. Denn erstens würde der Dollar-Absturz Chinas verbleibende Devisenreserven stark entwerten. Zweitens würde die chinesische Währung aufwerten, was den Exporteuren das Leben schwer macht, die vom Verkauf in die USA leben. Drittens würde das Weltfinanzsystem Schaden nehmen, was Chinas Konjunktur hart treffen könnte. Und schließlich stünde Peking vor der Frage: In was soll es die aus dem Dollar-Verkauf resultierenden Erträge investieren? Es steht schlicht kein ausreichend großer Währungsmarkt zur Verfügung, der diese Milliarden problemlos aufnehmen könnte. Die auf Euro oder Yen lautenden Märkte sind zu klein, Pfund oder Schweizer Franken ebenfalls.

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